Zielorientiert miteinander

13. Mai 2016, 18:33 Uhr
FSV Fernwald – Meister der Kreisoberliga Süd und Aufsteiger in die Gruppenliga. Am Erfolg beteiligt waren (hintere Reihe, v. l.): Physiotherapeut Jahan Golidj, Tim Balser, Oliver Wiegel, Niklas Wagner, Leon Mendez, Lukas Teichert, Kevin Buycks, Ngolo Ouattara, Lukas Schmandt, Sven Kusebauch, Pierre Chabou, Kai Ranke, Moritz Schmandt, Nebil Celik, Moritz Pfeiff (vorn, v. l.) Nelson Delzer, Trainer Roger Reitschmidt, Dominik Wagner, Malte Simon (liegend), Till Daniels, Lucas Schmitz, Patrick Wallbott, Helmut Schäfer. Es fehlt Tomi Pillinger. (Foto: Friedrich)

(gae) Michael Becker und Max Blaukat lassen es sich scmecken. Es sieht verdammt lecker aus und riecht auch so – der Bellschuh mit Bratkartoffeln und frischem Salat sowie die Grüne Soße mit Pellkartoffeln. Und das Ambiente am GRG-Bootshaus passt bei strahlendem Sonnenschein zum Anlass des Gesprächs: Der FSV Fernwald ist seit letztem Sonntag Meister der Fußball-Kreisoberliga Süd und in die Gruppenliga aufgestiegen – und das drei Spieltage vor dem Ende der Saison.

Becker und Blaukat, sozusagen die sportliche Leitung des Klubs (dazu gehört noch Förderer Günter Hühn), haben sich Zeit für einen interessanten Austausch genommen. Facettenreich berichten sie vom freiwilligen Abstieg aus der Hessenliga nach der Saison 2013/14 in die Niederungen – und den nun vollzogenen Sprung in die Gruppenliga. Immerhin hatten die Fernwälder 2014 neun Jahre höchste hessische Amateur-Fußball-Zugehörigkeit auf dem Buckel. Die Verantwortlichen verzeichneten im Rückzugsjahr in allen Bereichen eine gewisse Müdigkeit – sie waren ausgebrannt. Dennoch war der Rückzug kein leichter Schritt für Becker, dem sein Heimatklub ans Herz gewachsen ist. Der 45-Jährige ist seit Neuestem im geschäftsführenden Vorstand als Vorstand Sport verantwortlich. Seine Mitstreiter Ingo Steinke (Finanzen) und Joachim Daniels (Verwaltung) bilden die weiteren zwei Säulen des Vereins. Blaukat ist Sportlicher Leiter – und soll, wie es Becker ausdrückte, mal in seine Fußstapfen treten.

Das Ziel für die kommende Saison in der Gruppenliga ist klar definiert. »Wir wollen einen Platz von eins bis fünf belegen und mittelfristig in die Verbandsliga«, erklärt Becker. Für ihn ist der Fußball in Fernwald eine »Herzensangelegenheit« – seine ganze Familie und Verwandtschaft sei integriert. Jahrelang hat er dort selbst in allen Altersklassen gespielt. Und nun will er davon etwas zurückgeben, was für ihn ein ausschlaggebender Beweggrund ist, trotz der geringen Zuschauerresonanz (im Schnitt 100 pro Heimspiel), sich in diesem Maße für den Verein zu engagieren.

Der Kader für die Saison 2016/17 steht im Großen und Ganzen. Es gibt kaum Abgänge zu verzeichnen, wobei noch Gespräche mit einigen Spielern ausstünden, so Blaukat. Den FSV verlassen werden Till Daniels (VfR Lich) und Lukas Schmandt (noch unbekannt). Neu dazu stoßen Defensivkraft Oliver Richardt (früher Kinzenbach, aktuell Stadtallendorf), Innenverteidiger Julian Bender, Mittelfeldspieler Brian Makusa (beide VfB 1900 Gießen) und Stürmer Felix Erben (TSG Wieseck). »Alles Typen, die zu uns passen und charakterstark sind«, sagen Becker und Blaukat unisono. Und falls einer mal querschlage, so regele das die Mannschaft selbst.

Die aktuelle, die souverän aufgestiegen ist, stehe für Zusammenhalt und ein ordentliches Miteinander. »Die Mannschaft ist der Wahnsinn«, schwelgt Blaukat. Und Becker schwärmt ebenfalls in den höchsten Tönen von ihr: »Es ist fast die beste Mannschaft, die wir je hatten.« Fast alle Spieler haben schon einmal höherklassig gespielt. Da wundert es nicht, dass der FSV in bislang 29 Pflichtpartien 26-mal als Gewinner den Platz verließ, zweimal mit Remis sowie einer Niederlage (bei der SG Kesselbach/Odenhausen/Allertshausen), dabei 111 Tore schoss und sich dagegen nur 18 fing.

Den Laden dicht hielten Torwart Wagner, die beiden Innenverteidiger Pierre Chabou und Kai Ranke sowie Sven Kusebauch, im Mittelfeld brillierten Nebil Celik und »Zehner« Kevin Buycks, und vorne trieb Tomi Pilinger sein Unwesen, der mit 38 Treffern die Scorerliste der Kreisoberliga anführt. »Man muss eigentlich die gesamte Mannschaft aufzählen, um alle Leistungsträger zu nennen«, hebt Becker nochmals die Leistungsdichte im Team besonders hervor.

Nach Angaben des 27-jährigen Blaukat soll der Kader für die Gruppenliga 22 Mann betragen. Da muss Trainer Roger Schmidt – mit dem Erfolgscoach wurde wie mit »Co« Oliver Wiegel bereits verlängert – wohl noch reduzieren. Torwarttrainer bleibt der Ex-Bundesligaprofi von Borussia Mönchengladbach, Jörg Kässmann, und Jahan Golidj wird weiterhin als Physio fungieren.

Finanziell sind die Steinbacher gut aufgestellt. Sie haben die Sponsoren aus den Hessenligazeiten mit in die Kreisoberliga Süd retten können und greifen nun eine Liga höher ebenfalls auf sie zurück. »Es gibt ein Limit«, sagt Becker mit Blick auf den Etat. Zahlen wollte er aber nicht nennen. Klar ist aber, dass so ein Qualitätskader natürlich kostspielig ist. In wirtschaftliche Schieflage werde der Klub aber nicht kommen. »Wir haben uns noch nie verschuldet«, erklärt Becker.

Die Auflage vom Hessischen Fußball-Verband, als Gruppenligist eine zweite Mannschaft an den Start zu bringen, soll erfüllt werden. Jugendleiter Thorsten Stark habe sich bereit erklärt, eine »Zweite« aufzubauen. Vollzug können die beiden »Macher« diesbezüglich aber noch nicht melden. »Es kommen viele aus der A-Jugend heraus, die ja irgendwo spielen sollen. Es macht keinen Sinn, sie erst zu entwickeln, um sie dann ziehen zu lassen«, konstatiert Becker mit Blick auf den JFV Mittelhessen, dem der FSV Fernwald, der SV Annerod und der SC Teutonia Watzenborn-Steinberg angehören.

Am 22. Mai wird die Meisterschaft und der Aufstieg mit Live-Band in einem Bierzelt gebührend gefeiert – auch wenn das Team schon letzten Sonntag bewiesen hat, dass es auch ein »Feierbiest« sein kann. Anschließend begibt sich die Mannschaft auf Abschlussfahrt in die spanische Metropole Barcelona, ehe Ende Juni die Vorbereitung für die Gruppenliga startet. Und es scheint nicht unwahrscheinlich, dass man sich nächstes Jahr um die gleiche Zeit wieder im GRG-Bootshaus trifft...

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