Transfer-Coup

Wie die 46ers John Bryant nach Gießen lockten

Star-Center John Bryant verstärkt die Gießen 46ers. Es ist der Transferhammer für den heimischen Basketball-Bundesligisten. Doch wie war das möglich? Wir haben nachgefragt.
13. September 2017, 18:40 Uhr
Gewaltig: Center John Bryant, hier noch im Trikot des FC Bayern München, zieht am damaligen 46ers-Spieler Yorman Polas Bartolo vorbei. Nun streift Bryant den Dress der Gießener Basketballer über. (Foto: Vogel)

Am Dienstag war die Gerüchteküche heiß gelaufen: Die Gießen 46ers sollen an John Bryant dran sein? Dem zweifachen wertvollsten Spieler der Basketball-Bundesliga, der als eines der Gesichter der Liga gilt und in seiner Karriere schon bei diversen Topclubs gespielt hat? Alle Zweifler wurden bereits am Mittwoch widerlegt: Bryant kommt nach Gießen, vermeldete der heimische Spitzenclub und sorgte damit zwei Wochen vor dem Saisonbeginn für einen echten Paukenschlag.

Der Vertrag des Centers bei den 46ers läuft über ein Jahr – ohne Ausstiegsklauseln. Zuvor spielte der Kalifornier unter anderem beim AS Monaco, in Valencia, dem FC Bayern München und bei ratiopharm Ulm. »Wir freuen uns, dass wir mit John Bryant einen bekannten BBL-Spieler, mit großer Erfahrung für uns gewinnen konnten. Er wird uns mit seiner Qualität taktisch variabler machen«, sagte 46ers-Cheftrainer Ingo Freyer.

 


Karriere gepflastert von Auszeichnungen

 

Der 30-jährige Center begann seine Deutschland-Karriere 2010 in Ulm und wurde 2014 deutscher Meister mit dem FC Bayern. Noch länger allerdings ist die Liste seiner individuellen Auszeichnungen: So wurde er 2012 und 2013 nicht nur jeweils zum MVP der Saison, sondern auch zum wertvollsten Spieler des Allstar-Games gewählt. 2013 erhielt er den Titel des besten Offensivspielers in der BBL. Viermal gehörte er zu den fünf besten Spielern der Liga, war je zweimal bester Rebounder und effektivster Spieler der Liga, und wurde 2013 zudem ins »First Team« des Eurocup gewählt. Bereits am College von Santa Clara sicherte er sich zudem 2009 den Titel des »Spielers des Jahres« in der West Coast Conference.

Die Karriere von Bryant begleiteten allerdings auch immer wieder Fitnessprobleme: Offiziell bringt der Koloss bei 2,11 Metern Körpergröße 127 Kilo auf die Waage, wurde aber in Valencia zu Beginn der vergangenen Saison nach nur zwei Spielen entlassen – Übergewicht. Auch in Monaco war das Engagement nur von kurzer Dauer, als er in sechs Spielen auf 6,7 Punkte und 4,0 Rebounds im Schnitt kam. 46ers-Manager Heiko Schelberg versicherte allerdings nach einem ersten Zusammentreffen mit Bryant: »Er ist fit«. Seit dem Ende seines Engagements bei den Monegassen im Januar war der Familienvater vertragslos.

 


Coach Freyer: »So jemand hat uns bislang gefehlt«

 

Dennoch, einen Spieler, der eine ähnliche Vita wie Bryant mitbringt, gab es in Gießen lange nicht mehr: »Es ist, glaube ich, ein Vorteil gewesen, dass wir so lange gewartet haben. Wir mussten nicht irgendeinen Spieler holen, sondern den passenden finden«, freut sich Freyer über seinen neuesten Schützling.

Spannend wird zu sehen sein, wie die 46ers den Hünen taktisch in ihr Korsett einbauen: In Hagen ließ Freyer immer ein sehr hohes Tempo spielen. Doch bei Bryant macht sich der Gießener Cheftrainer keine Sorgen: »Jeder Spieler kann schnell spielen. Das ist eine Kopfsache: Wie schnell antizipiert man? Beide Center, John Bryant und Mahir Agva, haben schon gezeigt, dass sie in schnellen Systemen spielen können. Aber wichtig ist zunächst, dass wir einen Spieler mit seiner Erfahrung haben – so jemand hat uns bislang noch gefehlt.« Mit der Verpflichtung des Amerikaners sind die Kaderplanungen vorerst abgeschlossen, wie Geschäftsführer Schelberg bestätigte. Inklusive Doppellizenzspieler stehen Freyer somit 14 Spieler zur Verfügung: »Wir haben viele Optionen und können sehr variabel spielen – von der Eins bis zur Fünf.«

Bleibt die Frage, wie sich die 46ers einen solchen Spieler angeln konnten: »Wir waren schnell, clever und hatten Augen und Ohren offen – wie schon bei den Transfers von Karsten Tadda und Gabriel Olaseni. Wir sind sehr überzeugend in unseren Gesprächen, sodass viele merken, dass hier in Gießen etwas heranwächst«, beschreibt Heiko Schelberg die Strategie der 46ers.

 


Gießener Wohlfühl-Faktor zieht an

 

Bei Bryant konnte Schelberg den berühmten Wohlfühl-Faktor anbieten: »Für ihn war es wichtig, in Deutschland zu bleiben. Er hat Kinder, und da konnten wir ihm einfach ein Paket schnüren. Er passt genau bei uns rein, ist nicht arrogant und nicht überheblich. Wir freuen uns auf ihn.« Trotz der laufenden 46ers-Woche war der Neu-Gießener, der nach einem Sommer in seiner Heimat Kalifornien am Mittwoch aus München, wo seine Familie lebt, nach Gießen kam, aber noch nicht mit einem roten Shirt, sondern nur einer roten Baseball-Kappe auf dem Foto bei der Begrüßung in der Geschäftsstelle zu sehen. Zunächst standen auch Wohnungs- und Autoübergabe für Bryant an, seinen ersten öffentlichen Auftritt dürfte er am Donnerstagabend bei der Teampräsentation für die Sponsoren haben. »In die Gießener Basketball-DNA können wir ihn dann später einführen«, schmunzelte Schelberg.

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