Deaflympics

Auch ohne gutes Gehör ein Olympionike

Henrik Templin ist hörgeschädigt. Das hält den 16-jährigen Staufenberger aber nicht davon ab, Volleyball zu spielen. Er erzählt uns von seiner Teilnahme an den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen.
12. August 2017, 12:00 Uhr
Henrik Templin (r.) in Aktion im Spiel gegen die Ukraine. (Foto: privat)

Das Gehör von Henrik Templin ist nur zum Teil eingeschränkt. Er bekommt mit einem Hörgerät alles mit. Das Hilfsmittel darf er aber bei offiziellen Turnieren nicht einsetzen. Im türkischen Samsun verständigte er sich mit seinem Partner Tobias Franz in der üblichen Zeichensprache der Beachvolleyballer.

Zuvor widmete er sich der Leichtathletik, anschließend spielte er Handball, ehe er zum TV Waldgirmes wechselte und sich für Volleyball entschied. Sein Interesse galt aber dem Beachvolleyball, es folgten für ihn einige Turniere. Im Frühjahr dieses Jahres schloss er sich dann dem Gehörlosen-Sportverein Düsseldorf an. Der Kontakt wurde über Bekannte hergestellt. Beachvolleyball-Bundestrainer Johannes Koch wurde aufmerksam auf Henrik Templin, der ihn dann für die Deaflympics nominierte.

Wie kam es dazu, dass Sie an den Deaflympics, den Olympischen Spielen der Gehörlosen und Hörgeschädigten im türkischen Samsun, im Beachvolleyball teilgenommen haben?

Henrik Templin: Nach der Kontaktaufnahme mit dem GSV Düsseldorf nahmen wir an der deutschen Meisterschaft teil, bei der Platz zwei belegt wurde. Anschließend erhielt ich die Einladung für einen Beachnationalmannschaftslehrgang. Nach dem zweiten Lehrgang wurden mein Partner Tobias Franz und ich für die Nationalmannschaft sowie für die Deaf-lympics nominiert.

Wie haben Sie abgeschnitten?

Templin: Es ist ein guter sechster Platz herausgesprungen.

Wie fällt Ihr Fazit von Samsun aus?

Templin: Wir haben unser Ziel erreicht, das Viertelfinale, und insgesamt eine gute Leistung erbracht.

Gab es eine spezielle Vorbereitung auf die Spiele?

Templin: Nicht direkt, aber die Anzahl der Lehrgänge hat sich in der Endphase der Vorbereitung erhöht.

Haben Sie Kontakt mit anderen Sportlern anderer Nationen aufgenommen?

Templin: Ja, ich habe mich öfter mit welchen unterhalten – und die meisten sind auch sehr cool.

Wie wurde sich verständigt?

Templin: Mit der internationalen Gebärdensprache oder in Englisch

Gab es bei den Spielen auch ein olympisches Dorf?

Templin: Ja: Allerdings war die deutsche Delegation nicht dort untergebracht, sondern wir hatten ein separates Hotel.

Können Sie bitte Ihre Hörschädigung erklären?

Templin: Ich habe eine Innenohrhörschädigung. Das heißt: in der Cochlea liegt eine Schädigung vor.

Wie kam das zustande?

Templin: Das ist nicht bekannt.

Wann wurde sie festgestellt?

Templin: Dies wurde von unserem Kinderarzt bei einer Regeluntersuchung festgestellt.

Was waren die ersten Maßnahmen, um besser zu hören?

Templin: Eine Verordnung von Hörgeräten durch den Ohrenarzt.

Haben Sie einen Tipp für andere?

Templin: Die Mitgliedschaft in einem Gehörlosensportverein öffnet noch mal ganz neue Perspektiven. Davor sollte man sich nicht scheuen.

Wie klappt das mit dem Hören im normalen Alltag?

Templin: Es ist in manchen Situationen schwierig, zum Beispiel in lauten Umgebungen, aber ansonsten klappt das gut.

Und wie ist es beim Sport, speziell beim Volleyball und Beachvolleyball?

Templin: Da gibt es fast gar keine Probleme. Es beeinträchtigt mich beim Ausüben meines Sportes überhaupt nicht.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für Sport im Allgemeinen entschieden – und nun speziell für Beachvolleyball?

Templin: Die meisten in meiner Familie spielen sowohl Hallen- als auch Beachvolleyball, wodurch ich schon früh damit in Kontakt gekommen bin.

Sie sind dem Gehörlosensportverein in Düsseldorf beigetreten, warum?

Templin: Dieser Verein war unter anderem einer der nächsten und ist schon relativ groß. Zudem hatte ein Bekannter meiner Mutter dort gespielt, was ebenfalls ein ausschlaggebender Faktor war.

Gibt es in Mittelhessen keinen adäquaten Verein?

Templin: Doch, es gibt in Frankfurt noch einen, aber bei diesem ist die Volleyball-Abteilung noch im Aufbau, weshalb ich mich für Düsseldorf entschieden habe.

Wie ist die Verständigung unter den gehörlosen Sportlern?

Templin: Man unterhält sich in Gebärdensprache, aber es geht auch viel über Lippenablesen.

Sind Sie der Gebärdensprache mächtig?

Templin: Ich lerne sie noch, kann aber schon relativ viel.

Gibt es Fördermaßnahmen im Beachvolleyball der Gehörlosen?

Templin: Die gibt es auch, allerdings habe ich noch nichts damit zu tun gehabt, da ich noch neu dabei bin.

Sind Sie in einem Leistungskader?

Templin: Ja, im Jugend-Landeskader in Hessen

Was sind Ihre sportlichen Ziele?

Templin: Besonders im Beachvolleyball viel trainieren, um bei den nächsten Deaflympics eine Medaille zu gewinnen.

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