46ers-Heimsieg

Wutrede, Tanzeinlage & zwei Punkte für die 46ers

Schon im Vorfeld war klar: Die Partie zwischen den Gießen 46ers und den Eisbären Bremerhaven würde ein besonderes Spiel werden. War es auch. Weniger wegen des 88:84-Siegs der 46ers.
12. März 2017, 14:35 Uhr
Denis Wucherer (Mitte) in der Humba, eingerahmt von Andreas Obst (l.) und Skyler Bowlin (r.) (Foto: mv)

Die Szene des Abends war kein Dunk, kein Dreier und kein Steal. Denis Wucherer war schon fast vom Parkett, als ihn die Sprechchöre der Fans erreichten. »Was mach’ ich jetzt?«, fragte Gießens Cheftrainer die wenigen Umstehenden, mehr rhetorisch, denn zur Gewinnung neuen Wissens. Und er machte kehrt, setzte sich zu seinen Spielern und hüpfte bei der Humba gemeinsam mit dem Rest der Basketball-Bundesliga-Mannschaft über das Spielfeld in der Sporthalle Ost. Erst später in der Pressekonferenz gab er zu: »Wahrscheinlich war zu erkennen, dass das nicht meine Welt ist. Ich glaube, dass nach solchen Siegen es den Spielern gebührt, sich von unseren Fans feiern zu lassen und das ausgiebig zu genießen. Da sind wir Coaches gut beraten, das Feld zu räumen und denen zu überlassen, denen es gebührt und uns auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren.«

Diskussionen um Wucherer-Nachfolge

Doch an diesem Abend ging es eben auch um ihn – schließlich war die Partie gegen Bremerhaven das erste Spiel nach der Bekanntgabe seines Abgangs im Sommer. Im Interview mit Telekom-Basketball ging der Trainer auch noch einmal auf die Gründe seines Abgangs ein: »Wir haben sportlich Vieles richtig gemacht. Aus irgendwelchen Gründen schlägt sich das aber nicht im Budget nieder. Es war nicht klar, ob wir Coaches die Möglichkeit haben, mit dem Budget erfolgreich in der BBL zu arbeiten.«

Und so gab es rund um das Spiel großes Getuschel. Gerüchte, welche Sponsoren ihr Engagement beenden könnten, wurden in der Bierwarteschlange weitergegeben wie früher Nachrichten bei »Stille Post«. Auf den Tribünen wurde lebhaft diskutiert, wer als Nachfolger für Wucherer kommen könnte; ob Kontinuität nicht eher bedeuten würde, Trainer Wucherer für ein fünftes Jahr zu halten als zwingend auf einen Zwei-Jahres-Vertrag zu bestehen und andernfalls einen neuen Coach zu holen und welche Auswirkungen die Bekanntgabe der Entscheidung auf die kommenden Spiele haben würde.

Stephan Dehler, Gesellschafter der 46ers, lieferte derweil auf Facebook eine Wutrede ab, schimpfte auf »alle ›Insider‹, ›Experten‹ oder ›Fachmänner‹« im Internet, die das Scheitern der Verhandlungen mit Wucherer kritisieren. Bereits zuvor hatte der Geschäftsführer eines Immobilienmanagement-Unternehmens im Internet Aussagen von Wucherer zur Gehaltssituation des Trainerstabes scharf kritisiert.


Basketballerische Magerkost

Dabei hätte man auch über das ein oder andere sportliche Thema am Samstag spannend diskutieren können: Trotz des Sieges war die Partie oftmals eher basketballerische Magerkost und kein Hochgenuss: 39 Ballverluste auf beiden Seiten insgesamt, und hätte Jordan Hulls die Gäste nicht mit 30 Punkten und 80 Prozent Wurfquote im Alleingang durch die Partie getragen, hätten die Bremerhavener wohl frühzeitig die Segel streichen müssen.

Bei den 46ers ragten immerhin zwei Spieler aus dem Kollektiv heraus: Einerseits Dwayne Evans, der nicht nur 23 Punkte (darunter 13 Freiwurftreffer bei 13 Versuchen), sondern auch überragende 16 Rebounds verbuchen konnte, auf der anderen Seite Jahenns Manigat: Der kanadische Aufbauspieler legte nach einigen schwächeren Partien in den vergangenen Wochen ein echtes Sahnespiel auf das Osthallen-Parkett, verzeichnete 16 Zähler und klaute drei Bälle: »Er gab uns wichtige Impulse von der Bank. Dass er in der Verteidigung hart arbeitet, wissen wir, genauso, wie er die Fans immer mitnimmt. Er hat direkt seinen ersten Dreier getroffen, einen nachgelegt und dann auch zu Recht mehr Minuten bekommen als sonst. Er war ein Schlüssel zum Sieg heute«, lobte Wucherer den 25-Jährigen. Bei Evans war der Start gar nicht so positiv verlaufen, schon nach sechs Minuten holte der Coach den Forward erstmals auf die Bank – für jeden der 3394 Zuschauer in der Osthalle ein sichtbares Zeichen der Unzufriedenheit von Wucherer, das mehr wert war als jeder Anpfiff: »Manchmal reicht es, nichts zu sagen. Spieler wissen meist zuerst, wenn sie Dinge nicht richtig gemacht haben oder hätten besser machen können. Da bringt es im Regelfall nichts, als Coach noch einmal draufzuhauen. Er ist in sich gegangen und kam stark zurück«, lobte der Noch-Trainer der Gießener seinen letztlich besten Mann auf dem Feld.

In sich gekehrt wirkte auch Wucherer, als er nach der »Humba« vom Parkett eilte. Ein kurzes Winken in den Fanblock, dann verschwand er in Richtung der 46ers-Kabine. Auf dem Weg dahin traf er Klaus Jungnickel, die Gießener Basketball-Legende, und nahm sich noch Zeit für ein kleines Schwätzchen. Und allen, die diesen Moment miterlebten, nahmen zur Kenntnis, dass sich in diesem Moment die Vergangenheit des Gießener Basketballs unterhielt – nicht aber die Zukunft.

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