Keine Einigung

Nicht nur eine Frage der Vertragslaufzeit

Es war am Donnerstag ein Paukenschlag: Trainer Denis Wucherer verlässt Basketball-Bundesligist Gießen 46ers am Saisonende. Nun haben die Verantwortlichen über neue Details gesprochen.
11. März 2017, 07:10 Uhr
Im Sommer wird sich Denis Wucherer (hier mit seinen Söhnen nach dem Spiel in Frankfurt) von den 46ers verabschieden. (Foto: Vogel)

Es ist keine schöne Zeit momentan«, gibt Heiko Schelberg, der Geschäftsführer der Gießen 46ers, unumwunden zu. Es ist Tag eins nach der Bekanntgabe des bevorstehenden Abgangs von Cheftrainer Denis Wucherer, und der Manager wirkt im Gespräch durchaus betroffen: Anfang der Woche waren die Gespräche mit dem Headcoach über eine Vertragsverlängerung endgültig ohne Ergebnis auseinandergegangen, am Donnerstagabend dann die Meldung – Wucherer geht nach Saisonende. Dabei war das anders geplant: »Das war spontan, wir hätten gerne noch ein paar Tage damit gewartet. Aber es gab Umstände, die uns dazu gezwungen haben«, formuliert es Schelberg vorsichtig. Aus anderen Quellen hört man konkret, welche Umstände es waren: Dem Verein nahestehende Personen steckten das Scheitern der Verhandlungen an Medien durch, hätte man am Donnerstagabend nicht selbst reagiert, wäre die Meldung an anderer Stelle zuerst veröffentlicht worden.

Offiziell wollen sich Schelberg und Wucherer vor allem an in Sachen Vertragslaufzeit nicht einig geworden sein: »Ich war vier Jahre sehr gerne hier und hätte das auch gerne noch ein fünftes Jahr gemacht«, erklärt der Trainer im Gespräch mit dieser Zeitung. Ein fünftes – aber eben mit der Aussicht, im kommenden Sommer die Lage neu zu evaluieren und gegebenenfalls dann weiterzuziehen. Dagegen wollte Schelberg »für Kontinuität sorgen im Verein. Wir haben diverse sportliche Projekte, gerade auch in der Jugendarbeit, und wollten deshalb einen – realistischen – Zwei-Jahres-Vertrag.« Sprich: Keine Optionen, die Wucherer einen Ausstieg im Sommer erlaubt hätten, sondern frühzeitige Planungssicherheit für die Spielzeit 2018/2019.

Daneben ist aber auch bekannt, dass die finanzielle Lage der 46ers weiterhin keine großen Sprünge erlaubt: Der Verein steht finanziell auf soliden Füßen, weiß aber bereits, dass ein Teil der Sponsoren im Sommer Kürzungen vornehmen wird – und das, obwohl man sich bereits jetzt mit dem Etat ligaweit im unteren Drittel wiederfinden dürfte. Schon in dieser Saison hat Wucherer wieder aus einem geringen Etat eine Mannschaft gebastelt, die über den Erwartungen performt, wie auch im Vorjahr.

Unter diesen Umständen dürfte es für den 43-Jährigen nicht allzu attraktiv gewirkt haben, sich für zwei Jahre fest an den Verein zu binden.

Zudem hatte Wucherer schon im Vorfeld für eine Gehaltserhöhung für seine Kollegen getrommelt: Auch die Verträge der Assistenztrainer Milos Petkovic und Steven Key laufen aus; wie es mit ihnen weitergeht, steht in den Sternen. Key verlässt Gießen ohnehin in wenigen Wochen wieder, wenn es ihn zu den Indiana Fever in die WNBA zieht. Ob er zu den 46ers zurückkehrt, ist unklar: »In den Verhandlungen lag unser Fokus bis jetzt klar auf Denis Wucherer, mit den Assistant Coaches haben wir uns noch nicht beschäftigt«, erklärt Schelberg. Der Chef des Coachingteams betont derweil: »Die beiden entscheiden eigenständig, wie es mit ihnen weitergeht. Ich beeinflusse das nicht.«

Trotz der Eile der Bekanntgabe der Entscheidung, die 46ers haben keinen Zeitdruck: Noch sind sieben Wochen bis zum Saisonende in der BBL, und mit Benjamin Lischka und Marco Völler sind bislang nur zwei Spieler für die kommende Spielzeit unter Vertrag, die nur einen geringen Teil des Etats binden dürften und aufgrund ihrer deutschen Pässe ohnehin besonders wertvoll sind. Genug Zeit und Gestaltungsraum, sich auf dem Markt nach einem neuen Trainer umzusehen. Ob dies schon geschehen ist? Geschäftsführer Schelberg wollte sich dazu nicht äußern: »Ich will nicht in Spekulationen verfallen, das wäre Denis gegenüber illoyal.« Ein Kandidat soll nach Informationen dieser Zeitung der Ex-Hagener Ingo Freyer sein.

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Wucherer hat selbst auch noch keine Alternative: »Ich habe keine Gespräche geführt, keinen Vorvertrag irgendwo, nichts. Es gibt keinen Plan B. Momentan ist in der BBL auch keine Tür offen. Es kann also gut sein, dass ich im August, wenn alle Teams mit der Saisonvorbereitung anfangen, hier auf dem Golfplatz stehe und an meinem Handicap arbeite«, schmunzelt der Trainer, dessen Vertrag bei den 46ers bis zum 31. Mai läuft. Noch werden im Hause Wucherer also keine Umzugskisten gepackt: »Wenn kein Angebot reinkommt, bleiben wir hier. Die Jungs sind hier in der Schule und im Sportverein. Gießen ist unser Zuhause.«

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