Trainer-Aus

Warum Parsons Abgang irritiert und welche Nachfolger möglich sind

Der Rücktritt von Gino Parson beim Hessenligisten Watzenborn-Steinberg wirft auch am Tag danach Fragen auf. Für die Nachfolge gibt es drei Varianten. Redakteur "sno" sieht das Problem aber woanders.
13. September 2017, 09:23 Uhr
Gino Parson ist nicht mehr Trainer des SC Watzenborn-Steinberg. (Foto: ras)

Gino Parson beendet für sich die Mission Wiederaufstieg, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Schon nach sieben Partien tritt der 38-Jährige als Trainer von Fußball-Hessenligist SC Teutonia Watzenborn-Steinberg zurück – und die große Frage lautet: Warum? »Die Gründe liegen ausschließlich im sportlichen Bereich. Gino Parson möchte, dass der Klub wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt, um die vor der Saison anvisierten Ziele zu erreichen«, heißt es in der Vereinsmitteilung vom Dienstagabend. Die Übergangslösung bilden der bisherige Co-Trainer Zaki Tammaoui und der Sportliche Leiter Stefan Hassler. Die spannende Frage nach dem Warum bleibt aber.

Acht Punkte aus sieben Spielen

»Gino ist aus freien Stücken zurückgetreten – das ist Fakt«, sagt Pressesprecher Sebastian Bruns. Außer ihm wollte sich vom Verein keiner zur Trennung äußern. Offiziell widerspricht der Verein also der These, dass Parson der Rücktritt wegen der sportlichen Erfolglosigkeit nahegelegt wurde. Das Heimspiel am Samstag gegen Bayern Alzenau hätte man ihm als Chance zur Wende zugestanden, heißt es aus Vereinskreisen. Es wäre vermutlich seine letzte Chance gewesen – Parson kommt ihr zuvor und das überrascht. Trotz mäßigem Erfolg: Nur acht Punkte aus sieben Partien holte Parson mit dem Kader, der gespickt mit dritt- und viertligaerfahrenen Spielern sei. Nach den Aussagen mehrerer Hessenliga-Trainer ist es der teuerste der Liga. Platz elf steht zu Buche, nur drei Teams kassierten aktuell mehr Gegentore in der Liga als die Pohlheimer.

Die mittelhessische Trainer-Ikone Niko Semlitsch sagt: »Mit diesem Spielermaterial kann man solche Ergebnisse kaum verkaufen.« Trotzdem war auch Semlitsch überrascht. Denn der Familienvater Parson hatte für den Vollzeitposten in Watzenborn-Steinberg seinen sicheren Job bei einer Tochtergesellschaft der Wohnbau Gießen aufgegeben. Durch den Rücktritt dürfte er zudem keine Abfindung kassieren. Und er wird weiterhin im Verein beschäftigt: »Gino Parson hat seine Position mit einer unglaublichen Leidenschaft ausgeführt«, heißt es weiter in der Mitteilung. »Es ist für uns ein logischer Schritt, dass er dem Verein erhalten bleibt.« In Zukunft werde er im Bereich Scouting und Jugend tätig sein. Tritt jemand zurück, um dann weiter im Verein beschäftigt zu sein?

Fest steht, dass die Teutonia damit weiterhin nicht zur Ruhe kommt. Nach dem von allen als anstrengend empfundenen Abstiegsjahr in der Regionalliga Südwest freute man sich auf mehr Ruhe und Heimatbezug in der Hessenliga. Der Wiederaufstieg war zumindest hinter den Kulissen das erklärte Ziel – davon ist das Team derzeit weit entfernt. Schon nach wenigen Wochen lief fast nichts nach Plan – dass Parson eine auf dem Platz funktionierende Mannschaft hinterlässt, kann man nicht behaupten.


Drei Szenarien

Parsons bester Kumpel, Stefan Hassler, soll nun den Trainer-Nachfolger suchen. »Er sondiert den Markt und macht dem Vorstand dann Vorschläge«, erklärt Pressesprecher Bruns, der gleichzeitig Trainer der zweiten Mannschaft ist. Aktuell gibt es drei Trainervarianten, die möglich erscheinen.

Variante eins: Daniyel Cimen kommt von Hessenligakonkurrent RW Frankfurt. Mit dem 32-Jährigen wurde schon einmal verhandelt, ehe man sich im Spätsommer 2016 doch für Francisco Copado entschied. Cimen kennt die Liga und ist jung, in Frankfurt dürfte er zudem nicht gerade glücklich sein, da die komplette Offensive den Verein verließ und er derzeit mit zwei Punkten im Tabellenkeller steht.

Variante zwei: Daniel Steuernagel kehrt zurück. Der Mann, der die Pohlheimer in die Regionalliga führte und den Erfolg des Vereins zum großen Teil ausmachte, könnte gebeten werden, wieder zu übernehmen. Der 37-Jährige hat zumindest keine Lehrer-Belastung mehr, absolviert dafür gerade seine Ausbildung zum Fußball-Lehrer – ebenfalls zeitintensiv. Fachlich wäre es eine ideale Lösung.

Variante drei: Der Sportliche Leiter Hassler präsentiert einen Trainer außerhalb von Mittelhessen – er verfügt über gute Kontakte nach Offenbach, wo er zuletzt bei den Kickers arbeitete. Dass es eine weitere mittelhessische Lösung gibt, ist unwahrscheinlich. »Da fällt mir ehrlich gesagt niemand ein«, sagt auch Semlitsch. Zumindest am Samstag wird mit Hassler noch ein bekannter Coach auf der Bank sitzen.

Meinung

Kommentar: Der nächste Neuanfang

Der Rücktritt von Gino Parson ist im Grunde nur die Fortführung einer Entwicklung, die einer peinlichen Pohlheimer Posse gleicht. Der Coach, der auf Parson folgt, wird der vierte Trainer innerhalb von zwölf Monaten in Watzenborn-Steinberg sein. Seit Daniel Steuernagels Rücktritt im August 2016 ging es sportlich bergab – nun geht mit Gino Parson eine Identifikationsfigur, ein Gesicht des Vereins.

Zwar hatte er keinen Erfolg – den Kader, der momentan auf Platz elf steht, hat aber auch der Sportliche Leiter Stefan Hassler zusammengestellt. Parsons bester Kumpel ist nicht der richtige Mann für den Neuanfang, der beim weiterhin ambitionierten Verein so dringend notwendig wäre. Ein geeigneter Mann dafür wäre der im Fußballkreis angesehene Daniyel Bulut gewesen. Seitdem sich beide Parteien noch vor der Einstellung von Steuernagel aber nicht hatten einigen können, ist Bulut ein rotes Tuch für die Verantwortlichen der Teutonen. So bleibt es dabei: Der von vielen als bester Trainer im heimischen Raum angesehene Bulut, aktuell mit Aufsteiger Waldgirmes fünf Punkte vor der Teutonia, und der ambitionierteste Verein der Region finden nicht zusammen. (Von Sven Nordmann)

 

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