Forsell Schefvert

Sunnyboy und Spielmacher

Der schwedische Neuzugang von Handball-Bundesligist HSG Wetzlar taut langsam auf. Olle Forsell Schefvert spricht vor dem Hessen-Derby auch über seinen Traum vom eigenen Beach Club.
11. November 2017, 07:00 Uhr
Sunnyboy Forsell Schefvert: Der junge Handballer während des HSG-Trainingslagers in Portugal. (Foto: Vogler)
Olle Forsell Schefvert ist kein typischer Schwede. Der 23-Jährige ist ein Skandinavier, der sich nach Safari-Touren sehnt, kaum zurückhaltend ist und nach der Handball-Karriere einen Beachclub im Süden Europas eröffnen möchte. Olle Forsell Schefvert: Sunnyboy und Spielmacher von Handball-Bundesligist HSG Wetzlar.

»Surfen kann ich nicht gut, aber ansonsten trifft das schon zu«, sagt der 1,96 Meter große Sportler. »Ich habe den Traum von einem Beachclub in Griechenland. Ich will etwas machen, das ich genieße. Die Vorstellung, einen Club zu haben, in dem die Leute essen und trinken und eine gute Zeit haben können, ist ziemlich schön.«

Olle ist ein klassischer Playmaker

HSG-Trainer Kai Wandschneider
Im übertragenen Sinne scheint die Sonne für Forsell Schefvert nun auch in Wetzlar. Nach einer eher missratenen Saisonvorbereitung, die der Neuzugang aus dem Rückraum aufgrund einer Weisheitszahnentzündung weitgehend verpasste, taut er nun auf. Offensiv stehen zwar erst fünf Treffer zu Buche, seine Stärken aber liegen im Vorbereiten der Abschlüsse. »Er ist ein klassischer Playmaker«, sagt HSG-Trainer Kai Wandschneider.

Den größten Beitrag leistete der Schwede bisher in der Defensive. Im Mittelblock überzeugte die Nummer 25 der HSG beim letzten Heimsieg gegen Erlangen derart, dass Wandschneider vor dem heutigen Hessen-Derby bei der MT Melsungen (20.30 Uhr/Sky) sagt: »Olle ist aus unserem Team nicht mehr wegzudenken.«

Drei Stunden Deutsch-Unterricht in der Woche
Spielmacher Forsell Schefvert: Der Schwede im HSG-Trikot. (Foto: Vogler)
Spielmacher Forsell Schefvert: Der Schwede im HSG-Trikot. (Foto: Vogler)

Zur bedeutsamen Rolle tragen zwar auch die Ausfälle von Evars Klesniks und Stefan Kneer bei, in Wetzlar aber sieht man in Forsell Schefvert den nächsten Leistungsträger heranwachsen. »Er muss sich noch ein wenig an das raue Klima der Bundesliga gewöhnen, wird aber eine tolle Entwicklung hinlegen. Ich traue ihm zu, einen Weg zu gehen, wie ihn viele vor ihm zuletzt gegangen sind.«

Im Gespräch im Hotel Blankenfeld, in dem der Handballer dreimal in der Woche isst, verrät er nicht nur, dass sein Deutsch dank der drei Stunden Unterricht in der Woche merklich besser wird, sondern erklärt auch, wie er sich zu Saisonbeginn Sorgen machte und worin er sein größtes Verbesserungspotenzial sieht.

Herr Forsell Schefvert, zu Saisonbeginn konnten Sie die Erwartungen noch nicht erfüllen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Olle Forsell Schefvert: Ich kam nach Deutschland, um Handball zu spielen und konnte das aufgrund meines Weisheitszahns dann nicht. Ich verpasste mehrere Wochen, was gerade in der Vorbereitung ziemlich schlecht ist. Ich habe mir selbst Druck gemacht und Sorgen gehabt, ob es das Richtige für mich ist. In dieser Zeit habe ich viel mit meinen Eltern (Ulf und Britt spielten selbst erfolgreich Handball, Anm. d. Red.) gesprochen. Sie sagten mir, dass ich ruhig bleiben soll.

Meine Zeit wird kommen

Olle Forsell Schefvert
Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen? Immerhin läuft es für Sie mittlerweile deutlich besser.

Forsell Schefvert: Du musst einfach schauen, wie du dem Team helfen kannst und darfst nicht zu sehr auf dich selbst schauen. Tag für Tag, jedes Training mitnehmen und voll da sein, das ist denke ich der Schlüssel zur Weiterentwicklung. Und ich bin mittlerweile etwas entspannter: Meine Zeit wird kommen.

Ihr Trainer Kai Wandschneider sagt, dass Sie sich vor allem in der eigenen Torgefährlichkeit verbessern müssen.

Forsell Schefvert: Ich bin nicht der typische Werfer, der aus zwölf Metern trifft. Aber ich bin ein Teamplayer und wenn ich Raum schaffen kann für meinen Teamkollegen, dann mache ich das. Genauso wichtig wie Tore werfen ist doch das Eins-gegen-Eins, die Fähigkeit, sich durchzusetzen.

Fünf Treffer sind – ehrlich gesagt – wirklich nicht die Welt bislang.

Forsell Schefvert: Ich mag es nicht, wenn man nur auf die Statistik schaut - das wird dem Spiel nicht gerecht. Ich spiele für die Mannschaft. Aber ja, mein Offensivspiel kann ich wirklich verbessern, sodass ich schneller zum Abschluss komme. Mein Timing und meine körperlichen Voraussetzungen müssen noch besser werden – in den ersten Spielen in der Bundesliga dachte ich, es wäre ein anderer Sport als in Schweden. Die Spieler nutzen hier ihre körperliche Kraft, um durch die Abwehr zu kommen: Ich bin größer und kräftiger, also komme ich durch.

Man muss auf dem Feld der gleiche Typ wie abseits des Feldes sein

Olle Forsell Schefvert
Sie sagten, dass Sie alles dafür tun werden, dass die Fans Sie als Spieler und Person mögen. Warum ist es Ihnen wichtig, dass die Fans Sie als Person mögen?

Forsell Schefvert: Ich denke, Spieler und Mensch, das gehört zusammen. Man muss auf dem Feld der gleiche Typ wie abseits des Feldes sein. Es geht um kleine Dinge: Jedes Mal, wenn ein kleines Kind ein Foto oder Autogramm möchte, versuche ich mir die Zeit zu nehmen. Und wenn mich jemand auf der Straße anspricht und über Handball reden möchte, dann reden wir über Handball. Es geht darum, einfach ehrlich zu sein und Respekt zu zeigen. Als wir gegen Hüttenberg nur Unentschieden spielten, klatschten die meisten Fans trotzdem – einer im Publikum schaute mich an und zeigte beide Daumen nach unten. Mit diesen Fans muss man auch das Gespräch suchen, die Fehler bei sich suchen und ehrlich zugeben: Das war nicht gut.

Woher kommt diese Einstellung?

Forsell Schefvert: Ich war nie der Beste in der Schule, Handball war schon immer sehr wichtig für mich, in Schweden ging ich in ein Handball-Internat und der Sport ging im Zweifel vor. Daher sollte man dort auch alles geben – wenn ich zwei, drei Bälle verwerfe, kann ich immer noch in der Abwehr alles für das Team geben.

Abschließend: Haben Sie jemals bereits auch nur kurz darüber nachgedacht, wie ein Schritt nach der HSG Wetzlar aussehen könnte bzw. ob es diesen gibt?

Forsell Schefvert: Jeder hat doch diesen Traum, für einen wirklich großen Klub in Deutschland zu spielen und Titel zu holen - aber alles hat seine Zeit. Ich bin hier und das ist jetzt genau richtig.

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