Eintracht-Frankfurt-Kolumne

Kälte, Sex im Urlaub und ein Ersatz-Benz

Redakteur Ronny Th. Herteux und unser Kolumnist Hendrik Nachtsheim vom Comedy-Duo Badesalz haben sich wieder einmal über Aktuelles, Sportliches und (Halb-)Politisches ausgelassen.
27. September 2017, 10:00 Uhr
Henni Nachtsheim - hessische Comedy-Legende, Eintracht-Fan und Kolumnist dieser Zeitung. (MDV-Grafik: J. Engel)

Eintracht Frankfurt


Hallo Herr Nachtsheim, die Bundestagswahl ist Geschichte, wollen wir uns nun wieder den wesentlichen Dingen des Seins zuwenden ... ... der Garten muss bald winterfit gemacht werden, der Wintermantel steht schon Spalier und unter der Sommerdecke fröstelt man nachts so dahin. Wie schaut ihr Sein aus?

Henni Nachtsheim: In meinem Garten habe ich eine kleine Skischanze und einen Schlittenhügel für die Kinder errichtet, das müsste winterfit genug sein. Und in kühlen Nächten werde ich meinen Wintermantel tragen, sodass ich unter der etwas dünnen Decke nicht friere. Sie sehen, ich bin vorbereitet!

Okay, zum Sport. Ein Unterschied zwischen Politik und Fußball: In der Bundesliga werden an jedem Wochenende Punkte vergeben, Durststrecken haben gleich verheerende Folgen in der Tabelle, während der Politiker vier Jahre lang geschmeidig dahinwerkeln kann. Was raten sie jungen Menschen: Sollen sie Fußball-Profi oder Politiker werden?

Henni: Sie sollten am besten beides gleichzeitig erlernen. Wenn du als guter Fußballer später in die Politik wechselst, profitierst du a) von deinem Bekanntheitsgrad und b) davon, dass du dich in einem Haifischbecken wie dem Profi-Fußball behauptet hast und das deswegen natürlich jetzt auch in der Politik schaffst. Du weißt dann z.B., dass man es mit Zusagen, Versprechen und Verträgen nicht so genau nehmen muss! Und der realitätsfremde Umgang mit Geld ist auch vertraut. Je länger ich drüber nachdenke, umso perfekter erscheint mir diese Kombi!

In der Politik wie in der Bundesliga hat ein Duo in den letzten Jahren regiert. Allerdings ist die SPD jetzt weg vom Fenster, während Borussia Dortmund gegen die Bayern den Aufstand probt. Kommt das überraschend? Was ist los mit den Bayern?

Henni: Ich tippe auf eine eher kleine Krise, zumindest innerhalb der Bundesliga. Das ist ein bisschen so, wie wenn man mit Schadenfreude beobachtet, dass der dicke Benz vom reichen Kerl gegenüber nicht anspringt und er wütend aussteigt, um gegen die Reifen zu treten. Aber das macht er eben nur kurz, dann geht er zur Garage und kommt mit dem genauso dicken Ersatz-Benz raus! Ich glaube also nicht, dass das Unentschieden gegen Wolfsburg schon ein Trend ist, auch wenn ich mir durchaus mal Abwechslung an der Spitze wünsche! Anders könnte es allerdings in der Champions League aussehen, da ist es sehr gut möglich, dass der Benz schon bald von einem sündhaft teuren aufgemotzten Renault abgehängt wird.

Apropos Überraschung – die SGE hat im eigenen Stadion nichts reißen können, dafür bis auf Leipzig in der Fremde. Wundert Sie das?

Henni: Das erinnert mich an einen Freund, der mir erzählt hat, dass er den besten Sex mit seiner Frau immer im Urlaub und nicht daheim hat. Ich hoffe, dass es nicht so was in der Richtung ist.

Das Spielermaterial verspricht dem Fan, dass die SGE eine bessere Rolle wird spielen können als in der letzten Saison. Muss sich die Mannschaft vielleicht einfach nur noch finden, um konstanter zu werden?

Henni: Ja, genau das! Die Mannschaft ist noch auf der Suche!

Wie kann Nico Kovac ihr dabei helfen?

Henni: Er könnte mit ihnen mal in ein Mais-Labyrinth gehen! Oder – Achtung Brüller Nummer zwei – in eine Selbstfindungs-Gruppe!

Im Rahmen der Verpflichtung von Prince-Kevin Boateng gab es auch kritische Stimmen, wie gefällt Ihnen bislang der prominente Neuzugang?

Henni: Ich finde ihn gut. Dieses ewige Hinweisen auf sein Bad-Boy-Image und Verfehlungen von früher ist langweilig. Er wirkt auf mich ein bisschen wie ein Cowboy, der früher keiner Schießerei aus dem Weg gegangen ist, das aber irgendwann abgelegt hat und dafür jetzt die Herde sicher nach Iowa bringen kann.

Apropos Neuverpflichtung: Sebastien Haller gilt als bislang teuerster Neuzugang. Hält er, was er verspricht?

Henni: In Leipzig hat er mir leidgetan, so einsam da vorne. Zumal du ja auch während des Spiels kein Handy oder iPad benutzen darfst, um dir damit die Zeit zu vertreiben. Und wenn dann mal einer dieser langen Bälle bei ihm gelandet ist, stand er immer mit dem Rücken zum gegnerischen Tor, während hinter ihm permanent die gegnerischen Abwehrspieler ankamen wie zeugungswillige Deckhengste. Ich glaube, dass ihm diese Spielweise nicht besonders viel Spaß macht. Aber er kommt noch, da bin ich sicher!

Platz elf für die SGE ist schon mal was. Die Kölner haben in der letzten Saison überrascht und sind nun Tabellenletzter, dann lieber Mittelfeld – oder doch lieber mal Himmel und dann Hölle?

Henni: Nein, das hatten wir schon zu oft. Ich brauche nicht schon wieder Frankfurter Abenteuerurlaub in Sachen Fußball. Es kann diese Saison gerne etwas beschaulicher zugehen. Ich persönlich hätte nichts gegen Ferien im gesicherten Mittelfeld.

Was haben Hoffenheim und Leipzig, dass sie besser dastehen als die Eintracht?

Henni: Erfolgreiche Software und erfolgreiche Limonade!

Und was hat die Eintracht, dass sie vor Hamburg, Mainz und Bremen steht?

Henni: Rindswörscht, Handkäs und Appelwein! Ja, ich weiß, blöde Klischeeantwort. Aber was hätte ich denn nach der Antwort davor sagen sollen?

Zum Abschluss kurven wir zum Anfang zurück – das Klima in Deutschland wird in den nächsten Wochen kälter werden. Nein, nicht was Sie denken. Warum lassen wir die Bundesliga nicht in geschlossenen Stadien spielen, sie ist ja schließlich schon für den Amateurfußball eine geschlossene Gesellschaft.

Henni: Herr Herteux, wissen Sie was? Dieser unglaublich gehaltvollen Metapher kann und möchte ich nichts hinzufügen oder gar entgegnen! Ich kann mich nicht erinnern, wann wir diese Kolumne hier je mal politischer und gesellschaftskritischer beendet haben als heute! Für mich sind Sie der mittelhessische Karl Marx.

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