»Grüne Hölle«

Gießener Pfingstregatta der Superlative: 2300 Ruderer – 1300 Boote

Der Gießen-Achter ließ keine Zweifel aufkommen und holte sich bei der Pfingst-Regatta alle Preise. Dem Regatta-Verein um Frank Beck verlangte das Spektakel wieder eine planerische Meisterleistung ab.
06. Juni 2017, 16:00 Uhr
Im Großherzog-Preis über 1000 Meter leiten die beiden Gießener Boote den Schlussspurt ein. Der Einlauf ins Ziel verspricht Stadionatmosphäre. Sowohl auf der Hassia-Seite wie auch auf der GRG-Seite (im Bild) säumen Hunderte von Menschen das Ufer. (Fotos: Friedrich)

An Tagen wie diesen« hallte durch den Zielbereich zwischen den Bootshäusern der Ruderclubs, als auch das letzte Rennen über die Strecke gegangen war. Beck und sein Team haben es mal wieder geschafft. Mit etwa 1300 Booten und der überragenden Anzahl an Sportlern (2300), die den Weg nach Gießen gefunden haben, war es das zweitbeste Meldeergebnis der Regatta-Geschichte. »Die Pfingst-Regatta fasziniert durch ihre naturbelassene Strecke. Die Ruderer sagen auch die ›grüne Hölle‹. Der Zieleinlauf wird als Einfahrt in ein Stadion erlebt. Das macht Gießen aus«, schwärmt Beck.

 
Fotostrecke: Die Gießener Pfingstregatta in Bildern

Ein Wermutstropfen für eingefleischte Ruder-Fans dürfte die abschließende Nachricht von Beck gewesen sein, dass er selbst und mit ihm Stefan Laertz und Sebastian Meyer im Herbst bei den Neuwahlen zum Vorstand des Regatta-Vereins nicht mehr zur Verfügung stehen. Das Trio will die nachrückenden Personen aber bei der Einarbeitung unterstützen. »Das ist unser Baby. Das lassen wir natürlich nicht verhungern«, gab Beck zu verstehen.

Knapp 200 Helfer waren an den Renntagen und im Vorfeld im Einsatz. Dazu gehörten nicht nur die Mitglieder der Rudervereine, sondern freilich auch die DLRG. Die hatte am Montag einen Notfall zu bewältigen, der nicht gerade jedes Jahr eintritt: Während eines Jugend-Rennens im Vierer ohne Steuermann bewegte sich ein weiteres ungesteuertes Boot lahnaufwärts Richtung Start, kam aber zu weit in die Mitte. Die Insassen des Zweiers bemerkten nicht, dass sie ins Fahrwasser der beiden Vierer driften. Die am Rennen beteiligten Boote überfuhren den Zweier regelrecht – im Bug- und im Heckbereich. »Das kleinere Boot hat Wasser gefangen. Von uns mussten sogar zwei Personen in die Lahn springen, um die Jugendlichen zu bergen«, erklärte Rene Strätker vom DLRG.

Immer wieder kamen sich auch Boote innerhalb des eigenen Rennens in die Quere. »Die vielen Steuerfehler hängen mit der Beschaffenheit der Strecke zusammen«, verriet Eric Baumann, zuständig für die Rennreportagen. »Für die Boote auf der GRG-Seite ist es noch verhältnismäßig einfach, weil das Ufer recht gerade verläuft. Das Weststadtufer hat aber kurz nach dem Start der 350-m-Strecke eine kleine Bucht. Vielen jungen Ruderern fällt da die Orientierung schwer.«

Den erfahrenen Cracks passiert das seltener. Aber auch in den Achter-Rennen mit drei Booten war auf der engen Lahn die eine oder andere Blattberührung zu beobachten. Nicht aus der Ruhe bringen ließen sich davon die Gießener Johannes Birkhan und Co. Die Bundesliga-Asse dominierten nicht nur die Sprint-Strecken über 350 m (Sprint-Cup und Hessenpreis), sondern auch die Rennen über 1000 m (Levermann- und Großherzog-Preis). Birkhan siegte an der Seite von Patrick Quoika auch im Doppelzweier (Opel-Preis). Für weitere GRG-Erfolge zeichnete der Vierer ohne Steuermann (Preis der Stadt Gießen), der Doppelvierer (Sprint-Cup der Sparkasse) sowie Michael Wieler im Einer (Lahn-Pokal) verantwortlich. »In zwei Wochen geht es in der Bundesliga weiter. Da war es eine super Möglichkeit, sich unter Wettkampfverhältnissen vorzubereiten«, sagte Birkhan.

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