Merkel-Nachlese

Merkel, AfD, NPD: So lief der große Wahlkampftag in Gießen

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Donnerstag in Gießen. Parallel hatten AfD und NPD Kundgebungen angemeldet. Hier gibt es die wichtigsten Ereignisse des Tages.
21. September 2017, 10:42 Uhr
Zwischen 3000 und 3500 Leute hatten sich am Donnerstag auf dem Brandplatz versammelt. (Foto: Schepp)
 
Fotostrecke: Großer Wahlkampftag in Gießen: Merkel-Besuch und NPD-Kundgebung


Angela Merkel in Gießen, NPD-Kundgebung in Gegendemo

Der große Gießener Wahlkampftag in der Nachlese

Der Aufbau läuft

Seit dem frühen Morgen läuft der Aufbau für die politische Großveranstaltung auf dem Gießener Brandplatz. Unmittelbar nach dem Wochenmarkt-Schluss am Mittwoch um 14 Uhr galt bereits Parkverbot. Am Donnerstag sind die Zufahrten und auch einige Zugänge zum Brandplatz aus Sicherheitsgründen gesperrt. Noch am Abend soll aufgeräumt werden, danach wird - so der Plan - wieder Normalbetrieb herrschen.

10:36 Uhr

Panne vor Merkel-Auftritt: Fahrgeschäfte belegen Messeparkplatz

Schon am Morgen müssen sich die Christdemokraten mit einem Ärgernis beschäftigen: Auf den von der Partei als geeigneten Parkplatz ausgewiesenen Messeplatz haben Schausteller ihre Fahrgeschäfte aufgebaut. Grund: Am kommenden Dienstag startet die Herbstmesse. »Die Schausteller sind einen Tag zu früh gekommen«, sagt Markus Schmidt, der für den CDU-Kreisverband den Wahlkampf-Höhepunkt organisiert. Man habe aber bereits mit der Stadt und dem Ordnungsamt Gespräche geführt. Demnach sollen die Fahrgeschäfte bis zur Mittagszeit abgebaut werden, um Platz für die anreisenden Gäste des Merkel-Auftritts zu machen. Allerdings weiß auch Schmidt: »Die großen Fahrgeschäfte bleiben, die kriegt man jetzt nicht mehr weg.« Trotzdem sei er zuversichtlich, dass auf dem Messeplatz in einigen Stunden ausreichend Platz für Busse und Autos vorhanden sei. Abgesehen davon liefen die Vorbereitungen problemlos.

10:55 Uhr

Busse fahren Markplatz an

Die Buslinien, die über den Markplatz fahren, werden voraussichtlich nicht umgeleitet. Das teilten die Stadtwerke Gießen auf Anfrage mit. Man habe die Situation aber im Blick und werde eingreifen, sobald die Busse den Markplatz - etwa aufgrund der Gegendemo gegen die NPD-Kundgebung - nicht mehr anfahren können. Allerdings gebe es keinen vorsorglichen Umleitungsplan. Streckenänderungen seien aber kurzfristig umsetzbar. Potenziell betroffen sind die Buslinien 2, 3, 5, 7, 12, 13, 24, 801, 802.

Foto: Schepp
11:49 Uhr

Auto abgeschleppt

Auf dem Brandplatz haben die Ordnungshüter das erste Mal durchgegriffen. Laut Polizeisprecher Jörg Reinemer musste ein Fahrzeug abgeschleppt werden. Nochmal der Hinweis an alle Autofahrer: Die Zufahrten und auch einige Zugangswege zum Brandplatz sind aus Sicherheitsgründen gesperrt. Wer sein Fahrzeug dennoch dort abstellt, muss damit rechnen, dass es abgeschleppt wird.

11:52 Uhr

Hinweis zu Zugängen

Die Absperrungen zwischen den Sitz- und Stehplätzen vor der Bühne sind fertiggestellt. Auch die Sperrgitter an den Zugängen sind bereits aufgebaut. Der Brandplatz wird für Besucher nur über die Senckenbergstraße und den Landgraf-Philipp-Platz zu erreichen sein. Von hinter der Bühne - aus Sonnenstraße und Kanzleiberg also - ist das Areal abgesperrt.

Foto: fd
12:16 Uhr

Alternative Parkmöglichkeiten

Nachdem mit dem Messeplatz - wie berichtet - kurzfristig die ausgeschriebenen Parkplätze weggefallen sind, empfiehlt die Polizei Autofahrern das Parkdeck an der THM und die Stellplätze an der Ringallee. Zudem gibt es Parkplätze vor dem Badezentrum, allerdings sind diese kostenpflichtig.

12:30 Uhr

Wer? Wann? Wo?

Sowohl NPD als auch AfD haben bei der Stadt Gießen für den Donnerstagnachmittag Kundgebungen angemeldet. Etwa zeitgleich tritt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Brandplatz auf. »Die Orte der angemeldeten Kundgebungen liegen in der Nähe zur Veranstaltung mit der Bundeskanzlerin«, sagt Polizeisprecher Jörg Reinemer. Er bestätigt ferner, dass der DGB ebenfalls eine Kundgebung ab 16 Uhr im Bereich Kirchenplatz angemeldet hat. Was bedeutet das nun konkret? Der Zeitplan:

  • Angela Merkel: 17 Uhr, Brandplatz
  • AfD: 15 Uhr, Kirchenplatz
  • DGB: 16 Uhr, Kirchenplatz
  • NPD: 17 Uhr, Marktplatz
  • SDAJ: 16 Uhr, Kirchenplatz

12:55 Uhr

100 Gegendemonstranten?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat zu einer Gegendemonstration für die mittlerweile bestätigte Kundgebung der NPD aufgerufen. Das Ganze soll ab 16 Uhr auf dem Kirchenplatz stattfindenden.Auf Facebook haben bereits über 100 Gegendemonstranten ihr Kommen angekündigt. Die NPD war heute morgen in Alsfeld unterwegs.

13:19 Uhr

Kommentar zum großen Wahlkampftag in Gießen

CDU trifft NPD trifft DGB trifft AfD trifft SDAJ: Wer hat sowas Verrücktes eigentlich genehmigt? Redakteur Burkhard Möller kommentiert: "Sie toben und schreien, sie beleidigen und wüten. Die Fernsehbilder von den Protesten, vor allem, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ostdeutschland auftritt, sind zum Fremdschämen. Derartiger 'Volkszorn' wird sich heute in Gießen wohl nicht entladen, aber 'Volksverräterin' oder 'Deutschenfeindin' gehören auch hierzulande längst zum Standardvokabular ihrer Gegner vom rechten Rand, die sich wie Feinde benehmen. Während in vielen Gegenden dieser Welt Bürger, die ihren Regierungschef nicht einmal beleidigen, sondern nur kritisieren, auf Nimmerwiedersehen verschwinden, ist bei uns fast alles erlaubt. Niemand landet hinter Gittern, weil er die Regierung beschimpft. Das Schlimmste, das einem hierzulande blüht, wenn man als Ersttäter zum Beispiel volksverhetzende Reden schwingt, ist eine Geldstrafe. Deshalb ist es auch eine der ärgerlichsten Aussagen der letzten Jahre, man dürfe 'bestimmte Dinge in diesem Land nicht mehr sagen'. Man darf in diesem Deutschland fast alles sagen. Aber man darf auch denen, die alles sagen und dabei dummes Zeug reden, widersprechen. Das vergisst der 'besorgte (Wut)Bürger' nämlich gerne und deutet bloßen Widerspruch in Sprech- und Denkverbote um. Aber auch das darf er natürlich. Wahrscheinlich wird sich das, was sich heute in der Gießener Innenstadt abspielen wird, ganz anders anfühlen und anhören. Aber es wird vor allem eines sein: Ein Festtag für die Meinungs- und Versammlungsfreiheit."

Proteste gegen eine NPD-Demo im September 2015 vor der HEAE an der Rödgener Straße.	(Foto: Schepp)
13:57 Uhr

Alles ruhig

Noch ist in der Gießener Innenstadt alles ruhig, alles läuft seinen gewohnten Gang. Lediglich die Aufbauten rund um den Brandplatz deuten auf die Ereignisse hin.

13:57 Uhr

Ersten Besucher am Platz

Die ersten Besucher strömen auf den Brandplatz. Der überwiegende Teil bleibt aber hinter den Absperrgittern und genießt die Sonne. Im Innenraum herrscht noch gähnende Leere. Lediglich die Teams der Politiker und die Junge Union stehen in kleinen Gruppen zusammen.

Foto: esa
14:25 Uhr

Noch keine AfD-Kundgebung

Die Kundgebung der AfD, die für 15 Uhr geplant war, verzögert sich wohl. Direktkandidat Uwe Schulz ist zwar da, doch ist rund um den Kirchenplatz nichts zu sehen, was einer Kundgebung nahe kommt.

15:05 Uhr

AfD mit Infostand am Lindenplatz

Die AfD hat nun ihren Infostand am Lindenplatz aufgebaut, nicht wie angekündigt auf dem Kirchenplatz. Wen sie damit verwirren wollten, verraten sie uns nicht. Rund 20 Personen haben sich davor versammelt.

Foto: esa
15:05 Uhr

Schaulustige gehen weiter

Immer wieder bleiben kleinere Gruppen vor dem Infostand stehen, gehen aber recht schnell in Richtung des Brandplatzes weiter. Joana Cotar von der AfD diskutiert derweil mit kritischen Schülern.

15:13 Uhr

Der Einlass

Rund um den Brandplatz füllt es sich nun deutlich. Hunderte Menschen stehen inzwischen um das abgesperrte Areal herum. Der Platz selbst ist dagegen noch weitgehend leer. Einlass wird an der Senckenbergstraße gewährt. Das geht aber erst langsam voran. Auf den Platz passen rund 3000 Leute.

15:27 Uhr

Multimedia auf Facebook

Drüben auf Facebook versorgen wir Sie mit weiteren Fotos und Videos. Der DGB baut wenige Meter von der AfD entfernt auf dem Kirchenplatz auf. Dort soll um 16 Uhr eine Gegendemo starten.

15:19 Uhr

Klare Ansage

Ein Mann stellt sich mit einem "Refugees Welcome"-Schild vor die AfD und ruft: "Verschwindet, wir brauchen euch in Gießen nicht." Beifall von den Umstehenden, die AfDler können nur müde darüber lächeln.

Foto: esa
15:41 Uhr

Es füllt sich

Jetzt geht es ganz schnell: Der Brandplatz hat sich innerhalb kürzester deutlich gefüllt! Dabei soll Angela Merkel erst um 17 Uhr sprechen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind klar: Rucksäcke werden durchsucht, Wasserflaschen dürfen nicht aufs Gelände. Alles ein wenig wie am Flughafen.

15:30 Uhr

Gegner der AfD bei der AfD

Zurück am Lindenplatz: Einige AfD-Gegner haben sich mit Plakaten direkt in den AfD-Pulk gestellt. Ein bizarres Bild, das bei den Schaulustigen für Erheiterung sorgt.

15:45 Uhr

Polizei vor der AfD

Vor der AfD hat sich eine Reihe von Polizisten gestellt und von den Gegnern getrennt.

16:16 Uhr

Gegendemonstration auf dem Kirchenplatz

Auf dem Kirchenplatz hat sich inzwischen die Demonstration gegen die NPD zusammengefunden. DGB und Kirchen hatten dazu aufgerufen. Wir schätzen: 250 Leute sind aktuell da. Tendenz steigend. Dabei wird die NPD erst in einer halben Stunde erwartet. Derweil auf dem Brandplatz: Angela Merkel soll wohl pünktlich sein. Bis eben wurde Helene Fischer gespielt. Nun beginnen erste Reden und Fragerunden.

16:04 Uhr

Verkehr läuft ohne Probleme

Der Busverkehr am Marktplatz läuft derzeit ohne Probleme. Auf dem Kirchenplatz gehen unterdessen die Redebeiträge weiter.

16:45 Uhr

Stimmung steigt

Angeheizt von den Musikern wird es langsam lauter du dem Brandplatz. Aktuell: Rolling Stones.

16:49 Uhr

Die NPD ist da

Nun wird es auf dem Kreuzplatz hitzig. Die NPD ist mit drei Leuten eingelaufen. Die Gegendemonstranten ziehen vom Kirchenplatz zum Kreuzplatz. Sehr viel Polizei ist vor Ort.

16:58 Uhr

Auch Pfeifkonzert gegen Merkel

Die Bundeskanzlerin ist da! Großer Jubel beim Einlaufen durch die geladene Menge. Nun auf der Bühne unter anderem: Angela Merkel, Volker Bouffier und Helge Braun. Bouffier erinnert sich an ihren letzten Besuch in der Stadt: "Auf einem Berg." Richtig, auf dem Schiffenberg. Omnipräsent während der Reden aber auch das Pfeifkonzert auf den hinteren Reihen. Bouffier dazu: "Damit kann man Stimmung machen. Aber keine gute Politik für Deutschland."

17:00 Uhr

NPD gibt auf

Das war ein kurzer Auftritt der NPD. 250 Gegendemonstranten reichen, um die NPD zur Aufgabe zu zwingen. Als die drei NPD-Männer die Menge, die sich ihnen gegenüberstellt sehen, winken sie ab und fahren in ihrem schwarzen Billy vom Platz. Gut so! Auf Facebook gibt es dazu ein Video: https://www.facebook.com/pg/GiessenerAllgemeine/videos/?ref=page_internal

17:11 Uhr

Es wird hitzig

In den hinteren Reihen am Brandplatz wird es nun ungemütlich. Die Polizei verlagert sich. Das Pfeifkonzert ist hier ziemlich heftig. Von Merkels Rede ist hier nichts zu hören. Nur "Hau ab" und Pfiffe. Andere rufen: "Nazis raus!"

Foto: Hoffmann
17:11 Uhr

Demonstranten zurück bei der AfD

Die Demonstranten sind von der abgesagten NPD-Kundgebung direkt zurück zur AfD gewandert. Die AfDler werden mittlerweile mit zwei Polizeiketten von rund 100 Gegnern getrennt. Diese verhalten sich aber völlig friedlich.

Foto: esa
17:20 Uhr

Eine Festnahme

Die offiziellen Zahlen der Polizei sind da. Konkret heißt es da:

  • Brandplatz: 3000 Leute
  • DGB-Demo: 250 Leute
  • AfD: 50 Leute
  • SDAJ: 20 Leute
  • NPD: 4 Leute

In der Nähe des Brandplatzes konnte durch Beamte eine kleinere Gruppe mit mutmaßlich rechtsmotivierten Personen überprüft werden. Eine Person wurde festgenommen, weil sie den Hitlergruß gezeigt hatte.

18:06 Uhr

Ruhiges Ende

An allen Schauplätzen löst es sich nun langsam auf. Die positive Nachricht: Es ist friedlich geblieben, allmählich bewegen sich die Massen nach Hause. Die komplette Berichterstattung gibt es morgen in der Printausgabe und auf unserer Homepage. Wir bedanken uns für die Aufmerksamkeit und wünschen eine schöne Restwoche. Nicht vergessen: Sonntag wählen gehen!

18:34 Uhr

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