Pferdeherpes besiegt

Alles wieder im Lot bei den Loths

Auf dem Reiterhof Loth in Friedberg ist die Erleichterung groß: Der Pferdeherpes ist besiegt. Am 31. März wurde nach acht Wochen die Quarantäne aufgehoben.
16. April 2017, 12:00 Uhr
Gerhard und Jan-Peter Loth sowie Tierarzt Roger Wagner (v. l.) sind froh, die Quarantäne hinter sich zu haben.

Begonnen hatte alles Anfang Februar; als ein junges Pferd an der Seuche erkrankte und eingeschläfert werden musste. Nach Ende der Quarantäne wollen Gerhard und Jan-Peter Loth künftig nur noch geimpfte Pferde auf ihrem Hof unterbringen.

Es ist ein sonniger, warmer Frühlingstag. Gerhard Loth steht am Zaun der sich nördlich seines Hofes erstreckenden Koppeln und beobachtet glücklich strahlend das gute Dutzend Pferde, das auf dem weitläufigen, mehrfach unterteilten Areal friedlich grast. Er hat allen Grund zur Freude: Am 31. März wurde nach acht Wochen die Quarantäne auf seinem Reiterhof aufgehoben. Der Pferdeherpes ist besiegt.

Hinter Gerhard Loth, seinem Sohn Jan-Peter, dem Karbener Tierarzt Roger Wagner und dessen Kollegen von der Praxis Heckert & Tekotte in Bad Vilbel liegen sorgenvolle, anstrengende Wochen. Begonnen hatte alles Anfang Februar mit der schweren Erkrankung eines jungen Pferdes, das eingeschläfert werden musste.

Wenige Tage später die Diagnose: Pferdeherpes. Eine ansteckende, via Tröpfcheninfektion übertragbare Krankheit ähnlich dem menschlichen Herpes, mit dem Unterschied, dass schwere, potenziell tödliche Verläufe mit neurologischen Ausfällen bei Pferden wesentlich häufiger eintreten als bei der humanen Variante.

»Desinfektionsmaßnahmen, strengste Quarantäne, Quarantänestation für die positiv getesteten Pferde. Wir haben alles getan, was getan werden konnte. Wir haben rund um die Uhr gearbeitet«, erinnert sich Jan-Peter Loth. Zur praktischen Arbeit kam die ständige Information der Besitzer der 44 Pferde, die bei Seuchenausbruch in den Ställen des Hofes standen. Gerhard Loth ist Tierarzt Wagner zutiefst dankbar, dass der ihm diese Gespräche abgenommen hat.

Nicht alle Pferdebesitzer hatten Verständnis für die mit der Quarantäne verbundenen Einschränkungen (Wagner: »Da kommt kein Tier vom Hof und keins auf den Hof«) und die erforderlichen Untersuchungen. 75 Euro kostet ein Herpestest, jedes Pferd wurde mehrfach getestet. »Jedes Mal muss der Pferdebesitzer, der ja zahlen muss, zustimmen. Das ist ein riesiger Aufwand«, erinnert sich der Tierarzt. Etwa ein Drittel der Pferde waren bei Seuchenausbruch zu Turnieren gemeldet. Bei Absage gibt es weder Startgeld noch Übernachtungskosten zurück.

Nun ist seit sechs Wochen keine Neuerkrankung mehr aufgetreten, alle Beteiligten können aufatmen. Bis Ostern werden jetzt die letzten Ställe komplett ausgemistet, von oben bis unten mit desinfizierendem Schaum eingeseift und per Hochdruckreiniger ausgespült. »Dann blicken wir wieder nach vorne«, sagt Gerhard Loth erleichtert.

Dass es nach einer Herpesseuche Mitte 2016 im Kreis Limburg-Weilburg (damals mit acht toten Tieren) nun in Hessen zum zweiten Mal zu einem Seuchenausbruch gekommen ist, hat einen Grund. Alle Turnierpferde müssen zweimal jährlich gegen Grippe geimpft werden. Bis 2011 gab es einen Grippe-Herpes-Kombi-Impfstoff. Seit der vom Markt genommen wurde, scheuen manche Pferdebesitzer die zusätzlichen Ausgaben für eine zweite Impfung. Auch ein Viertel der Tiere auf dem Loth’schen Hof waren nicht gegen Herpes geimpft. Darunter befanden sich alle vier Pferde mit neurologischen Ausfällen, von denen zwei starben. »Die Impfung schützt wie beim Menschen nicht vor der Erkrankung, verhindert aber in der Regel einen schweren Verlauf«, erläutert Wagner.

Ebenso wie Vater und Sohn Loth würde er sich wünschen, dass der Pferdesportverband Hessen oder die Deutsche Reiterliche Vereinigung auch die Herpesimpfung für Turnierpferde verbindlich machen würden. Für die Loths ist allerdings klar: Künftig werden auf ihrem Hof nur geimpfte Pferde unterkommen, ein entsprechendes Gespräch mit den Besitzern ist bereits ins Auge gefasst. Eine Versicherung gegen die wirtschaftlichen Folgen des Seuchenausbruchs hat Gerhard Loth ebenso wenig wie Reitlehrer, die wochenlang keine Stunden geben konnten.

»Wir werden einige der für dieses Jahr geplanten Investitionen verschieben, aber wir schaffen das«, sagt er. Gefreut hat ihn einer der wenigen Lichtblicke während der Krise: »Da rief eine Frau an, die unseren guten Ruf und unseren Hof kennt, und hat angekündigt, dass sie nach Ende der Quarantäne zwei Pferde bei uns einstellen möchte. So etwas macht Mut!«

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