Wetterau

Gitterstäbe statt Schmuck

Lange Haftstrafen werden vier junge Männer aus Litauen für einen Raubüberfall auf das Juweliergeschäft Rubin in der Bad Nauheimer Karlstraße verbüßen müssen.
28. Februar 2017, 11:00 Uhr
Im Oktober vergangenen Jahres haben die Täter den Juwelier Rubin überfallen. Für die Flucht in den Kurpark haben sie Fahrräder benutzt. (Archivfoto: Nici Merz)

Die Strafen reichen von drei Jahren und drei Monaten bis zu sechs Jahren und vier Monaten Gefängnis. »Das Urteil soll ein Zeichen sein, dass der Staat solche Verbrechen nicht mehr einfach so hinnimmt. Es soll abschreckend wirken, auch wenn der materielle Schaden am Ende in diesem Fall überschaubar war«, begründete der Vorsitzende Richter der Zweiten Strafkammer am Gießener Landgericht Wellenkötter die Höhe der Strafen. Schließlich würden sich derartige Überfälle mit Tätern aus dem Ausland in letzter Zeit immer stärker häufen.

Schon von Litauen aus sei der Überfall auf das Juweliergeschäft im Oktober vergangenen Jahres geplant gewesen. Mit einem Linienbus reisten die drei Angeklagten aus ihrer Heimat am 12. Oktober nach Frankfurt. Der Vierte folgte ihnen tags darauf, er brachte drei Fahrräder mit. Die sollten später nach dem Überfall die schnelle Flucht ermöglichen. Am 13. Oktober fuhren die drei Angeklagten mit einem Leihwagen nach Bad Nauheim, um die Einzelheiten auszukundschaften, wobei nach späteren Erkenntnissen der Polizei sogar mehrere Geschäfte im Navi eingegeben waren. Offensichtlich erschien der Juwelierladen Rubin in der Karlstraße den Angeklagten am geeignetsten, zumal er in unmittelbarer Nähe des Kurparks lag und somit gute Fluchtmöglichkeiten bot.

Am 14. Oktober. betrat gegen 10.45 Uhr zunächst einer der Täter den Juwelierladen. In einer Hand hielt er eine echt aussehende Spielzeugpistole, in der anderen Hand eine Dose mit Pfefferspray. Die sollte laut Aussage der Beteiligten aber nur im Notfall auf der Flucht zum Einsatz kommen und deshalb zunächst nur als Abschreckung dienen. Doch anders als geplant, fiel der Ladenbesitzer beim Anblick von des Angreifers nicht in die erhoffte Schockstarre, sondern ergriff selbst eine Pfefferspraydose und sprühte das Reizgas in Richtung der Täter. In der Zwischenzeit hatten auch die beiden Mitangeklagten den Laden betreten, hatten mit Hämmern eine Vitrine mit wertvollen Uhren zertrümmert und die Beute in Rucksäcken verpackt. Den Fluchtversuch der drei hätte der Ladenbesitzer um ein Haar sogar noch vereitelt, denn er war noch vor einem der Angeklagten aus dem Laden gerannt und hatte ihn durch das Zuhalten der Ladentür von außen an der Flucht gehindert.

Als dies sein Kumpel bemerkte, kam dieser schnell zurück und zertrümmerte die Spielzeugpistole auf dem Kopf des Ladenbesitzers, der zu Boden ging und die Tür losließ. Nun konnten alle drei auf den von bereitgestellten Fahrrädern in den Kurpark fliehen, wo sie ihre Beute versteckten und mit dem Zug zunächst erst einmal nach Frankfurt zurückfuhren. Als sie die Beute am Abend abholen wollten, hatte die Polizei die Rucksäcke bereits gefunden und geleert. Am nächsten Morgen wurden alle vier in Frankfurt verhaftet.

Sie waren zum Teil geständig, doch sei die Tat ganz anders geplant gewesen. Es hätte keine Gewalt ausgeübt werden sollen. Staatsanwalt Schneider bewertete die Tat als von Anfang an in allen Einzelheiten geplant. Wegen des Pfefferspray-Einsatzes und auch weil die Spielzeugwaffe für Laien nicht sofort als solche zu erkennen gewesen sei, plädierte er bei drei Angeklagten auf besonders schweren Raub in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung und forderte bis zu siebeneinhalb Jahre Haft. Beim vierten Täter, der die Fahrräder angeblich aus Freundschaft nach Bad Nauheim gebracht hatte, sah der Staatsanwalt Beihilfe zum schweren Raub als gegeben an, weil er von Anfang an mit eingeweiht gewesen sein musste. Für ihn verlangte der Staatsanwalt vier Jahre Haft.

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