Exhibitionist vor Gericht

Auf dem Spielplatz onaniert

Wegen mehrfacher exhibitionistischer Handlungen in der Öffentlichkeit muss sich ein 29-Jähriger vor dem Gießener Landgericht verantworten.
16. Februar 2017, 14:00 Uhr
(Symbolfoto: dpa)

Eigentlich sieht das Gesetz bei Exhibitionismus Gefängnisstrafen von höchstens einem Jahr oder Geldstrafen vor. Solche Fälle landen dann vor dem Amtsgericht. Doch in dem hier vorliegenden Fall des jungen Mannes geht es im Fall der Verurteilung um die dauerhafte Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Bei Mehmet N. (Name von der Redaktion geändert) handelt es sich nämlich um einen Wiederholungstäter, der aufgrund seiner einschlägiger Vorstrafen unter gerichtlich verfügter Aufsicht gestanden hat.

N. hat sich zum Zeitpunkt der beiden Vorfälle, wegen derer er nun vor Gericht steht, in der psychiatrischen Abteilung des Friedberger Bürgerhospitals aufgehalten. Nach Absitzen seiner letzten Gefängnisstrafe wegen Belästigung von Frauen unter brutaler Gewaltanwendung war er zur weiteren psychiatrischen Behandlung in das Krankenhaus eingewiesen worden.

N. erhielt die Auflage, sich Spielplätzen und Parks nur bis auf 200 Meter nähern zu dürfen. Außerdem musste er sich bei Freigang nach spätestens 15 Minuten wieder auf seiner Station melden. Doch habe der Angeklagte immer wieder gegen diese Auflagen verstoßen, wie der Wachdienstleiter bei der Friedberger Polizei berichtet. N. sei »bei uns mehr als aktenkundig« gewesen. »Alle Streifenbeamten hatten irgendwie schon mal Kontakt mit ihm gehabt.«

So auch an zwei Tagen im vergangenen Jahr. Am 15. August soll N. auf der Seewiese eine Frau merkwürdig angeschaut haben, dann habe er plötzlich seine Hose heruntergezogen und sein Glied gezeigt. Als die 49-Jährige an ihm vorbei gegangen war und sich noch einmal kopfschüttelnd umdrehte, habe sich auch der Angeklagte umgedreht und begonnen, sich selbst zu befriedigen. Daraufhin habe die Frau Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt und ihn später auf Fotos der Polizei wiedererkannt.

Zwei Mädchen ins Gebüsch gefolgt

Der zweite Vorfall ereignete sich nur zehn Tage später, diesmal auf dem Spielplatz auf der Seewiese. Dort fiel N. mehreren Frauen auf, als er ganz langsam über das Gelände gelaufen sei und dabei die Frauen und Mädchen »ganz eigenartig« angestarrt habe, wie die Zeugen es formulierten. Nach einiger Zeit habe er sich dann auf eine Parkbank gesetzt, seine Hand in die Hose gesteckt und nach Ansicht der Frauen begonnen zu onanieren. Als zwei 13- bis 14-jährige Mädchen zum Austreten ins Gebüsch verschwunden seien, sei er ihnen sofort gefolgt. Das hätten die Mädchen aber offensichtlich bemerkt, denn sie seien daraufhin sofort geflohen.

Der Angeklagte habe sich zur Bank zurückbegeben und mit der Selbstbefriedigung weitergemacht. Daraufhin habe eine 28-jährige Zeugin, Mutter einer vierjährigen Tochter, die Polizei gerufen. Um 19.13 Uhr sei der Notruf auf der Wache eingegangen. Nur Minuten später war die Streife vor Ort und nahm N. auf dem Weg zum Bürgerhospital fest. Der Exhibitionist hatte vier ungebrauchte Kondome dabei, und auf seinem Handy befanden sich Fotos von nackten Frauen mit Kopftuch. Unter seiner hellgrauen Jogginghose trug N. eine gelbe Turnhose. »Das ist die typische Wechselwäsche, mit der die Täter nach erfolgter Handlung die Flucht ergreifen«, klärte ein Polizist auf. Weil alle Frauen auf dem Spielplatz N. als Täter sofort wiedererkannten, das Krankenhaus aber noch nicht sein Entfernen bemerkt hatte, wurde N. auf Verlassung der Staatsanwaltschaft zunächst in Polizeigewahrsam genommen und anschließend in eine geschlossene Anstalt überstellt.

Vier Verhandlungstage sind von der neunten Kammer des Gießener Landgerichts angesetzt worden. Das Urteil soll am 6. März fallen.

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