Ohne Druck, aber mit viel Freude

17 Jahre lang gehörte Pfarrer Bernd Richardt einer Minderheit an – geografisch gesehen. Denn Katholiken gibt es in Schotten nur wenige. Nun ist er in Ilbenstadt, ganz andere Situation – und erzählt, was ihn an der Pfarrstelle reizt, was er plant und was es mit dem fruchtbaren Pfarrhaus auf sich hat.
13. Januar 2017, 20:38 Uhr
Ilbenstadt ist anders als die katholische Gemeinde, in der er vorher war, sagt Pfarrer Bernd Richardt – deswegen ist er gekommen. Und wegen der Basilika. (Foto: sda)

Im Grunde war alles einmal ganz anders geplant. Bernd Richardt wollte Architekt werden. Früher, als er noch zur Schule ging, in Langen lebte und einen Hang zu den Naturwissenschaften hatte. Vielleicht hatte es etwas damit zu tun, dass es damals kaum Arbeitsplätze für Architekten gab. Vielleicht auch, dass sich der junge Mann klar machte: »Ich werde keine Golden Gate Bridge bauen, eher eine Brücke über die Nidda.«

Ja, vielleicht haben diese Erkenntnisse dazu beigetragen. Ausschlaggebend war jedoch eine Erfahrung in einem Gottesdienst, sagt der neue katholische Pfarrer von Ilbenstadt heute. »Mit meinen Eltern bin ich immer sonntags in die Kirche gegangen. Das gehörte sich so.« Nur ging er dann einmal freiwillig in den Gottesdienst – »aus keiner Pflicht heraus, sondern weil es schön war. Das war ein Schlüsselerlebnis.«

Von der Minderheit zur Mehrheit

Seither sind knapp 40 Jahre vergangen. Er traf damals die Entscheidung, im Mainzer Priesterseminar Theologie zu studieren. Und dann, im vergangenen Jahr, traf der 57-Jährige eine weitere: sich auf die Pfarrstelle in Ilbenstadt zu bewerben. Rund 1600 Katholiken zählt die Gemeinde, 50 Messdiener gibt es sowie zahlreiche Kommunionskinder und Firmlinge. Eine Umstellung für den Neuen. Vorher war er 17 Jahre Pfarrer in Schotten. »Diaspora« – eine Gegend, in der Katholiken in der Minderheit sind. Nun das Gegenteil: Ilbenstadt ist eine der katholischsten Gemeinden im Kreis und über dessen Grenzen hinaus für seine Basilika bekannt, in der im Jahr 1127 der heiliggesprochene Gottfried von Cappenberg beigesetzt wurde.

Die Basilika war ein Grund für die Bewerbung, erzählt Bernd Richardt. Das Grab und der Baustil. Zudem habe er sich eine ruhigere Art des Arbeitens gewünscht. »Im März hatte ich einen Herzinfarkt.«

In Schotten sollte noch eine Gemeinde dazukommen. »Aber ich wollte weniger Frontkämpfer sein« – ein Pfarrer müsse immer Ideengeber sein; in einem katholischen Umfeld sei das leichter als in einem, in dem Katholiken in der Minderheit sind.

Seit September ist er in Ilbenstadt. Vieles ist neu. »Ich bin der größte Arbeitgeber in Ilbenstadt« – wegen des Kindergartens. Es gebe Entlastung vom Bistum, »aber alle Arbeitsverträge gehen über meinen Schreibtisch.« Zudem unterrichtet er in der Schule. Dazu kommt die Organisation und Verwaltung. Pfarrer sein heißt auch Chef sein – einer, der täglich Gottesdienste hält. Aber Bernd Richardt ist schon lange genug Pfarrer, um die Sache locker anzugehen: »Ich mache mir keinen Druck. Ich muss nicht immer alle Menschen erreichen, das geht gar nicht.« »Letztlich«, sagt er, »geht es mir darum, Christi Botschaft in die Welt zu tragen.«

Dafür will er neue Wege gehen: einen Bibelkreis einführen oder Taizé-Gottesdienste anbieten. Vielleicht werden die Angebote angenommen. Die Gemeinde jedenfalls sei gut gemischt. Junge Menschen kommen in die Basilika, ältere auch. Und im Familiengottesdienst sitzen viele Kinder. Dann spielt der Pfarrer manchmal Gitarre.

Er habe schon viele Ilbenstädter kennengelernt – noch nicht alle mit Namen, dafür aber die Gesichter in Verbindung mit den Straßen und den Häusern. »Ich denke sehr geografisch.« Er ist eben in all den Jahren doch ein bisschen Naturwissenschaftler geblieben. Dennoch: Pfarrer zu sein habe er nie bereut. Auch nicht, dass er kein Architekt geworden ist, der Brücken über die Nidda baut und mit seiner Familie in einem Haus lebt. Nein, er baut andere Brücken, solche zwischen Menschen. Und was das Leben in Einsamkeit angeht? So kann man das nicht sagen, findet der Pfarrer. Er sei nicht einsam. Er habe seine Spiritualität, »einen Bund mit Gott«. Und er habe viel Kontakt mit den Gemeindemitgliedern (»da stelle ich es mir sowieso schwierig vor, verheiratet zu sein. Es gibt sicher auch einen Grund, warum evangelische Pfarrer die höchste Scheidungsrate haben«).

Überhaupt: »Ich war mal Familienmensch« – damals, als er in Offenbach Pfarrer war. Sein Bruder studierte und suchte eine Wohnung. Also zogen der Bruder, dessen Frau und deren zwei Kinder im Pfarrhaus ein. »Als sie ausgezogen sind, hatten sie vier Kinder«, erzählt Bernd Richardt. »Das war ein ganz fruchtbares Pfarrhaus.«

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