Giftköder: Weder Entwarnung noch Hysterie angebracht

Butzbach (en). »Rund um Butzbach werden vermehrt Giftköder ausgelegt. Drei Hunde sind daran bereits gestorben« – das schreibt Hit-Radio FFH auf seiner Homepage. Und das verunsicherte am Mittwoch, nachdem die Meldung am Morgen mehrmals über den Sender gegangen war, die Hundehalter in der nördlichen Wetterau.
26. September 2012, 20:23 Uhr
Ein Leckerli zur Belohnung – aber wenn der Hund am Wegesrand etwas frisst, kann das fatale Folgen haben. (Foto: dpa)

Von kompletter Entwarnung kann, wie die WZ-Recherchen dazu ergaben, keine Rede sein, aber zur Maulkorb-Hysterie gibt es auch keinen Anlass, und auch nicht zum Verbot von Rattengift.

»Die meisten Hunde tragen deswegen Maulkörbe« berichtete Radio FFH. Und dass nur deshalb der Polizei keine Anzeigen vorlägen, weil die »verzweifelten Hundebesitzer« befürchteten, der Unbekannte könnte danach gezielt ihre Hunde vergiften.

Dazu kann Jörg Reinemer, der Pressesprecher der Wetterauer Polizei, nichts sagen. Er bestätigt nur, dass bis jetzt keine Anzeigen vorlägen. Die Butzbacher Polizeibeamten wüssten zumindest von zwei Fällen, die aber schon geraume Zeit her seien. Die Station nehme das Problem und die Sorgen der Hundehalter dennoch jederzeit ernst.

Die von der Polizei angeführten zwei Fälle sind identisch mit denjenigen, von denen der Griedeler Tierarzt Dr. Matthias Görlach berichtet. Von Dr. Görlach hatte der Sender auch viele seiner Informationen – entsprechend wenig »amused« war der Veterinär am Mittwochnachmittag auch über die Berichterstattung: »Wenn ich so arbeiten würde...«.

Er habe, so Dr. Görlach, der Reporterin lediglich gesagt, bei ihm seien in den vergangenen Monaten drei Tiere behandelt worden, die offensichtlich Rattengift gefressen hatten. Und rund um Butzbach gebe es um die zehn Tierarztpraxen – daraus seien »gut 30 Fälle« gemacht worden. Dr. Görlach weiß jedoch nur von einem Hackfleischbällchen mit Rattengift auf dem Weg zum Pohl-Gönser Sportplatz, bei einem zweiten Fall sei ein Giftköder gezielt in den Garten eines Hundehalters geworfen worden. Und der dritte Fall war eine Katze, die wohl eine vergiftete Maus gefressen hatte. Gleichwohl sei natürlich »jedes vergiftete Tier eines zuviel«. Dennoch sei die aktuelle Diskussion, Rattengift zu verbieten, fehl am Platz: »Dann haben wir in kurzer Zeit eine Plage.«

Überhaupt keinen Fall hatte Dr. Henrik Hofmann, der in der Kernstadt praktiziert. Er berichtete zudem von Telefonaten mit Tierheim-Leiterin Claudia Löhwing, mit dem Sachbearbeiter im städtischen Ordnungsamt, Jürgen Eheim, und mit zwei weiteren Butzbacher Tierärzten. Auch die alle wüssten nichts von akuten Anschlägen

Dr. Hofmann rät Hundebesitzern, deren Tier Verdächtiges zu sich genommen hat, beim Tierarzt den Hund erbrechen zu lassen. Später zeigten sich Vergiftungen daran, dass der Hund schlapp und müde werde und die Schleimhäute weiß würden. Das könne Tage später noch der Fall sein, moderne Rattengifte seien so konzipiert, damit die schlauen Nager nicht den Zusammenhang zwischen dem gefressenen Gift und dem Tod ihrer Artgenossen bemerkten. Auch Tage nach der Rattengiftaufnahme könne man den Hund in den meisten Fällen noch mit Medikamenten retten. Andere Gifte seien wesentlich gefährlicher.

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