Trauerfeier

Trauergemeinde nimmt Abschied von Detlev Engel

Eine große Trauergemeinde hat Abschied vom verstorbenen Karbener Ehrenbürgermeister Detlev Engel genommen. Sowohl die Trauerhalle als auch zwei Zelte davor waren voll besetzt.
09. Dezember 2017, 06:00 Uhr
Ein Kondolenzbuch liegt im Rathaus aus.

Auch zwischen den aufgebauten Zelten und auf dem Hauptweg zum Eingang standen am Freitagmittag viele Menschen. Engel war am vorletzten Mittwoch nach schwerer Krankheit im Alter von 75 Jahren gestorben.

Aus den Lautsprechern tönt »My Way« von Frank Sinatra. Die Musik anrührend, der Text aussagekräftig. Eine Zeile lautet »I did, what I had to do«. Detlev Engel hat getan, was er meinte tun zu müssen. Das war zuallererst, sich für soziale Belange einzusetzen.

Not einst am eigenen Leib erlebt

Die Not hatte er am eigenen Leib erlebt. Geboren 1942 wuchs er mit vier Geschwistern auf, die Mutter war alleinerziehend. Als der Bombenkrieg in Frankfurt bedrohlicher wurde, musste die Familie die Stadt verlassen. Die Not habe seine Einstellung geprägt, sagt Pfarrer Werner Giesler, der Engel gut gekannt hat. Er beschreibt ihn in seiner Rede als sensiblen Zeitgenossen, der auch laut und streitbar gewesen sei. »Vor allem wenn es ungerecht zuging, konnte er regelrecht explodieren.« Der Geistliche nennt wesentliche persönliche Daten des Verstorbenen, etwa, dass er 53 Jahre verheiratet gewesen sei. Er erwähnt auch, dass Engel Sylt-Fan gewesen sei. Zwei Bilder der Nordsee-Insel hängen an der Wand der Trauerhalle, links und rechts vom Sarg. Er habe den Norden geliebt, sei aber aus Liebe zu seinen Kindern auch ans Mittelmeer in die Wärme gefahren. Der Mensch Detlev Engel steht im Mittelpunkt der Rede Gieslers.

Soziale Gerechtigkeit als Prämisse

Der Politiker, der Macher, dann in den Reden von Landrat Joachim Arnold und Bürgermeister Guido Rahn. Der Landrat sagt, Engel habe »Karben geprägt wie kein anderer, aber auch im Kreis hat er tiefe Spuren hinterlassen«. Für Engel sei soziale Gerechtigkeit »keine leere Phrase gewesen«, knüpft der Landrat an die Rede Gieslers an. Er habe Benachteiligung und Diskriminierung nicht hinnehmen wollen. Engel habe »hohe Wertschätzung bei allen Demokraten« genossen«.

Dass der Verstorbene ein sozial engagierter Mensch gewesen ist, nimmt auch Bürgermeister Guido Rahn auf. Dann zählt er einige Verdienste des Sozialdemokraten auf, etwa die Gründung der Schulsozialarbeit. »Karben war die erste Gemeinde im Kreis, die eine Schulsozialarbeit hatte. Da hat Detlev Engel weitsichtig gehandelt.« Er habe auch das erste Seniorenheim in der Stadt angestoßen, das Haus für seniorengerechtes Wohnen sowie den Grundstein für die Musikschule gelegt. Das Jugendkulturzentrum sei auf seine Initiative hin errichtet worden, das Hallenbad ebenso. Rahn bezeichnet Engel als »einen Kämpfer für unsere Stadt«. Wenn es um sein Karben gegangen sei, »konnte er sogar richtig unbequem werden«.

Viele langjährige Weggefährten gekommen

Nicht nur in der Trauerhalle, auch draußen fließen viele Tränen. Langjährige Weggefährten sind gekommen, allen voran der ehemalige hessische Minister Willi Görlach, dessen persönlicher Referent Detlev Engel in seiner Wiesbadener Zeit war. Auch »sein« damaliger Erster Stadtrat Hans Puchtinger ist erschienen, ehemalige Stadträte, die mit Engel während seiner zwölfjährigen Zeit als Bürgermeister zusammengearbeitet hatten. Auch Engels Nachfolger Roland Schulz gehört an diesem Mittag zu den Trauergästen, ebenso viele Vertreter von Institutionen aus Stadt und Kreis.

Zum Schluss sprechen alle das Vaterunser. Detlev Engel auf seinem letzten Weg zu begleiten, darauf müssen die 250 Gäste aber verzichten. Der Sarg werde später im Familienkreis beigesetzt, sagt Giesler. Die Familie bittet darum, von persönlichen Beileidsbekundungen abzusehen. Nach dem Ende der Feier treten etliche vor den Sarg, halten inne oder verneigen sich. Wer seine Trauer ausdrücken will: Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus, auf dem am Tag der Trauerfeier schon viele Seiten beschrieben sind. Häufig heißt es da: »Wir sind sehr traurig.«

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