Karben

Auf dem Margarethenhof werden Obstkisten verheizt

Zwei große Hühnerställe, sieben weitere Hallen, der Hofladen und das Privathaus gehören zum Margarethenhof. Die dafür notwendige Energie wird fast komplett auf dem Hof selbst erzeugt. Wie, das verrät Landwirt Karl-Wilhelm Kliem.
21. November 2017, 08:00 Uhr

Von Holger Pegelow , 1 Kommentar
Ein Baustein für den Energie-Mix auf dem Margarethenhof ist die Holzheizung. Landwirt Karl-Wilhelm Kliem zeigt die auf dem Hof dafür erzeugten Holzschnitzel. (Fotos: pe)

Auf dem Klimagipfel in Bonn war immer wieder die Forderung nach einer Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu hören. Während Experten und Politiker aus über 100 Ländern nach Lösungen gesucht haben, wie die schädlichen Treibhausgase vermieden werden können, hat der Karbener Landwirt Karl-Wilhelm Kliem für sein großes Hofgut längst gehandelt.

500 000 Kilowatt Strom verbraucht der Hof pro Jahr, informiert Kliem. Entsprechend üppig fielen die Stromrechnungen aus: Zwischen 60 000 und 70 000 Euro musste die Familie alljährlich an Energiekosten zahlen. Aber nicht allein die finanzielle Belastung, sondern auch seine Einstellung zur Umwelt ließ den 50-Jährigen darüber nachdenken, die Energie anders, umweltfreundlicher eben, zu erzeugen. »Wir müssen ja nicht mehr rauspusten als nötig«, sagt er. »Wir wollten weg von fossilen Brennstoffen.« Und so sei 2011 die Entscheidung gefallen, sich weitgehend unabhängig von fremder Energie zu machen und die für den Hof notwendige Energie selbst zu erzeugen.

Solarkollektoren auf den Dächern
 

Auf den Ställen und Hallen gebe es riesige Dachflächen, die bis auf das Dach des Ladens mit Solarkollektoren versehen wurden. Nun werden nicht nur die beiden Hühnerställe nahe der B 3 mit Solarstrom beheizt, sondern auch die Mühlen angetrieben, die das Futter für die 60 000 Hühner mahlen. Denn der Margarethenhof gibt den Tieren nur selbst erzeugtes Futter. Auch die Kühlhäuser, die Lüfter in den Ställen, die Wohnhäuser, der Hofladen – die Energie dafür kommt von Sonnenkollektoren.

Zeitgleich mit den Kollektoren habe man auch eine neue Trafostation errichtet. Im Februar 2012 sei die Solarstromanlage in Betrieb genommen worden. Sie sei die größte in der Wetterau, sagt Kliem. Allerdings stellte Kliem fest, dass es nötig ist für nachts Strom zuzukaufen. »Deshalb haben wir noch ein Blockheizkraftwerk installiert.« Das hört sich größer an, als es ist. Denn in einer der Hallen steht ein mannshoher Apparat, ein kleines Kraftpaket.

 

400 000 Kilo CO2 eingespart

 

Dritte Energiequelle ist eine Holzschnitzel-Heizungsanlage. Das »Futter« dafür erzeugt man auf dem Hof ebenfalls selbst. Die hier reichlich anfallenen Obst- und Gemüsekisten werden zerkleinert, ein Magnet zieht die Klammern heraus. Die hölzernen Schnitzel werden verbrannt. Die ab Anfang November auf diese Weise produzierte Wärme wird zum Teil sofort verbraucht, zum Teil wird sie in einem unterirdischen Behälter gespeichert. »Damit können wir alle Verbrauchsstellen auf dem Hof mit Nahwärme versorgen. Aber auch noch einige Nachbarhäuser.« Rund um die Uhr garantiere man für das Warmwasser eine Ausgangstemperatur von 70 Grad.

Die Stromproduktion mittels Fotovoltaik spart nach Berechnung Kliems rund 312 000 Kilo CO2. Das Blockheizkraftwerk produziere 150 000 Kilowattstunden, was rund 94 000 Kilo CO2 entspreche.


 

In der Holzheizungsanlage werden die geschredderten Obst- und Gemüsekisten verbrannt.
In der Holzheizungsanlage werden die geschredderten Obst- und Gemüsekisten verbrannt.


1,8 Millionen Euro investiert
 

Ganz billig war das alles nicht: Für die Fotovoltaikanlage habe man rund 1,3 Millionen Euro bezahlt, das Heizkraftwerk und die Holzheizung haben weitere 500 000 Euro gekostet. »Das Blockheizkraftwerk haben wir so ausgelegt, dass wir uns in den nächsten 20 Jahren keine Gedanken mehr machen müssen.« Allerdings hat der 50-Jährige schon Ideen, wie der Hof vollends von Fremdenergie wegkommen könnte. Denn so ganz unabhängig ist man nun doch wieder nicht. Der Motor im Blockheizkaftwerk wird mit Erdgas angetrieben. »Aber inzwischen sind schon Modelle mit Holzvergaser auf dem Markt.«

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