Landwirtschaft

Hessens größte Biohähnchen-Mastanlage entsteht im Vogelsberg

Die Lohmühle liegt in traumhafter Lage in einer Senke oberhalb von Bobenhausen. Hier ist Platz für Biohähnchen, dachten sich die Brüder Jens, Steffen und Sascha Scharmann - und legten los.
22. Juli 2017, 08:57 Uhr
Jens und Steffen Scharmann vor dem bisherigen Milchviehstall, der zum Maststall der Hähnchen wird. Wichtig für einen Biobetrieb mit Hühnern ist der Auslauf auf den Wiesen. (Fotos: jol)

Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Aber in den letzten Monaten kursierten offenbar falsche Informationen über den Betrieb auf der Lohmühle, die zu einer besonders genauen Prüfung des Bauantrags geführt haben. Entspannt sitzen Jens und Steffen Scharmann jetzt aber in der Sonne auf ihrem Hof, den sie mit ihrem Bruder Sascha künftig als Scharmann GbR betreiben wollen. Mit dabei ist Ulrich Reichhold, der aus gesundheitlichen Gründen den Milchviehbetrieb aufgeben hat. Im August vergangenen Jahres hat er den Betrieb per Handschlag an die Scharmanns verkauft, »so macht man das hier«, meinte er trocken über die klassische Form des Vertragsabschlusses.

Inzwischen ist der Kaufvertrag erstellt, die Genehmigungen liegen vor. Die Scharmanns bauen eine Masthähnchenzucht, die vom Prüfungsverband Bioland überwacht wird. Bis 4800 Hähnchen können in einem Durchlauf aufwachsen, das sehen die Richtlinien so vor. In einem guten halben Jahr soll es losgehen. Die Brüder sind selbst auf einem Bio-Betrieb groß geworden, etwas anderes als Bio kommes nicht in Frage, sagt Jens.

Ihr Vater Ulrich hat seit vielen Jahren Rinder und seit einiger Zeit auch Gänse. Der Betrieb der drei Scharmann-Brüder wird der größte in Hessen mit Masthähnchen in Bio-Qualität, wie Steffen anmerkt. Bislang gibt es nur kleinere Einheiten, im benachbarten Bayern werden allerdings auch in größeren Betrieben Hähnchen gemästet.

Sie rechnen sich gute Chancen aus, trotz des teuren Umbaus der Ställe mit dem Angebot gut bestehen zu können. Denn derzeit stammen nur 20 Prozent des Bio-Geflügels aus dem eigenen Land, viel wird aus der Schweiz und aus Polen importiert.

Warum Geflügel? »Ein Milchviehbetrieb lohnt sich nicht,« sagen die Brüder. Beim aktuellen Milchpreis könnten nur große Betriebe mithalten. Das bestätigt Reichhold, der »nur« 65 Milchkühe im Stall hatte. Dass Sascha beim Gespräch mit dem Journalisten fehlte, liegt an seinem Beruf. Er ist gelernter Landwirt und gerade bei sonnigem Wetter viele Stunden am Arbeiten. Er wird Betriebsleiter der Lohmühle, seine Brüder arbeiten im Nebenerwerb mit.

Für die Geflügelmast müssen sie den Hof umbauen. Ein alter Kuhstall wird voll isoliert und erhält ein neues Dach, um den Vormaststall aufzunehmen. Bei 36 bis 37 Grad werden dort die daumengroßen Eintagsküken eingesetzt und vier Wochen lang gehalten. »Dann sind sie befiedert und können in den Maststall umgesetzt werden,« erläutert Jens. Die Tiere gehören einer Rasse an, die langsam wächst, aber leckeres Fleisch liefert. Erst nach rund zehn Wochen wiegen sie 2,3 Kilogramm und sind schlachtreif. Konventionell aufgezogene Hähnchen sind nach etwa 35 bis 40 Tagen reif für den Bratofen, das liegt an der schnell wachsenden Rasse, die in Biobetrieben nicht gehalten wird.

Die Mastphase verbringen die jungen Hühner im ehemaligen Milchviehstall. Daran grenzt eine große Wiese als Auslauf an. Denn das ist bei Biobetrieben so vorgeschrieben. Sogar an die schlechte Jahreszeit ist gedacht: Dann können die Tiere in einen überdachten Außen-Scharrbereich gehen. Das Futter bezieht man zum Gutteil vom elterlichen Betrieb, der nach Bioland-Richtlinien arbeitet.

Obwohl nur ein Betriebsübergang von Landwirt zu Landwirt geschehen ist, haben die Scharmanns recht lange für die Umsetzung gebraucht. So gab es offenbar mehrere Beschwerden bei Behörden über das Vorhaben und den Betrieb ihres Vaters. Sie selbst umschreiben das Ganze eher verhalten: »In der Nachbarschaft sind offenbar ein paar falsche Informationen kursiert«. Da habe man von Massentierhaltung gesprochen, was aber falsch sei. Denn die Bioland-Richtlinien lassen nur eine maximale Zahl von 4800 Tieren zu. »Inzwischen gab es ein paar Gespräche mit Neugierigen, das hat einiges geklärt,« sagt Jens.

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