Stadt Gießen

Linie 1: »Einige Kollegen haben Angst«

03. Februar 2015, 14:13 Uhr
Für die Busfahrer auf der Linie 1 ist der Job laut Betriebsrat belastend. (Foto: Schepp)

»Es gibt mittlerweile einige Kollegen, die haben Angst, diese Linie zu fahren«, sagte Mit.Bus-Betriebsratsvorsitzender Abdul Yobas auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung.

»Die Kollegen werden bespuckt und bedroht. Mir ist das auch schon passiert«, schilderte der Betriebsratsvorsitzende und nahm auch ansonsten kein Blatt vor den Mund. So seien es in erster Linie männliche Asylbewerber aus Nordafrika, die sich gegenüber den Busfahrern und weiblichen Fahrgästen schlecht benehmen würden. Wie Yobas sagte, sei die Geschäftsleitung von Mit.Bus über die Vorfälle informiert und führe Gespräche mit der Stadt. Helfen würde seiner Einschätzung nach ein Verzicht auf die Fahrscheinkontrollen, bei denen es regelmäßig zu Auseinandersetzungen mit Schwarzfahrern komme. Deshalb müsse über eine automatische Mitfahrberechtigung nachgedacht werden, vergleichbar mit dem Semesterticket für die Studenten. Oder es müsse der bereits diskutierte Shuttle-Verkehr eingeführt werden.

Stadtwerke-Dezernentin Astrid Eibelshäuser und Mit.Bus-Geschäftsführer Matthias Carl bestätigten gegenüber der GAZ, dass es solche Vorfälle gegeben habe, sprachen aber von »Einzelfällen«. »Keiner dieser Übergriffe ist tolerierbar, aber man muss auch berücksichtigen, dass allein im Depot über 2000 Menschen untergebracht sind«, sagte Eibelshäuser. Wie die Stadträtin und Mit.Bus-Chef Carl erläuterten, seien drei Maßnahmen ergriffen worden, um die Probleme auf der Linie 1, die auch die Kapazität betreffen, in den Griff zu kriegen. So werde mehr Sicherheitspersonal eingesetzt, zudem werde eine Videoüberwachung getestet, außerdem führten jetzt mehr Fahrten bis zur Haltestelle am früheren Haupteingang des US-Depots (Sophie-Scholl-Schule).

Neuer Weg erst Mitte Februar

Gearbeitet wird laut Eibelshäuser zudem an der Einrichtung eines Shuttle-Verkehrs, der die beiden Gießener HEAE-Standorte Meisenbornweg und US-Depot sowie einen Haltepunkt in der Stadtmitte in den Stoßzeiten verbinden würde. Die Finanzierung sei aber noch ungeklärt. Geprüft worden sei auch eine Lösung à la Semesterticket, die aber rechtlich nicht gehe. Das Asylbewerberleistungsgesetz verbiete es, allen Flüchtlingen einen Nahverkehrsbeitrag vom Taschengeld abzuziehen, erklärte Eibelshäuser.

Noch nicht gelöst ist auch das Problem bei der Wegeführung. Denn trotz der Schließung der Bushaltestelle am Gewerbegebiet Krebsacker (Canon) laufen viele Flüchtlinge auf der Rödgener Straße, weil der Fußweg neben dem Depotgelände nur in einem kurzen Abschnitt zwischen der Haltestelle und dem künftigen Ausgang für Fußgänger unlängst von der Stadt befestigt wurde. Der hintere Teil – bis zum jetzigen HEAE-Haupteingang am Bahnübergang – ist momentan völlig verschlammt bzw. durchnässt. Folge: Die HEAE-Bewohner gehen scharenweise auf der Landesstraße. Laut Regierungspräsidium kann es noch bis Mitte Februar dauern, bis der Fußweg innerhalb des Depotgeländes fertiggestellt sein wird. Dann wird der jetzige Haupteingang für Fußgänger geschlossen. Die Stadt bezeichnete die jetzige Situation gestern als »unbefriedigend«, aber immer noch besser als vorher, da die Leute nun nicht mehr im Bereich einer Kurve laufen. Der Trampelpfad sei nicht auf ganzer Länge befestigt worden, weil man damit gerechnet habe, dass der neue Weg Ende Januar, Anfang Februar freigegeben werde, hieß es.

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