Stadt Gießen

Ballett »Der Nussknacker« aus Moskau in der Kongresshalle

30. Dezember 2014, 13:53 Uhr
Olga Grigorieva als Clara dreht sich auf Spitze, springt und schwebt. (Foto: pv)

Alle Generationen kamen optisch und auch sonst auf ihre Kosten, und es herrschte lockere Atmosphäre bei Popcorn, Limo oder Sekt. Selbst die vielen kleinen Kinder verfolgten ohne größere Lautäußerungen die farbenfrohe Aktion auf der sonst so kargen Bühne: Peter Tschaikowskys »Der Nussknacker« zu Musik aus der »Konserve« wurde in liebevoll gemalten Kulissen, raffiniert wechselnder Beleuchtung und Theaternebel zu einer lebhaften Bilderfolge aus klassischem Ballett mit wunderschönen Kostümen.

Müde vom weihnachtlichen Festestrubel schläft die junge Klara auf dem Sessel ein, im Arm ihr Geschenk, ein schmuck soldatisch ausstaffierter Nussknacker. Sie wird in eine bunte Weltreise entführt, wo des Nussknackers Armee gegen den schrecklichen Mäusekönig und seine Entourage kämpfen und ein Zauberer seinen mächtigen Mantel wehen lässt. Der Nussknacker aber verwandelt sich in einen schönen Prinzen. Nach vielen Turbulenzen heiraten der Prinz und Klara. Doch es war alles nur Schein, und Klara erwacht mit dem Nussknacker im Arm in ihrem Sessel...

Ein Abend der Tanzkunst

Zu Gast in Gießen war auf seiner Tournee das Klassische Russische Ballett aus Moskau unter und mit seinem künstlerischen Leiter Hassan Usmanov. Alle Mitwirkenden, allen voran die Protagonisten Olga Grigorieva und Alexander Butrimovich, haben die strenge klassische Ausbildung russischer Fachinstitutionen durchlaufen und präsentierten Tanzkunst auf hohem Niveau.

Naturgemäß geben die Charaktertänze – hier ist die Musik auch in reiner Orchestersuite populär – als folkloristisch gefärbte Länderschau mehr her als die trubeligen Begrüßungsszenen und die hübschen Solonummern vor dem Weihnachtsbaum im ersten Teil. So war es auch in dieser Choreografie, die sich eng am Vorbild von Marius Petipa (1818 - 1910) orientierte. Eine virtouse Schleiertänzerin zur Musik jenseits von Suez konnte ebenso verzaubern wie ein lustiges Chinesenpaar sowie spanische, russische und französische Paare in entsprechender Ausstattung.

Die zwischen Rokoko und 19. Jahrhundert angesiedelten Kostüme der Compagnie mögen an die Entstehungszeit des Textes erinnern, an E. T. A. Hoffmanns (1776 - 1822) bekanntes Märchen »Nussknacker und Mäusekönig«.

Liebhaber der Ballettkunst mit Spitzentanz in allen möglichen klassischen Figuren und Bewegungsabläufen konnten die Darbietung genießen: »En-arène«-Sprünge,
Entrechats, prächtige Hebekombinationen waren zu bewundern – gut durchkalkuliert entsprechend dem begrenzten Raumangebot auf der Kongresshallenbühne. Erwarteter Höhepunkt klassischer Tanzkunst war natürlich der Pas de deux des Hochzeitspaares. Und das Corps de ballet ließ kaum an perfekter Synchronisation zu wünschen übrig, wenn etwa die bühnenfüllende Damengruppe in zauberhaften weißen Tutus und mit Glitzerdiademen das Hochzeitsfest einleitet oder das Ballet blanche in halblangen Tüllröcken zitiert wird.

Langer, herzlicher Beifall für einen Abend der Tanzkunst, wie sie hierzulande nur noch an wenigen Theatern gepflegt wird.

Olga Lappo-Danilewski

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