Verteidiger beantragen Haftentlassung

Gießen (srs). Ein Verfahren um die Misshandlung eines 42-Jährigen beschäftigt das Landgericht seit Wochen. Der Gießener soll unter anderem gezwungen worden sein, Urin zu trinken. Nun beantragten die Verteidiger der Angeklagten Haftentlassung. Gegen das mutmaßliche Opfer werden Vorwürfe laut.
28. Oktober 2014, 20:18 Uhr
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Brutal zusammengeschlagen worden sei er im Februar gleich mehrfach von denselben Peinigern, erklärt ein 42-jähriger Gießener vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts. Darüber hinaus sei er gezwungen worden, Urin zu trinken. Aufgrund dieser Vorwürfe müssen sich zwei 18- und 25-Jährige sowie eine 25-Jährige verantworten. Sie schweigen zu den Vorwürfen. Die Verteidiger beantragten gestern eine Entlassung aus der Untersuchungshaft. Zeugen hätten die Vorwürfe bisher nicht untermauern können, erklärten die Anwälte. Die Angaben des mutmaßlichen Opfers bezeichneten sie als nicht glaubwürdig.

Tatsächlich trugen die am Dienstag angehörten Zeugen wenig zur Klärung der Anklagepunkte bei. Neben anderen sagte die Mutter der Angeklagten aus. Sie hatte das mutmaßliche, vor Gericht als Nebenkläger auftretende Opfer im Sommer 2013 zur Untermiete aufgenommen. Am 16. Februar allerdings, vermutet sie nun, habe der Nebenkläger versucht, sie mit Tabletten zu vergiften.Der Nebenkläger sei außerdem verantwortlich für einen Unfall, als er sie in ihrem Rollstuhl geschoben habe. Zu Schlägen und Tritten gegen das mutmaßliche Opfer konnte sie nichts sagen. Einmal sei er jedoch mit Verletzungen nach Hause gekommen. Zum Trinken des Urins ihrer Tochter sei der Mann indes nicht gezwungen worden, betonte die 46-jährige. »Es war eine Wette. 20 Euro habe ich geboten.« Weiter erklärte sie, der 25-jährige Angeklagte habe im Fall einer Anzeige mit Mord gedroht.

In der Wohnung der 46-jährigen in der Marburger Straße ereignete sich in ihrer Abwesenheit am 26. Februar die wohl brutalste Tat im Rahmen des Falles. Das mutmaßliche Opfer flüchtete damals verletzt auf eine Polizeiwache. Doch auch die auf der Anklagebank sitzende 25-Jährige erlitt Verletzungen. Nachbarn berichteten gestern im Zeugenstand, wie die Frau und der 18-jährige Angeklagte im Hausflur um Hilfe riefen. »Die junge Frau war blutüberströmt«, erzählte eine Anwohnerin. Nun fragte sie: »Wieso sitzt das Kind auf der Anklagebank?«

Vor Gericht sagte gestern auch eine 69-jährige Frau aus. »Ich habe Angst«, sagte sie – sowohl vor den Angeklagten als auch vor dem Nebenkläger. Der Polizei hatte sie noch erklärt, sie habe Schläge der beiden männlichen Angeklagten gegen das mutmaßliche Opfer beobachtet. Vor Gericht wollte sie davon nun nichts mehr wissen.

Nach einem Gutachten des Rechtsmedizinischen Instituts gibt es an Verletzungen des mutmaßlichen Opfers keine Zweifel.

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