Stadt Gießen

Krimifestival endet mit Live-Hörspiel

27. Oktober 2014, 13:18 Uhr
Die HR3-Moderatoren und -Mitarbeiter bieten ein Hörspiel für die Augen. (Foto: gl)

Doch zunächst galt es am Sonntagabend das Finale der aktuellen Lesereihe zu begehen – und das gelang mit einem Live-Hörspiel im ausverkauften Konzertsaal des Rathauses, präsentiert von sechs Moderatoren und Mitarbeitern des Hessischen Rundfunks, aufs Vortrefflichste. Möglich gemacht hatte dies die Technische Hochschule Mittelhessen als Sponsor in Kooperation mit dem Kulturamt.

Sir Arthur Conan Doyles Geschichte »Der Hund der Baskervilles« ist wohlbekannt. HR3-Moderator Klaus Krückemeyer und seinem Team gelang es aber, dem Klassiker aus dem Genre »Mord und Totschlag« ganz neue Facetten abzugewinnen – und dabei auch Einblick in die Produktion eines Hörspiels zu geben. Nebelschwaden waberten durch den Saal als Detektiv Sherlock Holmes (Krückemeyer) und sein Mediziner-Freund Dr. Watson (Sebastian W. Wagner) den Tod des Adligen Sir Charles Baskerville im Moor aufklärten. War es tatsächlich die grün leuchtende Bestie, oder vielleicht doch eher der unehrenhafte Baskerville-Spross Jack Stapelton (Axel Senn), der seinen verwandten, und damit auch Sir Henry (Johan Helmer Hein), nach dem Leben trachtet? Und welche Rolle spielen der geheimnisvolle Butler (Michael Bibo) und seine Frau (Tina Wurster)? Die Zuschauer – darunter auch vier im Stil der Conan-Doyle-Zeit kostümierte Mitglieder eines Sherlock-Holmes-Fanclubs – konnten miterleben, wie der berühmte Detektiv mit genialen Schlussfolgerungen hinter das Geheimnis kommt.

»Der Hund der Baskervilles« geriet im abgedunkelten Kultursaal zum Hörbuch für Augen und Ohren. Die Zuschauer hatten nicht nur das Gefühl, bei einer Hörspielproduktion live dabei zu sein, sondern konnten auch, trotz der eher statischen Anordnung der Protagonisten an Tischen, deren »Spiel« erleben. Dank der historischen Kostüme, der typischen Requisiten wie Totenschädel und Giftflaschen aus der 221B Baker Street und vielen Griffen in die Hörspieltrickkiste vergingen die rund 70 Minuten der Aufführung wie im Flug. Erstaunlich, welches Vogelgezwitscher man kleinen Säckchen mit Pfeifen entlocken kann; spannend zu sehen, wie das Geräusch auf Straßenpflaster klappernder Hufe mit zwei Kokosnussschalen imitiert werden kann Und nichts für schwache Nerven, wenn Stroposkoplichteffekte und ein großes Stück Blech ein Gewitter imitieren. Und auch Schüsse aus der Schreckschusspistole dürften nicht fehlen, als Holmes und Watson in den Gassen Londons oder im düstern Moor von Dartmoor auf Verbrecherjagd gingen.

Es war übrigens das erste Mal, dass ein solches Radio-Live-Theater beim Gießener Krimifestival zu erleben war – übrigens fast auf den Tag genau 90 Jahre nachdem ein solches Ereignis überhaupt im Frankfurter Funkhaus Premiere hatte. Vielleicht klappt es ja auch bei der Auflage des Krimifestivals im nächsten Jahr, eine solche Veranstaltung in den Reigen der Krimilesungen aufzunehmen. Ein solcher Abend mit Knall und Nebel wäre eine echte Bereicherung. Karola Schepp

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