So war’s mit Til Schweiger im Kinopolis

27. Oktober 2014, 10:58 Uhr
Fast jeder in Gießen weiß eine Geschichte über Til Schweiger zu erzählen. Charly Weller und Dietlind Grabe-Bolz sowieso. (Foto: fd)

Am Ende stellt sich sogar die Oberbürgermeisterin an, um ein Autogramm zu ergattern. Schließlich hat sie einen direkten Bezug: »Meine Schwestern und ich haben Til Schweiger früher gebabysittet«, sagt Dietlind Grabe-Bolz. Verändert habe er sich seit damals: »Ich glaube, er ist heute aufmüpfiger.«

Am Samstagabend ist er nach Gießen gekommen, um im Rahmen des Krimifestivals aus »Eulenkopf« von Charly Weller zu lesen. Vor vielen Jahren haben sich der Schauspieler und der Regisseur, der heute Videos für den Internetauftritt der Gießener Allgemeinen Zeitung produziert, bei gemeinsamen Dreharbeiten kennengelernt. Nun sitzen sie zusammen hinter den Kulissen des Kinopolis und bereiten sich abseits des Trubels auf die gemeinsame Veranstaltung vor. Eben noch ein kurzes Interview. Dann trifft Schweiger drei Freunde, später die Familie. Vor der Tür wartet der Fahrer. Alles ist eng getaktet. Und tatsächlich scheint der Schauspieler, der mit seinen Filmen regelmäßig ein Millionenpublikum erreicht, durchaus ein bisschen aufgeregt zu sein: Immer wieder nestelt er an den Ärmeln seines weiten Pullovers herum.

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»Schweiger liest?«, mögen sich auch manche Kritiker im Vorhinein gefragt haben. Ja, das macht er. Und er macht es prima. Was sicherlich auch an »Eulenkopf« und seiner besonderen Sprache liegt. Da wird gelabert. Da wird abgetschurrt. Da wird geplärrt. Als Gießener ist Schweiger in seinem Element. Zeitweise tobt der Saal, wenn Schweiger ins Manische verfällt. Er hält inne. Schaut auf. Fragt: »Habt ihr was gecheckt?« Sogar die Bodyguards können sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Fast wünscht man sich ein Hörbuch. »Für Charly würde ich das vielleicht sogar machen«, sagt der Schauspieler.

Trotzdem scheint Til Schweiger dann auch durchaus erleichtert, als die vier Kapitel gelesen sind. Richtig locker wird er im Gespräch mit Verleger Ralf Kramp. Wie viele Filmtode er schon gestorben sei? »Keine Ahnung. Bei den Produktionen in Amerika in jedem Film.« Ob das Alter ein Problem sei für Schweiger? »Quatsch. 50 ist das neue 20.« Wie er nach Drehschluss abschalten könne? »Ich bin kein Schauspieler, der durch die Stadt fährt und denkt, er sei ein Polizist.«

Und »Eulenkopf« scheint Til Schweiger durchaus zu amüsieren. Die Schauplätze. Die Anspielungen auf reale Personen. Die Sprache. Während des Interviews blättert er lächelnd im angehängten Glossar der manischen Sprache. Auch Weller meint: »Die Leute am Eulenkopf sind ehrlich und direkt. Ich mag das sehr.« Und Schweiger verspricht: »Ich komme gerne wieder nach Gießen, wenn Charly den zweiten Teil vorstellt.«

Weil das im Zweifel noch ein bisschen dauern könnte, will am Samstagabend im Kinopolis dann auch noch fast jeder ein Autogramm. Und Schweiger nimmt sich Zeit. Vergessen scheint die Hektik des Tages. Bekannte werden geherzt. Fotos gemacht. Nebenbei immer wieder Späßchen mit Charly Weller. Und irgendwann ist dann auch die Oberbürgermeisterin dran. Sie weiß: »Mehr Gießen geht wirklich nicht.«

Die Ukulele Stringband Ramblers und Ritchie Weller sorgten für die Musik. fd

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