Stadt Gießen

20 Jahre Frauenkulturzentrum: Brunch mit Erinnerungen

26. Oktober 2014, 21:58 Uhr
Die Wegbereiterinnen des Frauenkulturzentrums (v.l.): Karola Drews sowie die Vorsitzenden Edeltraud Lange, Hildegard Kolzenburg, Hilde Fuchs und Elisabeth Faber. Das Foto entstand 1999, als das zehnjährige Bestehen des Elisabeth-Selbert-Vereins gefeiert wurde.

Nach einem kleinen Sektempfang erzählten die Frauen der ersten Stunde sich und den Neulingen davon, wie es einst begann. Genau genommen schon vor 25 Jahren, mit einer Vision der damals neuen Frauenbeauftragten Passarge, ein Netzwerk der Frauengruppierungen zu knüpfen und dafür einen gemeinsamen Raum zu suchen. Dafür wurde 1989 der Elisabeth-Selbert-Verein (ESV) gegründet, deren energische Vorsitzende Hilde Fuchs seit Jahren in Darmstadt lebt und wegen familiärer Gründe nicht teilnehmen konnte.

Wie breit das damalige Frauenbündnis damals war, darüber staunen die Frauen heute selbst: von der Stillgruppe bis zur Gewerkschaft, von der Kirche bis zu den Parteien. Einige der Gruppen bestehen längst nicht mehr, auch das wurde konstatiert. Doch die »Textilfrauen«, die sich nach einem Vortrag im FKZ zusammenfanden, gibt es nach wie vor, wie Brunhilde Wachsner mit einigem Stolz erzählte.

Die erste Bleibe wurde 1994 in der Südanlage 13 gefunden, in einem Gebäude der evangelischen Kirche. Dort musste gründlich gesäubert und gestrichen werden, wie Hannelore Kraushaar-Hoffmann eindrücklich schilderte. Überhaupt musste alles Mobiliar, Geschirr und Büromaterial organisiert werden, aus Schulen und Pfarrgemeinden, auch von privat. »Wir hatten in der ersten Zeit kein eigenes Telefon, das lief alles über meinen Privatanschluss«, erinnert die langjährige Vorsitzende Edeltraud Lange. So etwas wie Flatrates gab es ja noch nicht. Nicht einmal einen Computer für die Schreibarbeit hatten die Frauen.

Den organisierte zwei Jahre später Inge Erb, die nicht nur als Rechtsanwältin für den Verein fungierte, sondern auch ganz praktische Dinge erledigte. Ihr gewaltsamer Tod (2001) habe alle schwer mitgenommen, daran erinnerte Elisabeth Faber, die ESV-Vorsitzende, die auch die Kündigung in der Südanlage bewältigen musste.

Das Suchen nach geeigneten neuen Räume war eine zeitraubende Aufgabe, die dann in der Steinstraße 75 zum guten Ende kam. In den großzügigen Räumen konnten wunderbare Ausstellungen stattfinden, wie alle bestätigten. Sie sei heilfroh gewesen, sagte Faber, dass es bei ihrem Einstieg mit Karola Drews bereits eine Frau mit Überblick gab, die seit 1996 stundenweise für die Büroarbeit zuständig war, darüber hinaus Ausstellungen, Vorträge, Kurse und anderes organisierte. Bis heute gibt Drews Kurse im Kreativen Schreiben, wie sie in dankbarer Erinnerung an die Anfänge sagte.

Mietzuschuss von der Stadt

Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sei zunächst ein Problem gewesen, die Presse habe sie schlicht ignoriert, fügte Lange noch an. Dank der Unterstützung durch Journalistinnen sei das FKZ auch in diesem Punkt weiter gekommen. Dass die Finanzierung der Räume von Anfang an schwierig war, erinnern alle sehr gut; erst durch eine von Sozialdezernent Lothar Schüler angeregte Diskussion im Stadtparlament habe sich die Stadt entschlossen, einen Mietzuschuss zu gewähren. Bis heute. Zum Glück. Dennoch entschied der Vorstand vor vier Jahren wegen der hohen Miete in der Steinstraße, noch einmal umzuziehen. Zwar sind die Räume in der Walltorstraße 1 kleiner, aber dafür angenehm zentral gelegen.

Am Ende galt der Dank aller den tatkräftigen Nachfolgerinnen Anne Schmidt (1. Vorsitzende) und Inge Bietz (Schatzmeisterin). Annemarie Stein, die schon erste Vorsitzende war, macht als Stellvertreterin weiter. Zwar gibt es längst nicht mehr so viele Gruppen, die eigenständig einen Brunch ausrichten, aber es kommen immer wieder Frauen vorbei, die hier eine neue Familie finden. Sei es aus dem Umland von Gießen oder aus dem Ausland. Das Zentrum hat also eine Zukunft.

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