Stadt Gießen

Krimischreibwettbewerb »Mordsdichter«: Sieger geehrt

26. Oktober 2014, 18:18 Uhr
Ein gutes Team: Roland Jankowsky präsentiert die Geschichte von Gewinnerin Regina Appel, die die ausweglose Situation einer gekidnappten Frau eindrücklich schildert.

In diesem Jahr überzeugte sie die Jury mit ihrer zehnseitigen Kurzgeschichte »Brückenfall«. Als Belohnung las der Schauspieler Roland Jankowsky gestern Vormittag ihre Geschichte vor zahlreichen Besuchern im Verlagshaus der Gießener Allgemeinen Zeitung. Fünf Erstplatzierte hatte die Jury aus zwei Dutzend Einsendern ausgewählt. Platz zwei belegte Monika Hempel mit ihrem »South American Beauty«. Den dritten Platz erreichte Dr. Hans Schneider alias Hermann Henn mit »Rien ne va plus«, gefolgt von Heidi Goll mit der Geschichte »Ein stummes Pferd«. Der fünfte Platz ging an Myriam Mank mit ihrem Krimi »Fegefeuer«. Die drei Jurymitglieder, Marion Schwarzmann (GAZ), Andrea Wagner (LZG) und Armin Pfannmüller (GAZ), überreichten ihnen Freikarten fürs Stadttheater, ein Buch sowie eine Urkunde.

Bevor die Gewinner die Preise entgegennehmen konnten, wurde es spannend. Nach der Begrüßung durch GAZ-Chefredakteur Dr. Max Rempel gehörte das Podium dem Kölner Schauspieler Jankowsky. Der Fernsehkommissar Overbeck aus den »Wilsberg«-Krimis las bereits am Freitag im Rahmen des Krimifestivals (Seite 7). Diesmal hatte er sich die Kurzgeschichte »Das Manuskript« ausgesucht – ein Krimi übers Krimischreiben. Das ist im Übrigen eine brotlose Kunst, wie es in der Geschichte heißt. Für das Honorar würde nicht mal eine Putzfrau ihren Besen aus dem Schrank holen. Warum also schreiben? Vielleicht, weil einem im Alltag überall mörderische Geschichten begegnen, die die Fantasie anregen. Eine Teilnehmerin schreibt zum Beispiel vom Leichenfund auf dem Landesgartenschaugelände. Eine andere versteckt einen Toten im Laubacher Wald.

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Die Siegerin mordet an der Lahn – zum zweiten Mal. Schon im vergangenen Jahr hatte Regina Appel erfolgreich teilgenommen. Deswegen reichte sie ihren Text in diesem Jahr unter dem Pseudonym Renette Renz ein. Ihr Tatort: ein Kleingarten schräg neben dem Christoph-Rübsamen-Steg, der gleichzeitig Motiv ist. Der Bösewicht: ein ruhesuchender Gießener, der wegen der Brücke sein heimisches Idyll zerstört sieht und Rache dafür will. »Die Schlampe«, wie er sie nennt, habe durch den Bau »Gaffer und Jugendliche« in seine Privatsphäre geführt. Täglich stünden sie auf der Brücke, starren mit ihren Ferngläsern in seinen Garten und lachen über ihn. Deswegen sitzt die Frau, die Stadtplanerin ist, zu Beginn der Geschichte angekettet in seinem Keller. Sie leidet, er verschafft sich Befriedigung.

Moderator Manfred Merz, Leiter der Kulturredaktion, fragte die Gewinnerin im Anschluss an Jankowskys Lesung, wie es sich anfühlt, wenn die eigene Geschichte vor Publikum gelesen wird. Die, ganz bescheiden, antwortete: »Ganz gut. Anders, als im stillen Kämmerlein zu sitzen und zu schreiben.« Weniger schüchtern verfährt sie mit ihren Protagonisten. Wer wissen will, ob sie die Stadtplanerin aus dem Kellerverlies entkommen lässt, muss sich ein wenig gedulden. In einigen Wochen wird der Krimi als Fortsetzungsgeschichte in dieser Zeitung abgedruckt. Sabrina Dämon

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