Stadt Gießen

Langjährige Haftstrafen für zwei Brandstifter

16. September 2014, 11:48 Uhr

Das war möglich, weil beide Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt hatten. Außerdem waren beide der Kammer bestens bekannt: Erst im Februar dieses Jahres waren die Männer schon einmal zu Haftstrafen verurteilt worden, weil sie im Sommer 2013 in Gießen mit Luftgewehren wahllos auf Passanten geschossen und diese zum Teil schwer verletzt hatten (die GAZ berichtete). Das aktuelle Urteil ist eine Gesamtstrafe für beide Tatblöcke.

Von einem »menschenverachtenden Verhalten«, mit dem die Angeklagten »die ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt« hätten, sprach Vorsitzender Richter Peter Neidel. Auch Staatsanwalt Michael Wenzel, der auf die später verhängten Haftstrafen plädiert hatte, rügte die »große Rücksichtslosigkeit« der zwei Täter, die von Februar bis Mai vergangenen Jahres Mülltonnen, Fahrzeuge und Gartenhütten in Brand gesetzt hatten.

Für die Richter besonders erschreckend: Die banalen Begründungen, welche die Männer eigenen Angaben zufolge zu diesen Taten getrieben hatten: Langeweile und ein »bekiffter Kopf«. Zudem berichtete der Jüngere freimütig, dass beide sich regelmäßig die Ergebnisse ihrer Taten auf dem Internet-Presseportal der Polizei angesehen hatten. Dass er einmal statt des üblichen Sturmfeuerzeugs einen Bunsenbrenner eingesetzt hatte, fand der 19 -Jährige damals »einfach nur geil«. Erst als die Polizei mit Laufzetteln nach zwei Männern suchte, die mit einem Motorroller unterwegs waren, wurde den Tätern die Sache zu heikel. Neues Mittel gegen Langeweile waren dann die »sommerlichen« Schüsse.

150 000 Euro Sachschaden

Zu diesem Zeitpunkt hatten sie jedoch bereits enorme Schäden angerichtet: Auf »vorsichtig geschätzt 150 000 Euro« taxierte Neidel die Summe. Auf die Frage, wie die beiden arbeitslosen Hauptschüler dies jemals wieder zurückzahlen wollten, erwiderte der 19-Jährige: »Ich dachte nicht, dass wir erwischt werden und dafür geradestehen müssen. « Die Frage nach möglichen Entschuldigen bei den Betroffenen war ebenso schnell geklärt: Beide gaben an, aufgrund fehlener Adressen nicht dazu in der Lage gewesen zu sein. Allerdings kündigten sie kleinlaut an, dies jetzt noch nachzuholen.

Der finanzielle Schaden trat für die Kammer noch weitgehend in den Hintergrund: Die hohen Freiheitsstrafen sahen die Richter als Ausdruck für die »hohen Risiken«, dass auch Menschen hätten verletzt oder gar ums Leben kommen können. »Das war haarscharf«, redete Neidel den Männern ins Gewissen, als er ihnen vor Augen führte, wie leicht wegen eines Mülltonnenbrandes in der Löberstraße ein ganzes Wohnhaus hätte in Flammen aufgehen können. Das brennende Altpapier griff nämlich auf an der Hauswand emporrankendes Efeu über. Nur ein rechtzeitiges Eingreifen der Feuerwehr verhinderte, dass das Gebäude in Brand geriet. Es habe in der Nacht genieselt und die Kletterpflanze sei feucht gewesen, hatten die Männer sich zu rechtfertigen gesucht. Deshalb hätten sie ein Übergreifen der Flammen weder erwartet noch gewollt.

An dieser Stelle glaubten die Richter den beiden, ahndeten die Tat als Sachbeschädigung. Ganz anders bei einem Vorfall vom
1. Mai, als die Männer ein Wohnmobil anzündeten. Die Tatsache, dass sie vorher noch geklopft hatten, zeige, dass die Angeklagten es für möglich hielten, dass Menschen darin schlafen könnten. »Mit Oropax in den Ohren hört man ein Klopfen nicht unbedingt«, sagte Neidel, der den Tatbestand der schweren Brandstiftung in diesem Fall erfüllt sah.

Die Verteidigung hatte die Geständnisse ihrer Mandanten betont. Der Vorsitzende bejahte dies vor allem für den jüngeren Täter. Der hatte der Polizei auch die Brandstiftungen gebeichtet, als beide zunächst nur wegen der später verübten Schüsse festgenommen worden waren.

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