So kaputt sind Gießens Bahnbrücken

Gießen (fd). Ein Bericht der Bundesregierung zu Schäden an der Bahninfrastruktur offenbart Probleme bei vielen Brücken – auch in Gießen.
03. September 2014, 21:48 Uhr
Im Stadtzentrum ist die Brücke zwischen Bahnhof- und Lahnstraße über die Wieseck laut Bahn besonders stark angegriffen. (Foto: Schepp)

Ein Investitionsprogramm in Höhe von einer Milliarde Euro zusätzlich pro Jahr forderte Bahnchef Rüdiger Grube gerade vom Bund. Die Begründung: Ein Sanierungsstau von 30 Milliarden Euro in der Infrastruktur des Unternehmens.

Greifbar ist diese Summe eigentlich nicht. Doch die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion der Grünen gibt nun zumindest einen Einblick in die Thematik. Darin wird der Zustand aller Bahnbrücken im Land öffentlich gemacht. Bundesweit hat demnach fast ein Drittel der Bahnbrücken schwere bis irreparable Schäden. Allein in Hessen gibt es 84 Bauwerke, das entspricht etwa vier Prozent der Brücken, deren Zustand die Bahn mit folgendem Vermerk beschreibt: »Eine wirtschaftliche Instandsetzung ist nicht mehr möglich.«

Bauwerke dieser Kategorie gibt es laut Bahn in Gießen und Kleinlinden nicht. Für Pendler aber wohl ebenso wichtig: Entsprechend marode Brücken finden sich auf den Strecken Richtung Frankfurt, Marburg, Alsfeld, Weilburg und Dillenburg. Auch hier gilt laut Bahn: »Die Betriebssicherheit der Brückenbauwerke wird durch regelmäßige Inspektionen sichergestellt. « Doch zumindest mittelfristig bedeutet das eine komplette Erneuerung. Vergleichbar sei das mit der Wartung von Autos: Irgendwann muss man so viel Geld für Reparaturen reinstecken, dass ein Neukauf sinnvoller ist.

In Gießen und Kleinlinden weisen zehn Bauwerke »größere« Schäden auf. Fünf weiteren attestiert die Bahn sogar »umfangreiche« Mängel. Die Instandsetzung sei hier zwar noch möglich, doch müsse ihre Wirtschaftlichkeit zumindest geprüft werden.

Konkret: In Gießen sind sowohl die Brücke zwischen der Bahnhof- und der Lahnstraße über die Wieseck als auch drei Bauwerke zwischen Bahnhof und B 49 am stärksten angegriffen. An den Bahnbrücken über die Rodheimer und die Gabelsberger Straße hat das Unternehmen »größere« Schäden ausgemacht, ebenso an Überquerungen von Ludwigstraße und Altenfelsweg.

In den Daten der Bahn, die nun über die Bundesregierung veröffentlicht wurden, gibt es demnach in Gießen und Kleinlinden lediglich eine einzige Bahnbrücke, ebenfalls an der Vogelsbergbahn, die unter folgende Kategorie fällt: »Lediglich punktuelle Schäden am Bauwerksteil.« Alle weiteren Einstufungen fallen schlimmer aus. Über die Gründe für den Zustand der Infrastruktur heißt es bei der Bahn: »Die Zustandskategorie korreliert meist mit dem Alter und der Beanspruchung des Bauwerks.« Rund 9000 der insgesamt 25 000 Brücken im Land sind laut Angaben des Unternehmens über 100 Jahre alt.

Bereits geplante Bau- und Sanierungsmaßnahmen an den Bahnbrücken sind der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen nicht zu entnehmen.

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