Stadt Gießen

So wenige Skater waren’s noch nie

01. September 2014, 19:08 Uhr
Seit 2001 können Inline-Skater im Sommer jeden Dienstag durch die Innenstadt rollen. In diesem Jahr wurden im Schnitt 195 Teilnehmer gezählt. (Archivfoto: Schepp)

Für das Tief gebe es mehrere Gründe, meint Alexander Becker, der das »TNS« gemeinsam mit René Kuhring ehrenamtlich organisiert. Beide blickten hoffnungsvoll ins nächste Jahr, in dem sie ihr Konzept voraussichtlich wieder etwas familienfreundlicher gestalten wollten.

In den letzten Jahren sei der Trend zu schnelleren Fahrten mit Steigungen und Abfahrten gegangen. Das habe manche offenbar abgeschreckt, so die Einschätzung der Organisatoren. »Wer teilnimmt, soll sicher skaten und bremsen können, muss aber kein Megasportler sein.« Tempoorientierte Skater könnten sich beispielsweise in Frankfurt austoben.

Längst vorbei sind die Zeiten, als allwöchentlich eine Schlange über den Anlagenring zog, die kaum noch eine Lücke für die Autofahrer ließ. Bis zu 3000 Skater wurden in den Anfangsjahren gezählt, vom Kind bis zum Senior. Heute sei das Gros zwischen 25 und 40 Jahre alt, schätzt Becker. »Die meisten sind wahrscheinlich mit dem Skaten aufgewachsen.« Kaum jemand komme noch aufs Skaten, weil es »cool« ist: Der große Trend sei bundesweit perdu. »Wer heute damit anfängt, hat oft eine Alternative zum Joggen gesucht, die weniger auf die Gelenke geht.«

Dennoch gebe es einen »harten Kern« von 60 bis 70 Menschen, die bei fast jedem Wetter kommen, so Becker. An schönen Sommerabenden nutzten auch viele weitere die Gelegenheit, ihren Sport auf breiten asphaltierten Fahrbahnen auszuüben. Die begleitenden Polizeibeamten auf Motorrädern und Skates sperren die Straßen ab. Zwischen 100 und 320 Teilnehmer kamen in diesem Sommer zum »TNS«. Bei zwölf Terminen summierte sich das auf 2340. Fünf weitere geplante Läufe fielen aus – vier wegen schlechten Wetters, einer am schönen Abend des Fußball-Weltmeisterschafts-Halbfinales zwischen Deutschland und Brasilien. Die Polizei brauchte alle Leute für die Absicherung der Open-Air-Arena und der Siegesfeiern.

In den Jahren 2011 und 2012 waren es jeweils über 2900 Teilnehmer, im schönen Sommer 2013 sogar über 3300, im Durchschnitt knapp 240. Selbst mit dieser Zahl ist die Gießener mit Abstand die kleinste der 20 regelmäßigen Skatenächte, die das Internet-Lexikon Wikipedia in einer Tabelle aufführt. Freilich ist für Fulda und die Lausitz gar keine Zahl genannt. Und die anderen Städte, die dieses Angebot für Freizeitsportler bis heute aufrecht erhalten, sind deutlich größer – einsam an der Spitze steht München mit durchschnittlich mehr als 6000 Skatern.

Gießen allein unter Großstädten

Dass Gießen überhaupt noch in dieser Liste auftaucht, sei der rein ehrenamtlichen Organisation – »wir machen das aus Spaß an der Sache« – und dem Sponsor Intersport Begro zu verdanken, unterstreicht Becker. Der trägt die Kosten für Polizei, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk, deren Begleitung das städtische Ordnungsamt als Genehmigungsbehörde vorschreibt.

Lohnt sich ihr Einsatz überhaupt noch bei einem derart überschaubaren Tross? Sie sähen derzeit keinen Grund zum Abspringen, sagen Vertreter aller dreier Organisationen auf GAZ-Anfrage. »In unseren Augen sind es immer noch genügend Teilnehmer«, meint Jörg Pfeifer, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes im Polizeipräsidium Mittelhessen. Der THW-Ortsbeauftragte Jens Schober sieht den Dienstaglauf »als Möglichkeit zur Öffentlichkeitsarbeit«. Die zwei bis drei benötigten Helfer pro Termin für das Schlussfahrzeug seien nicht schwer zu finden.

Von Seiten des DRK waren in dieser Saison jeweils fünf Einsatzkräfte dabei. Ob es im kommenden Jahr etwas weniger sein sollen, werde man mit den anderen Beteiligten besprechen, so Vorstand Christian Betz. So klein sei das TNS aus seiner Sicht gar nicht. »Es gibt Veranstaltungen mit 20, 30 Teilnehmern, zu denen wir zwei oder drei Wagen und einen Notarzt schicken.« Die mit den Behörden vereinbarte Größenordnung richte sich nach den jeweiligen Unfallrisiken.

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