Stadt Gießen

»Leute, das ist Integration!«: Afrikanische Nacht im Rathaus

24. August 2014, 19:08 Uhr
Musik und Tänze aus dem Senegal prägten die »Afrikanische Nacht« im Konzertsaal des Rathauses. (Foto: ik)

Da war er nun doch noch, der Sommer: Mitten in der Stadt machte er sich breit, und das einen ganzen Samstagabend lang. Heiße Rhythmen und eine intensive Verbundenheit mit dem Schwarzen Kontinent und seiner Kultur prägten die »Afrikanische Nacht«, die in ihrer zweiten Auflage für einen enormen Publikumsandrang sorgte. Der Konzertsaal des Rathauses platzte förmlich aus allen Nähten; zusätzliche Stühle mussten herbeigeschafft werden und zu fortgeschrittener Stunde standen die Besucher bis im Foyer.

Fallou Sy, musikalischer Tausendsassa aus dem Senegal mit Wahl-Heimat in Gießen (die »Gießener Allgemeine« berichtete) hat mit seinem Konzept eines völkerverbindenden Kulturaustauschs einen Volltreffer gelandet und freute sich selbst unbändig darüber: »Leute, ich bin richtig begeistert! Es ist so schön, dass ich meine Kultur an euch weitergeben kann.« Die explosive Mischung aus Trommelzauber, Afro-Pop und Tanz riss alle mit – das war weder eine Frage der Nationalität noch des Alters. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz sparte in ihrer Begrüßung denn auch nicht mit Lob und versicherte Fallou Sy: »Sie und Ihre Musiker sind eine Bereicherung für diese Stadt. Sie gehören hierher.« Auch eine dritte »Afrikanische Nacht«, die nach Vorstellungen von Fallou Sy sogar in einem Gießener Afrika-Festival gipfeln könnte, werde die Stadt unterstützen.

Interaktion war am Samstag das Gebot der Stunde. In einer beschleunigten Aufwärmphase, von Sy in der ihm so eigenen humorvollen Art moderiert, war das Publikum kaum zu bremsen. Die im Konzertsaal verteilten 50 Trommeln und 100 eiförmigen Rasseln (Shaker) waren rasch in Besitz genommen und entfalteten ihren vollen Sound – in Windeseile freundeten sich Jung und Alt mit den von Sy vorgebenen Rhythmen an und entlockten den Instrumenten ihren vollen Sound. Die Quittung vom Chef kam prompt und augenzwinkernd: »Leute, klasse. Das ist Integration!«

Immer wieder brandete tosender Beifall auf – typisch für diesen bemerkenswerten Abend, an dem zunächst Moulaye Seck die Fäden zog. Der charismatische Trommler, Tänzer und Choreograf stimmte die Zuhörer gemeinsam mit seinen Trommelschülern auf den Abend ein, um dann den Konzertsaal mit seiner Band La Lumière (Das Licht) innerhalb weniger Minuten in einen Hexenkessel zu verwandeln. Zwei unglaublich wendige Tänzerinnen und ein Tänzer, die mit ihrer ausgezeichneten Performance fast schon eine Kampfsportart demonstrierten, ernteten immer wieder frenetischen Applaus.

+++ Weitere Fotos von der »Afrikanischen Nacht« in der Bildergalerie

Ein Heimspiel war der Abend erwartungsgemäß für Afro-Kunda: Die Band, im Vorjahr erst von Fallou Sy und dem Bassisten und Produzenten Peter Herrmann (Lollar) gegründet, ist längst eine feste Größe in der Abteilung »Weltmusik aus Oberhessen«. Die überwiegend akustische Musik ist – wie berichtet – ein ungewöhnlicher Mix aus afrikanischer Tradition und europäischem Einfluss. Musik, die berührt und zum Mitsingen verleitet – auch wenn kaum jemand versteht, was er da in der Stammessprache Wolof singt (abermals intensiv zu erleben am 11. September im Kino »Traumstern« in Lich).

Dritte im musikalischen Bunde war am Samstag Domou Afrika (»Die Kinder Afrikas«), ebenfalls unter Mitwirkung von Fallou Sy. Mit Trommeln und Marimbafon versetzte das Quartett sich selbst und das Publikum in heftige Schwingungen – furioser Auftakt zu einem feurigen Finale. Zu erwähnen ist Loula Matumba und ihre exzellente Moderation. Die von Fallou Sys charmanten Verwandten vorbereiteten lukullischen Spezialitäten aus Westafrika mundeten vorzüglich; kleiner Wermutstropfen war allerdings, dass Speisen und Getränke nur außerhalb des Konzertsaales verzehrt werden durften.

Gabi Krämer

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