Stadt Gießen

Fall Muhammet: Klinikum will Verlegung

14. August 2014, 21:08 Uhr

Ärzte und Pfleger seien von Unterstützern bedrängt und bedroht worden. Der Gießener Anwalt der Familie, Kai Wiegand, erneuerte indes Vorwürfe gegen das Klinikum. Es gebe Patientenakten zu zögerlich heraus, sagte er der »Süddeutschen Zeitung«.

»Wir hatten uns für Muhammet Eren eine andere Lösung erhofft, müssen aber jetzt akzeptieren, dass die zwischenzeitliche Entwicklung in diesem Fall und die Gesetzeslage keine andere Entscheidung zulassen. Das UKGM kann, darf und wird den Jungen nicht auf die Warteliste zur Herztransplantation setzen lassen«, erklärt der Ärztliche Geschäftsführer des UKGM, Prof. Werner Seeger. Die Eltern und ihr Umfeld wollten dies nicht akzeptieren. Alternative Lösungsvorschläge des Ärzteteams in der schwierigen Situation lehne die Familie ab. »Eine tragfähige Grundlage für die weitere Behandlung des kleinen Muhammet Eren besteht somit nicht.«

Mit massenhaft Telefonaten und E-Mails, aber auch direkt »verbal und körperlich« versuchten Muhammets Unterstützer, das Klinikpersonal unter Druck zu setzen. Ohne ihr Einverständnis seien Beschäftigte fotografiert oder gefilmt und daraufhin bedroht worden. Für die Mitarbeiter des Kinderherzzentrums sei es seit Mitte Juli immer schwieriger, ihre Arbeit auf Station ordnungsgemäß zu erledigen. Das UKGM habe sich gezwungen gesehen, das Besuchsrecht auf die Eltern zu reduzieren. Es habe sich an die Polizei gewandt und erwäge Strafanzeigen.

»Wir bedauern diese Entwicklung sehr, die nicht von uns zu verantworten ist. Unser Ziel ist und bleibt, diesen für die Eltern und uns emotional so bedrückenden Fall des jungen Muhammet Eren jeden Tag aufs Neue mit großer Ruhe, Empathie und medizinisch-pflegerischer Professionalität anzugehen. Aber: Das UKGM hat auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den anderen schwer kranken Kindern, deren Angehörigen, unserem medizinischen und pflegerischen Personal, die sich mit ganzem Einsatz um Muhammet Eren kümmern. Für uns heißt das nun, das Kind in ein anderes Transplantationszentrum oder nach Istanbul zurück zu verlegen«, sagte Seeger.

Alle großen Transplantationszentren in Deutschland sowie jene in Wien und Rotterdam hätten jedoch bereits abgelehnt, Muhammet Eren aufzunehmen. Das entsendende Krankenhaus in Istanbul sei bereit, die Kunstherzbehandlung fortzusetzen.

Laut Rechtsanwalt Wiegand haben sich Kliniken in der Schweiz und den Niederlanden bereit erklärt, den Fall zu prüfen. Die dafür nötigen Unterlagen, etwa Protokolle der Transplantationskonferenzen, habe das Klinikum aber nicht sofort zur Verfügung gestellt. Das sei ein »klarer Verstoß gegen die Patientenrechte«.

Wie berichtet, leidet Muhammet Eren D. seit der frühen Säuglingszeit infolge einer Herzmuskelerkrankung an einer fortschreitenden Herzschwäche. Auf Wunsch der Eltern kam er im März zur Herztransplantation nach Gießen. Kurz vor dem Transport kam es allerdings in Istanbul zu einem Kreislaufstillstand und einer Hirnschädigung. Diese schließe eine Transplantation aus, meinen die Gießener und auch mehrere von außen hinzugezogene Ärzte.

Laut den Eltern hat sich Muhammet – derzeit an ein Kunstherz angeschlossen – allerdings in den letzten Wochen deutlich besser entwickelt, als es die Mediziner erwartet hätten. Die »Süddeutsche Zeitung« berichtet, die Grünen im Bundestag sähen in dem Fall einen Anlass, die Transplantationsrichtlinien zu überprüfen.

Drama um Spenderherz für kleinen Muhammet Fall Muhammet: Klinikum äußert sich zu Kosten Kein deutsches Zentrum will Muhammet aufnehmen

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