Stadt Gießen

Empörung über Lokalverbot für Flüchtlinge

15. Juli 2014, 21:48 Uhr

Seit dem vergangenen Donnerstag, als die Gießener Allgemeine Zeitung darüber berichtete, hat die Redaktion etliche Stellungnahmen und Anfragen dazu erhalten, von Bürgern ebenso wie von überregionalen Medien. Auch im Internet wird darüber heftig diskutiert. Dort gehört der Text schon jetzt zu den meistgelesenen GAZ-Artikeln des gesamten Jahres.

Nur wenige Leser zeigten Verständnis für die Entscheidung der Wirtin, ein Lokalverbot für bestimmte Nationalitäten zu verhängen – bei dem die Flüchtlinge zusätzlich sogar noch nach ihrer Sprache sortiert werden. Denn der Zutritt wird nur Nordafrikanern aus den beiden genannten Staaten verwehrt, die kein Deutsch sprechen und sich in ihrer Heimatsprache oder auf Französisch unterhalten. Das sei »blanker Rassismus«, hieß es oft. Gleichzeitig verweist eine kleine Minderheit darauf, dass das Verbot ja wohl Wirkung gezeigt habe. Denn offenbar gebe es jetzt in der Kneipe keine Diebstähle und keinen Drogenhandel mehr. Damit waren Algerier und Marokkaner angeblich aufgefallen.

»Mit Entsetzen« reagierte nun auch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz auf das ausgesprochene Lokalverbot für Flüchtlinge. In einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme spricht sie von einem »ungeheuerlichen Vorgang«. Dafür gebe es in einer weltoffenen Stadt wie Gießen keinen Platz. Die beiden Zeugen, die den Hinauswurf von drei Nordafrikanern aus dem Lokal mitbekommen hatten, forderte sie auf, Strafanzeige zu erstatten. Darüber hinaus appellierte Grabe-Bolz an die Betreiberin der Gaststätte, sich zu »outen«. »Dann hätten alle Besucher die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob sie eine Lokalität besuchen wollen, die Gäste diskriminiert«.

Den Namen der Wirtin wollten auch viele andere Menschen wissen, meist mit der Begründung, dass sie die Gaststätte dann boykottieren könnten. Die GAZ hat bislang auf die Namensnennung bewusst verzichtet – unter anderem deshalb, weil sie bisher keine direkte Stellungnahme von der Wirtin hatte, sondern »nur« vor einem Kneipenmitarbeiter, der die Fakten allerdings bestätigte. Nachdem die Wirtin zunächst trotz mehrerer Versuche – persönlich in der Gaststätte und per Telefon bei ihr zu Hause – nicht zu erreichen war, meldete sie sich am Freitag in der Redaktion und bot von sich aus ein Gespräch an. Das hätte am Montagabend stattfinden sollten. Am Montagnachmittag sagte die Gießenerin das Treffen dann jedoch ab bzw. bat um eine Verschiebung auf kommende Woche.

Die Wirtin hat übrigens weitere Maßnahmen angeordnet, um unerwünschte Gäste draußen zu halten. Laut einem Hinweisschild an der Eingangstür gehören dazu eine Videoüberwachung, aber auch Taschenkontrollen, zu denen das Personal jederzeit berechtigt ist. Gründe dafür müssen die Mitarbeiter nicht nennen. Besucher, die mit den Durchsuchungen nicht einverstanden sind, haben in der Gaststätte grundsätzlich keinen Zutritt.

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