Lokalverbot nur für Nordafrikaner in Gießener Kneipe

10. Juli 2014, 17:18 Uhr

Die drei jungen Männer wollten ein Bier trinken, in einem Lokal in der Innenstadt. Sie saßen schon, als die Bedienung zu ihnen kam. Doch statt die Bestellung aufzunehmen, sprach sie die Thekenkraft – ein Mann – auf ihre Sprachkenntnisse an. Ob sie Deutsch reden könnten. Als sie das verneinten, wies er sie an, die Gaststätte zu verlassen.

Dieser Vorfall hat sich vor wenigen Tagen ereignet. Die Fakten sind unstreitig. Der Helfer am Tresen hat das auf Nachfrage dieser Zeitung eingeräumt.

Ein weiterer Gast hatte den Vorgang mitbekommen und die Redaktion informiert. Er war empört. Noch in der Kneipe wollte er von dem Mann wissen, warum er das Trio aus dem Lokal verwiesen habe. Die Gaststätte habe »mit Flüchtlingen keine guten Erfahrungen gemacht. Die beklauen unsere Gäste und verkaufen Drogen auf der Toilette.« Das soll die Bedienung nach Angaben des Zeugen gesagt haben, der mit seiner Freundin unterwegs war. Beide seien »geschockt« gewesen, gab er schriftlich zu Protokoll.

Einer der ausländischen Gäste habe sogar einen 20-Euro-Schein auf den Tisch gelegt und das bestellte Bier im Voraus bezahlen wollen. Auch dies habe nichts genutzt. Die drei hätten dann noch mit dem Kellner diskutiert und schließlich »frustriert« das Lokal verlassen.

Nach Angaben des Gastes, der sich an die Zeitung wandte, soll der Mann an der Theke auf eine Anweisung seiner Chefin hingewiesen haben. Die habe bestimmt, Flüchtlinge nicht in das Lokal zu lassen.

»Stimmt«, sagte die Aushilfskraft und präzisierte das im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Das Lokalverbot gelte jedoch nicht pauschal für alle Flüchtlinge. Sondern ausschließlich für »Nordafrikaner«. Genauer gesagt: »Für Algerier und Marokkaner«. Noch genauer: »Für Algerier und Marokkaner, die kein Deutsch sprechen können«.

Woran erkennt man, dass es sich um genau diese beiden Nationalitäten handelt? Lässt sich der Wirt die Pässe zeigen? Nein. Es reicht das Aussehen, in Verbindung mit der Sprache. Anders als bei vielen anderen Fremden unterhielten sich Menschen aus dieser Region auf Französisch. Woher wissen die Lokalbetreiber, dass es sich bei den verdächtigen Gästen nicht beispielsweise um Studenten handelt? Die hätten »ein anderes Auftreten«, sagte der Kneipenmitarbeiter.

Tatsächlich habe die Gaststätte früher »sehr schlechte Erfahrungen mit kriminellen Gästen« gemacht. Auffallend häufig habe es sich bei den Tätern um junge Nordafrikaner aus den beiden genannten Staaten gehandelt. Sie seien mit Drogenhandel und vor allem durch Diebstahl aufgefallen. Seit das Lokalverbot für sie in Kraft sei – ungefähr seit zwei Jahren – habe es keine solchen Vorfälle mehr gegeben.

Man könne das Lokalverbot auch »kritisch sehen«, räumte der Mann ein. Es treffe »ganz bestimmt manchmal die Falschen«. »Die haben dann Pech gehabt«, sagte er.

Die Redaktion hätte gerne erfahren, wie die Wirtin den Vorfall und ihre Anordnung sieht. Doch die Frau war trotz mehrerer Versuche nicht zu erreichen.

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