App zeigt Alterung der Haut durch Rauchen

04. Juli 2014, 12:23 Uhr
Titus Brinker hat eine App entwicklelt, die die Alterung der Haut nach 15 Jahren Tabakkonsum zeigt. (Foto: Schepp)

Dass Rauchen schädlich ist, steht für das absolute Gros der Deutschen außer Frage. Dennoch fangen pro Jahr viele Kinder und Jugendliche damit an. Von den 70 Prozent, die später wieder aufhören wollen, schaffen es ohne Hilfe gerade einmal drei bis fünf Prozent. Was kann Schülerinnen und Schüler der sechsten bis achten Klassen, also der besonders gefährdeten Altersgruppen, davon abhalten, zum Glimmstängel zu greifen. Die Gefahr von schweren Krankheiten, im schlimmsten Fall ein Bronchialkarzinom, ein im Vergleich zu Nichtrauchern kürzeres Leben, eine stetige Ebbe im Portemonnaie, ein eventueller sportlicher Leistungsabfall – all diese Gründe sind den Mädchen und Jungen bekannt, aber im Kopf noch so weit weg.

Also wählte Titus Brinker einen anderen Ansatz. Er wollte den Nachwuchs bei seiner Eitelkeit packen – und kreierte eine App, die die Entwicklung der Haut im Verlauf von 15 Jahren Tabakkonsum zeigt. Und er hatte damit einen beachtlichen Erfolg. »Das Interesse an dermatologischen Problemen stieg immens. Und die Reaktion war eigentlich immer die gleiche: ›So möchte ich nicht aussehen»«, hätten vor allem die Mädchen erklärt, berichtete Brinker am Dienstag bei einem Pressetermin.

Denn was viele der Schüler bislang offensichtlich noch nicht wussten: Die Haut eines Rauchers sieht oft ungesund aus, da sie durch die Giftstoffe im Zigarettenrauch ihre Elastizität verliert. Zudem stellen sich früher Falten ein, die Bildung von Pickeln wird gefördert, und die Augen wirken kleiner, was das Gesicht müder wirken lässt. Noch kann die App nur online getestet werden (unter www.gegentabak.de/app ), ab Oktober soll sie laut Brinker auch für mobile Endgeräte verfügbar sein.

Sie ist ein weiterer Baustein jenes Präventionsprogramms, mit dem der von dem Gießener Medizinstudenten gegründete Verein »Aufklärung gegen Tabak« (AGT) seit rund zweieinhalb Jahren an Schulen auf die Gefahren des Tabakkonsums aufmerksam macht. An der Gießener Uni ins Leben gerufen, haben sich AGT-Gruppen mit insgesamt rund 500 Medizinstudierenden mittlerweile an 23 Universitäten in Deutschland zusammengetan. Darüber hinaus gibt es diese Einrichtungen auch schon in Österreich und der Schweiz. Die Initiative des Studenten, der im achten Fachsemester und im vierten klinischen Semester ist, ist offensichtlich auf fruchtbaren Boden gefallen.

Das sahen gestern auch Prof. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer des Universitätsklinikums Gießen und Marburg, und Prof. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin an der JLU, so. Beide lobten die Aktivitäten des Vereins, die die Schüler von Anfang an vom Rauchen abhalten sollen. Die Bedeutung der präventiven Arbeit an Schulen werde daran ersichtlich, dass sie als Wahlfach in die Ausbildung der Ärzte an der JLU übernommen werden soll. Die Entwicklung der App sei eine »pfiffige Idee«, da sie die jungen Leuten bei ihrer Eitelkeit packe und damit vor allem bei Mädchen erfolgversprechend sei.

Das Wirken Brinkers und seines Verein ist auch in Berlin nicht verborgen geblieben. Unlängst wurde er von Kanzlerin Angela Merkel im Rahmen des Wettbewerbs »startsocial« als Bundespreisträger »Aufklärung gegen Tabak« ausgezeichnet. Der mit 5000 Euro dotierte Preis sei zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein im Vergleich zu den Summen, die die Tabakindustrie in ihre Werbung investiere. »Wir wollen aber alles in unserer Macht Liegende tun, um junge Menschen davon abzuhalten, mit dem Rauchen anzufangen«, so Brinker.

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