Per Touchscreen zum Kita-Platz

Gießen (mö). Die Suche nach einem Kinderbetreuungsplatz soll in Gießen künftig für die Eltern keine stressige Angelegenheit mit endlosen Telefonaten und Klinkenputzen in den Kindertagesstätten mehr sein. Ab September wird im Internet auf der Grundlage der Software »Little Bird« ein zentrales Anmelderegister zur Verfügung stehen.
03. Juli 2014, 22:28 Uhr
Mit dem Tablet auf Kitaplatzsuche: Ab September soll es in Gießen ein zentrales Register für die Anmeldung von Betreuungsplätzen geben. (Foto: mö)

Wie das Jugendamt am Mittwochabend im Sozialausschuss mitteilte, werden sich alle freien Träger, die in Gießen Kinderbetreuungseinrichtungen betreiben, an dem Register beteiligen. Jugendhilfeplanerin Christine Bräutigam erläuterte, dass Eltern mit der trägerübergreifenden Vergabelösung Betreuungsplätze online suchen und für ihr Kind bei den Wunscheinrichtungen einen Platz vormerken können. Die Kita-Leitungen erhalten die Anmeldung online, erkennen frei werdende Kapazitäten mithilfe des »kleinen Vogels« und können den Eltern frühzeitig eine Zusage erteilen. Die Mitarbeiter im Jugendamt wiederum können Angebot und Nachfrage abgleichen und daraus den tatsächlichen Bedarf ermitteln. Bräutigam erläuterte das System anhand des Beispiels der Stadt Bad Homburg, die bereits mit »Little Bird« arbeitet. Für Gießen ist das Register noch nicht freigeschaltet. Die Tagesmütter sollen über den Verein Eltern helfen Eltern in das System eingebunden werden.

Wie die stellvertretende Jugendamtsleiterin Gabi Keiner sagte, habe die Anschaffung von »Little Bird« und die Schulung von 100 Personen 70 000 Euro gekostet. Die Betriebskosten bewegten sich jährlich im vierstelligen Bereich. Das Jugendamt verspricht sich von der Einführung des Registers eine Reduzierung der Betreuungsplanung, wodurch »wertvolle Zeit für die pädagogische Arbeit« gewonnen werden könnte. Speziell die Leiterinnen der Kitas verbänden mit der Einführung des Zentralregisters die Hoffnung auf eine Entlastung von Verwaltungstätigkeiten. Bürgermeisterin und Jugenddezernentin Gerda Weigel-Greilich betonte, dass »Little Bird« ein zusätzlicher Service für die Eltern sei. Wer sich mit dieser Form der Platzsuche und Anmeldung schwertue, könne auch weiterhin das persönliche Gespräch mit der Kita vor Ort führen.

Budgetierung bestätigt

Auf einen gemeinsamen Antrag verständigten sich die Koalitionsfraktionen SPD und Grüne sowie die CDU im Zusammenhang mit der künftigen Finanzierung der freien Träger der Jugendhilfe. Durch die Deckelung der Kosten in diesem Bereich, wozu sich die Stadt im Schutzschirmvertrag mit dem Land Hessen verpflichten musste, fehlen laut Jugendhilfeausschuss (JHA) 130 000 Euro. Dem Antrag des JHA, die Budgetierung aufzuheben und Kostensteigerungen sowie neue gesetzliche Aufgaben durch eine Aufstockung von Haushaltsmitteln auszugleichen, lehnte der Ausschuss auf Empfehlung des Magistrats ab. Koalition und CDU übernahmen den Alternativvorschlag des JHA, wonach die 130 000 Euro in den Haushaltsjahren 2015 und 2016 durch »Kompensation« in den Bereichen Jugendberufshilfe, Suchthilfe und Familienbildung erwirtschaftet werden sollen.

Einen Antrag des Stadtverordneten Michael Janitzki (Linkes Bündnis/Bürgerliste) zur Förderung des Wohnungsbaus für sozialschwache Mieter wie Hartz-IV-Bezieher ersetzte die Koalition durch einen eigenen Antrag mit Resolutionscharakter. Darin wird die Ankündigung des Magistrats begrüßt, ein Wohnraumversorgungskonzept unter besonderer Berücksichtigung sozialschwacher Bevölkerungsgruppen vorzulegen.

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