Jochen König über Vaterglück und Zweifel an sich selbst

Jochen Königs im Herder Verlag erschienenes Buch »Fritzi und ich«, aus dem er in den Räumlichkeiten von Pro Familia vorlas, handelt im Besonderen von männlichen und weiblichen Rollenverständnissen.
26. Mai 2014, 13:18 Uhr
Jochen König (links) verspürt fortwährend Zweifel an seinen »Fähigkeiten, eine gute Mutter zu sein«. (Foto: srs)

Die Knie schlottern, als Jochen König seine frisch geborene Tochter Fritzi in einem Berliner Krankenhaus zum ersten Mal in den Armen hält. Erst nach drei Versuchen ist es ihm gerade mit zittrigen Händen gelungen, die Nabelschnur zu durchschneiden. »Ich spüre plötzlich eine riesige Verantwortung«, wird dem 27-Jährigen bewusst. Denn während Fritzis Mutter lieber ihrem Beruf nachgehen will und vom Vater getrennt lebt, wird Jochen König das Mädchen weitgehend allein aufziehen. Von seinen Erfahrungen, von Momenten der Überforderung und des Glücks mit der heute fünfjährigen Tochter erzählt der gebürtige Gießener nun in einem Buch: »Fritzi und ich«.

Es ist Winter, draußen schneit es. Und Fritzi schreit. Unaufhörlich. »Ich bin überfordert. Ich weiß nicht mehr, was ich noch mit ihr machen soll«, hält König fest. »Wir sitzen nebeneinander auf dem Fußboden. Und uns laufen die Tränen über unsere Wangen.« Eindringlich erzählt der in Berlin lebende Sozialpädagoge in seinem Buch von seinem bisweilen zähen Alltag des Vaterseins, der nur aus Wickeln, Füttern und Spazierengehen zu bestehen scheint. Gleichzeitig, so betont er, verspüre er fortwährend Zweifel an seinen »Fähigkeiten, eine gute Mutter zu sein« – wenngleich ihn Fritzi noch heute »Mama« nennt.

Und so handelt seine im Herder Verlag erschienene Veröffentlichung, aus der er am Freitag vor 15 Zuhörern in den Räumlichkeiten von Pro Familia vorlas, im Besonderen von Rollenverständnissen. Nach der Geburt seiner Tochter nahm er eine einjährige Elternzeit und wuchs in eine Rolle hinein, die für gewöhnlich Mütter übernehmen. »Ich habe großen Respekt vor alleinerziehenden Müttern«, erklärte er im Gespräch mit den Zuhörern. Vätern werde leicht verziehen, wenn sie mal eine Aufgabe ablehnen. »Aber Mütter, die sagen, ich wechsle die Windeln nicht, weil ich die Babykacke nicht ausstehen kann: das gibt es nicht.« In aller Regel blieben Kinder im Fall von Trennungen bei den Frauen. Dass diese die so herausfordernde Aufgabe meistern, werde »in unserer Gesellschaft schlicht erwartet.«

Die Bezeichnung »alleinerziehender Vater« lehne er für sich indes ab, erklärt König. Denn an der Erziehung Fritzis beteilige sich auch die Mutter – derzeit alle zwei Wochen für fünf Tage. Zudem zahle sie Unterhalt. Jeder Vater, der sich in diesem Maße beteilige, werde gefeiert, betont der Autor. Doch seine Ex-Freundin werde ungerechterweise als »Rabenmutter« verunglimpft.

König, dessen Mutter für Pro Familia in Gießen tätig ist, schreibt an einem zweiten Buch, das im Herbst 2015 erscheinen soll. Dass sich am herkömmlichen Verständnis der Rolle von Mutter und Vater in naher Zukunft etwas ändert, daran glaubt er derweil nicht. »Es liegt an den Vätern.« Sein Buch werde nahezu ausschließlich von Frauen gelesen und diskutiert. Er kenne »keine Väter, die sich für das Thema interessieren.« srs

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