Sinn für artikulatorische Details

08. April 2014, 19:28 Uhr
Unter anderem standen Ludwig van Beethoven und Luigi Boccherini auf dem Programm. Den starken Beifall dankten die Musiker mit zwei Zugaben.

Schon beim eröffnenden Allegro des Streichquartetts op. 18 Nr. 4 c-Moll von Ludwig van Beethoven gefiel die dynamisch belebte Gestaltung. Rasa Zukauskaite (1. Violine), Dzafer Dzaferi (2. Violine), Axel Lis (Viola) und Valeria Lo Giudice (Cello) spielten leidenschaftlich bewegte Passagen ebenso ausdrucksvoll wie energisch akzentuierte Abschnitte. Da musizierte ein Ensemble mit Sinn für artikulatorische Details, für den rhetorischen Charakter der Komposition.

Die fein dosierte Tonstärke unterstrich beim Scherzo die federnd-leichte Art. Dabei ließ sich das Stimmengefüge kaum transparenter gezeichnet vorstellen. Höchst spannend mutete das Menuett an, so viel tänzerisches Temperament und geistige Spontaneität zeigten die Musiker hier. Reizvoll geriet im Finale der Kontrast zwischen zackigem Elan des Hauptthemas und kantablem Seitengedanken.

In puncto klanglicher Durchhörbarkeit stand Gitarrist Wuttke dem Quartett nicht nach. Mit viel Fantasie zauberte er in den »Cinq Préludes« des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos südländische Atmosphäre in den Saal. Bestechend seine elegante, höchst differenzierte Anschlagstechnik. Da verkamen virtuose Elemente nie zur bloßen Zurschaustellung technischer Fertigkeiten, fügten sich vielmehr in den großen Bogen ein. Die ruhigen Momente luden das Auditorium zum Meditieren ein; beim sanften Ausklang im dritten Stück hätte man eine Stecknadel fallen hören können, ebenso bei den zarten Flageoletttönen in der zuletzt gespielten vierten Nummer.

Der spanische Komponist und Pianist Enrique Granados schrieb seine »Danzas Espanolas« op. 37 eigentlich für Klavier. Daraus war eine ansprechend arrangierte Auswahl für Gitarre und Streichquartett zu erleben. In »Andalusa« stand das Zupfinstrument über weite Strecken im Zentrum, den Streichern kam eine untermalende oder verstärkende Funktion zu. Urige ländliche Assoziationen weckte »Villanesca« in den Rahmenteilen mit folkloristischem Charme, während im elegischen Mittelteil der romantische Kunstcharakter stärker in den Vordergrund rückte. Insgesamt beeindruckte der klanglich ausgewogene Vortrag, der tiefe Schwermut ebenso sensibel einfing, wie heitere Beschwingtheit.

Einen gelungenen Abschluss bildeten »Introduktion und Fandango« aus dem Gitarrenquintett Nr. 4 D-Dur von Luigi Boccherini. Faszinierend, wie die Bewegung in der Einleitung allmählich Fahrt aufnahm, um dann wieder zu verebben. Die Vielfalt an Stimmungsnuancen begeisterte restlos. Für den kräftigen Applaus dankte das Ensemble mit zwei Zugaben. Sascha Jouini

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