Ein Gießener »Juli« zieht blank

Gießen (mö). Eine Aktion der Jungen Liberalen sorgt bundesweit für Aufsehen und Ärger mit Facebook. Ein Po gehört dem Gießener Konrad Greilich.
24. Januar 2014, 19:58 Uhr
Sorgt für Aufsehen: Der Bundesvorstand der Jungen Liberalen spielt »Kommune 1«.

Wenn in dieser Zeitung Fotos von Personengruppen gedruckt werden, steht meistens unter dem Bild, wer wer ist, von links nach rechts. Bei diesem Foto freilich, das seit Tagen im Internet für Aufsehen sorgt, fällt das schwer. Sieben nackte Männer und Frauen posierten mit ihren Rückansichten für den Fotografen und stellten so das berühmte Foto der »Kommune 1« aus dem Jahr 1969 nach.

Bei der Gruppe handelt es sich um Mitglieder des Bundesvorstands der Jungen Liberalen (Julis), die unter dem Motto »APO 2.0« für ihre politischen Anliegen werben. Ein Po gehört zum Gießener Konrad Greilich, der dem Bundesvorstand der FDP-Nachwuchsorganisation als Schatzmeister angehört. Wo er auf dem Foto steht, mag der 23-jährige Bankkaufmann nicht sagen. »Mein Hintern bleibt anonym«, sagte Greilich im Gespräch mit der GAZ.

Wie der Sohn des Gießener Landtags-Vizepräsidenten Wolfgang Greilich erklärte, wollen die Julis mit ihrer Botschaft (»Wer hätte gedacht, dass wir mal die Ideale der 68er verteidigen müssen?«) Werte wie Individualität und Freiheit, für die die 68er eben auch gestanden hätten, in den Vordergrund rücken. Außerdem sei die Aktion ein Kommentar zur »spießigen Parteienlandschaft im Bundestag« und zur Großen Koalition. Auf die Frage, wie sein Vater, der sich politisch oft kritisch mit den 68ern auseinandergesetzt hat, auf die zeitgeschichtliche Anleihe der Julis reagiert, sagt Greilich junior: »Das kann er ab.«

Aufmerksamkeit haben die Julis mit ihrer Aktion jedenfalls genügend erregt. Medien wie Bild und Spiegel berichteten über die außerparlamentarische Opposition »2.0«. Und es gab publicityträchtigen Ärger, denn der US-amerikanische Internetkonzern Facebook reagierte prüde und löschte die freizügige Darstellung. Kommentar Greilich: »Die Löschung führt genau jene Spießbürgerlichkeit vor Augen, gegen die wir angehen.« Mittlerweile haben die Julis das Foto auf ihrer Facebookseite mit einem schwarzen Zensurbalken wieder hochgeladen.

Die Stadtredaktion der GAZ ist sich übrigens sicher, wo Konrad Greilich auf dem Foto steht. Wir haben ihm aber versprochen, es für uns zu behalten...

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