Stadt Gießen

Keine systematische Verfolgung von Christen

19. November 2013, 19:38 Uhr
Otmar Oehring (Foto: Schepp)

Wirtschaftlich sind sie vielerorts überdurchschnittlich erfolgreich – und das gilt bis in die Gegenwart. Diese Thesen vertrat am Montagabend Otmar Oehring, Leiter des Auslandsbüros Jordanien der Konrad-Adenauer-Stiftung, bei einem Vortrag im Mathematikum.

Der promovierte Historiker ist seit vielen Jahren in der Region zu Hause. Seinen über einstündigen Vortrag, zu dem die CDU-nahe Stiftung eingeladen hatte, reicherte er deshalb mit persönlichen Erfahrungen an. Die politischen Turbulenzen im Nahen Osten träfen natürlich auch die Christen. Von einer systematischen Verfolgung – über die manchmal auch in deutschen Medien berichtet werde – könne jedoch keine Rede sein, sagte Oehring.

In seiner Wahlheimat Jordanien habe es bis vor wenigen Jahren noch einige Städte mit fast ausschließlich christlicher Bevölkerung gegeben. Inzwischen lebten dort auch Muslime – aus vielerlei Gründen, unter anderem, weil sich die muslimische Bevölkerung stärker vermehre. Den Christen im Lande gehe es vergleichsweise gut. Sie stellten zwar nur knapp drei Prozent der Bevölkerung, verfügten aber über sechs Prozent der Parlamentssitze – und steuerten ein Drittel zur Wirtschaftskraft des Landes bei. Nichts deute darauf hin, dass sich dies nachhaltig ändern werde.

Oehring ging stichwortartig auch auf Länder wie Ägypten ein, wo sich heute etwa sechs bis zehn Prozent der Bevölkerung zum christlichen Glauben bekennen, und Irak, wo inzwischen nur noch wenige hunderttausend Christen leben. Hier gebe es durchaus widersprüchliche Signale. In ägyptischen Städten beispielsweise existiere nach wie vor eine wohlhabende christliche Mittelschicht, die auch nicht infrage gestellt werde. Sie sei oft mobil und pflege Auslandskontakte. Gleichzeitig finde man in Oberägypten wie gehabt bitterarme christliche Dörfer. Allerdings unterschieden die sich kaum von den muslimischen Nachbarorten. Dass manche Angst vor Verfolgung hätten, deute sich daran an, dass auch christliche Frauen Kopftücher trügen. Insgesamt laufe das Leben dort jedoch wie eh und je.

Die schwierigste Region für Christen im Nahen Osten sei »eindeutig Syrien«, sagte Oehring. Das liege jedoch nicht vorrangig an ihrem Glauben, sondern an der politischen Lage insgesamt. Von den insgesamt 22 Millionen Einwohnern Syriens hätten bislang sechs Millionen – also fast 30 Prozent – flüchten müssen: Entweder innerhalb des Landes oder über die Grenzen hinweg, vor allem in den Libanon, Jordanien oder in die Türkei. Davon seien natürlich auch Christen betroffen, aber eben auch Muslime. Tatsächlich hätten radikal-islamistische Kräfte christliche Kirchen zerstört. Das sei jedoch kein Indiz dafür, dass sich die Opposition im Land als erklärtermaßen antichristlich verstehe.

Bis heute unterstützten – wie schon in der Vergangenheit – viele Christen die Machthaber um Assad. Gleichzeitig suchten sie auch nach Wegen, um sich bei einer weiteren Zuspitzung der Lage ins Ausland absetzen zu können, sagte Oehring. Vor allem die Amtskirche sei nach wie vor eng mit Assad verbunden. Die Kirche sehe Mitglieder, die sich zur Opposition bekennen, oft ausgesprochen kritisch.

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