Fiktion und Wirklichkeit: Heike Nocker-Beyer im Ulenspiegel

25. Oktober 2013, 18:08 Uhr
Weiß sie des Rätsels Lösung: Heike Nocker-Bayer. (Foto: juw)

Den meisten im ausverkauften Ulenspiegel dürfte Heike Nocker-Bayer noch als Lottofee oder Wettermoderatorin des Hessenfernsehens bekannt gewesen sein. Auch mit ihrem geschäftlichen und persönlichen Absturz nach der missglückten Gründung eines TV-Senders in Heuchelheim erzählte Krimifestival-Organisator Uwe Lischper den Anwesenden nichts Neues. Eine Premiere ist hingegen Nocker-Bayers Vorstoß in die Riege der Krimiautoren, wovon sie am Donnerstagabend eine Kostprobe las. Wenig überraschend, dass sie sich mit ihrem ersten Roman nah an ihrem ursprünglichen Metier, dem Journalismus, bewegt. Denn die ambitionierte Autorin setzt dort an, wo die Spuren der Ermittlungsbehörden im Sand verlaufen.

»Die Böses säen und Liebe ernten« ist das, was man eine »True-Crime-Story« nennt: eine Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit. Die Namen der Opfer sind geändert, die Fälle jedoch real. Zum Schreiben angeregt habe sie die berührende Geschichte eines Vaters, der nach dem Mord an seiner jungen Tochter schwer erkrankte, aber nicht sterben wollte, bevor der Mörder gefasst sei. Bei der Recherche sei sie auf eine Serie von insgesamt zehn ungelösten Mordfällen aus den Jahren 1982 bis 1999 gestoßen, die in einem Zusammenhang zu stehen scheinen. Nicht nur, weil die Tatorte und Leichenfundorte im (mittel-)hessischen Raum und jeweils in der Nähe der A5 liegen.

Nocker-Bayer legt in ihrem Buch nahe, dass es sich um satanistische Ritualmorde handeln könnte. Zum einen, weil die Zahl 666 eine auffallende Rolle bei den Morden zu spielen scheint. Und wenn sie ihre Protagonistin Rebecka, Journalistin genau wie die Autorin selbst, die Orte schließlich auf einer Landkarte verbinden lässt, ergibt sich ein Pentagramm: »Das Zeichen des Teufels.« Das, so Nocker-Bayer, könne von jedem Leser nachvollzogen werden.

Rein fiktiv hingegen waren die Szenen, die sie »aus der Welt des Monsters« las, des unbekannten Täters. Schließlich wurden der – oder die – Mörder nie gefasst. Und das, so ereifert sich die Protagonistin im Roman, sei der »schlampigen und dilettantischen Arbeit der Ermittlungsbehörden« zu verdanken. So ist der Roman auch Ergebnis von Nocker-Bayers »persönlicher Mördersuche«, ihrer Gespräche mit Zeugen und Ermittlern und der daraus gefolgerten neuen Ermittlungsansätze.

Auch erotische Szenen verspricht die Autorin, von denen während der Lesung allerdings keine zur Sprache kam. Abgesehen davon, dass es immer dann mächtig knistert, sobald sich in ihrem Buch Männlein und Weiblein über den Weg laufen. Über die literarischen Qualitäten des Erstlings gingen die Meinungen der Anwesenden auseinander, eine ganze Stuhlreihe war nach der Pause gar unbesetzt geblieben. Doch die Fragen nach dem Zusammenhang der grausamen Morde und die Tatsache, dass die Schuldigen, sofern sie noch leben, in 20 Jahren nie zur Rechenschaft gezogen wurden, dürfte so manchen noch eine Weile beschäftigt haben.

Julian Wessel

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