Uniklinikum bleibt bei der Rhön-AG

13. September 2013, 19:48 Uhr

Dort schlug die Meldung vom »europaweit größten privaten Klinikumsbetreiber«, der jetzt entsteht, wie eine Bombe ein und sorgte für riesige Handelsumsätze und Kursausschläge. Auch die heimische Politik und nicht zuletzt die Beschäftigten des Universitätsklinikums in Gießen und Marburg, das mehrheitlich zum Rhön-Konzern gehört, fragten sich: »Was heißt das für das UKGM?« Das Großkrankenhaus werde Basis der »neuen Rhön«, hatte das Rhön-Klinikum kurz nach Mitternacht in einer Börsenpflichtmitteilung bekanntgegeben.

Ein inhaltlich nahezu identisches Schreiben ging dann wenig später an die deutschlandweit 43 000 Mitarbeiter des Rhön-Konzerns. Auch die 9700 Uniklinikums-Bediensteten fanden die Nachricht morgens in ihrem elektronischen Postfach.

Fakt ist zunächst: Das Uniklinikum wird nicht verkauft, sondern bleibt bei der Rhön AG – gemeinsam mit neun Krankenhäusern, die am Firmensitz in Bad Neustadt sowie in Bad Berka (Thüringen) und Frankfurt/Oder (Brandenburg) stehen. »Spitzenmedizinische Vollversorgung in einem wissenschaftlich-universitären Umfeld« wolle Rhön künftig bieten. »Das ist ein gutes Signal für uns«, so der Kommentar des UKGM-Geschäftsführungsvorsitzenden Martin Menger. Gießen/Marburg werde mit den übrigen Standorten eng verzahnt und dann »führend werden in der Ausbildung sowie der Fort- und Weiterbildung unserer Ärzte«.

Profitieren soll das Haus auch von der Vereinbarung, dass Rhön und Fresenius eine enge Zusammenarbeit vereinbart haben. Dazu wird ein medizinisches Netzwerk gebildet, in das beide Unternehmen in den nächsten fünf Jahren 40 Millionen Euro einbringen wollen. Menger erwartet, dass das Klinikum nun mit weiteren Investitionen rechnen kann. Einzelheiten müssten in den kommenden Monaten geklärt werden, sagte Sprecher Frank Steibli der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Die hessische Landesregierung begrüßte die Neuausrichtung des Rhön-Konzerns. Für das Land – das 95 Prozent der UKGM-Anteile hält – ändere sich erst einmal nichts. Er stärke aber die Möglichkeiten für Investitionen, sagte Ulrich Adolphs für das Wissenschaftsministerium auf GAZ-Anfrage. Das Land befinde sich »in konstruktiven Gesprächen mit Rhön und UKGM und erwartet, dass dies so bleibt«. Der Gießener Universitätspräsident Joybrato Mukherjee wollte den Vorgang auf Nachfrage nicht kommentieren.

Betriebsrat zurückhaltend

Der Gießener Klinikums-Betriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur äußerte sich zurückhaltend. Er bedauere, dass die Arbeitnehmerseite nicht an den Verkaufsgesprächen beteiligt gewesen sei, sagte er dieser Zeitung. Die neue Lage müsse in den kommenden Tagen gründlich analysiert werden. Das Thema werde sicherlich in der nächsten Woche eine große Rolle bei der Sitzung des Konzernbetriebsrats spielen. Dort werde sich der Rhön-Vorstandsvorsitzende Martin Siebert einige kritische Fragen anhören müssen, meinte Hanschur.

Nach Rhön-Angaben werden sowohl die Mitarbeiter der verkauften Kliniken als auch derjenigen Häuser, die beim Konzern verbleiben, »am gleichen Standort zu den bisherigen Bedingungen weiterarbeiten«. Das soll auch für die Rhön-Tochtergesellschaften gelten, die von Fresenius/Helios übernommen wurden. Am UKGM sind das die Uniklinikum Service GmbH sowie die RK Reinigungsgesellschaft, die zusammen mehr als 200 Mitarbeiter im verschiedenen Servicebereichen (Transport, Garten, Pforte, Sicherheit, Reinigung) beschäftigt. Für sie will Rhön neue eigene Servicegesellschaften gründen.

Das Uniklinikum Gießen und Marburg erwirtschaftet im neuen Rhön-Verbund rund die Hälfte des Konzernumsatzes – 500 Millionen von einer Milliarde Euro. Seine Renditeziele wird das Unternehmen dadurch kräftig zurückschrauben müssen. Denn das Flaggschiff dürfte in diesem Jahr bestenfalls eine »schwarze Null« schreiben. Damit rückt die von Rhön bisher angestrebte Zielrendite – 14 Prozent – in weite Ferne.

Überraschungscoup: Fresenius übernimmt Kliniken von Rhön

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