Stadt Gießen

Eric Baier versucht sein Glück als Sänger

04. September 2013, 16:28 Uhr
Eric Baier (Mitte) mit Keyboarder Marco Konrad (links) und seinem Mentor Andreas Münnich. (Foto: bf)

»Du bist doch der junge Mann, der bei den Theatertagen so toll gesungen hat!« Noch bevor wir uns in dem Café in der Gießener Innenstadt setzen und über seine musikalische Karriere plaudern können, wird Eric Baier von zwei Passanten erkannt und angesprochen. Ein offensichtlich gutes Zeichen für den 22-jährigen gebürtigen Frankfurter, der von sich sagt: »Vieles, was ich mache, ist Intuition.«

Aus einem Impuls heraus hatte er sich auch 2011 bei einem Casting beworben, als die Willy-Brandt-Schule Musiker zur Gestaltung ihrer traditionellen Modenschau suchte. Erst musste ein Freund ihn überzeugen, dann überzeugte er die Jury – und stand schließlich zusammen mit Keyboard-Europameister Marc Konrad auf der Bühne, passenderweise mit dem Titel »Music was my first love«. Ein Schlüsselerlebnis für Baier, der bisher nur im stillen Kämmerlein gesungen hatte: »Es war total aufregend. Das hat mir neue Horizonte und eine ganz neue Sicht auf Musik eröffnet.«

Dass er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt außerdem einen Mentor finden würde, der seinen Werdegang professionell betreuen sollte, das konnte Baier nicht ahnen. Andreas Münnich, seit fast 40 Jahren Tontechniker am Gießener Stadttheater und mit der technischen Leitung der Modenschau betraut, wurde jedenfalls hellhörig: »Oha, der hat Talent!« Baiers bescheidene und unverkrampfte Art hatten den Profi zudem überzeugt: »Da ist etwas, das gefördert werden kann.«

Seit zwei Jahren sind die beiden nun ein Team. Zunächst bestand Münnichs Rolle als Manager darin, eine Band auf die Beine zu stellen. So entstand um Frontmann Eric die Formation The Young Soundmaschine, zu deren festem Kern auch Keyboarder Konrad gehört. Die Feuertaufe bestand die fünfköpfige Besetzung im August 2012 bei einem Auftritt auf dem Schiffenberg im Rahmen des Musikalischen Sommers. Auf der Setliste standen Pop- und Rocksongs von James Blunt, den Counting Crows oder den Ärzten.

Je nach Anlass kann die musikalisch flexible Besetzung – als »Kaleidoskop musikalischer Stilrichtungen« – durch Saxofon oder Streicher erweitert werden. Auf der Theaterparkbühne war die Gruppe bei den Hessischen Theatertagen und dem Büchner-Festival zu erleben. Und erst im Juli gaben Eric & friends wieder eine Kostprobe ihres Repertoires auf dem Schiffenberg. Immer wieder stellt Münnich seinem Schützling auch hochkarätige Leute an die Seite, wie den Mundharmonika-Virtuosen René Giessen. Zusammen interpretierten die beiden bei der Erstsemesterbegrüßung der Technischen Hochschule vor rund 2000 Leuten den Gershwin-Klassiker »Summer-
time«, unterstützt vom Applied-Soundsorchester.

»Mit einer richtigen Live-Band auf der Bühne zu stehen, ist unbezahlbar«, strahlt Baier. »Das ist Glück und Zufriedenheit pur.« Bei der Liveperformance lege er vor allem Wert auf Interaktion mit den Zuhörern, denn: »Der Sänger muss greifbar werden für das Publikum.«

Bis jetzt konzentriert er sich auf Benefiz- und Non-Profit-Auftritte. Denn es geht nicht um das schnelle Geld im Showbiz. Baier will sich erst einmal in Ruhe ausprobieren, Schritt für Schritt an seinen Talenten arbeiten, das eigene unverwechselbare Profil finden. Schließlich soll der junge Mann nicht wie in einer Casting-Show verheizt werden. Deshalb nimmt Eric seit einem Jahr bei Ensemblemitgliedern des Stadttheaters klassischen Gesangs- und Schauspielunterricht. Dabei lerne er auch seinen Körper ganz neu kennen, erzählt er begeistert: »Das ist Handwerkzeug, das man als Band-Musiker so nicht lernt.« Fertigkeiten, die ein guter Entertainer beherrschen sollte, wie er findet. Er will das Komplettpaket. Inzwischen konnte er seine Erfahrungen sogar schon weitergeben, als Projekt-Coach für Schüler der Willy-Brandt-Schule in Sachen Musik und Schauspiel.

The Young Soundmaschine arbeiten auch an eigenen Stücken. Mit »Königskinder« wurde die erste Eigenkomposition in Münnichs Studio aufgenommen, eine Rhapsodie in verschiedenen Stilen, die auf einem Text basiert, den Baier mit 16 Jahren geschrieben hatte. So weit die mittelfristige Perspektive. Und langfristig? »Klar würde ich gerne einmal von der Musik leben können«, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der sich Bass, Gitarre, Klavier und Schlagzeug selbst beigebracht hat. Und sein Mentor ergänzt: »Da ist noch viel Potenzial nach oben.« Julian Wessel

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