Stadt Gießen

Bei Herzinfarkt zwei innovative Behandlungsmöglichkeiten

01. September 2013, 22:18 Uhr
Prof. Nef (M.) moderierte die erste Veranstaltung des Patientenforums »Gießener Herz«. Dr. Dahmer (r.) und Dr. Bauer informierten über Infarkt-Vorbeugung. (Foto: if)

Er ereilt alljährlich in Deutschland 300 000 Menschen. Bei 170 000 von ihnen mit tödlichem Ausgang. Was aber, wenn die angestrebten Normwerte trotz »Therapietreue« nicht erreichbar scheinen? Für diese Patienten – man schätzt rund fünf bis zehn Prozent aller behandelten Hypertoniker – verfügt die 1. Medizinische Klinik im Gießener Uniklinikum (Leiter Prof. Christian Hamm) über zwei neuartige Behandlungsmöglichkeiten. Oberarzt Dr. Marko Dahmer, Leiter der »Ambulanz für therapierefraktären arteriellen Bluthochdruck« stellte sie soeben im Großen Hörsaal der Anatomie im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Patientenforums der »Stiftung Gießener Herz« vor.

Bei der »renalen Denervierung«, die im Herzkatheterlabor erfolgt, werden sozusagen Signale zur Blutdrucksteigerung, die normalerweise von den Nierenarterien aus an die »Steuerungszentrale« im Gehirn übermittelt werden, unterbunden. »Viele Studien haben bewiesen, dass eine erhöhte Aktivität der sympathischen Nervenfasern, die sich netzartig um die Nierengefäße legen«, so die Gießener Spezialisten, »zur Entstehung einer arteriellen Hypertonie beiträgt«. Im Verlauf des rund 45-minütigen Kathetereingriffs wird unter Röntgenkontrolle von der Leiste aus ein »Ablationskatheter« in die Nierenarterien vorgeschoben. Die Verödung der Nervenfasern durch Hochfrequenzimpulse erfolgt punktuell. »Sehr geringe Komplikationsraten« und bis zu 85 Prozent Erfolg bescheinigt man der innovativen Methode, die bereits routinemäßig in Gießen im Einsatz ist.

Das zweite, von Dr. Dahmer erwähnte innovative Verfahren der Blutdrucksenkung, die »Barorezeptor-Stimulation«, beruht auf der schon lange bekannten Eigenschaft der Barorezeptoren. Diese kleinen, druckempfindliche Nervenknäuel in den Halsschlagadern können über ein implantiertes »Schrittmacher«-System, das sie stimuliert, Signale zur unverzüglichen Blutdrucksenkung ins Kreislaufzentrum im Gehirn weiterleiten. Herzfrequenz, Blutdruck und damit das Risiko eines Infarktes sinken.

Die Auftaktveranstaltung des vierteiligen »Arzt-Patienten- Forums« der neu gegründeten »Stiftung Gießener Herz« stand ganz im Zeichen der Herzinfarkt-Vorbeugung. Die Stiftung fühlt sich über die gezielte Aufklärung von Patienten, eine Optimierung der Patientenversorgung zugleich auch der Unterstützung kardiovaskulärer Forschung verpflichtet. Mit einem Stand beim Stadtfest war sie (wie berichtet) erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Stadtbusse machen auf ihre Aktivitäten aufmerksam. Im Mittelpunkt einer von der Stiftung organisierten Fortbildungsveranstaltung für heimische Ärzte standen neueste Informationen über die »Akutbehandlung kardialer Notfälle«.

Prof. Holger Nef – stellvertretener Leiter der Medizinischen Klinik I im Uniklinikum –, der dabei auf die Behandlung des akuten Myocardinfarktes eingegangen war und das Gießener Vorgehen schilderte, moderierte auch die erste Veranstaltung des von den Johannitern Mittelhessen unterstützten Patientenforums.

Jede Minute Bewegung wichtig

Und was nahmen die Hörer aus den zwei Stunden geballter Information durch Dr. Marko Dahmer und Dr. Pascal Bauer mit? Gesundes Leben halbiert das Risiko eines Herzinfarkts. Generell gilt: Für einen optimalen Schutz in welchem Alter auch immer, dürfen Blutdruckwerte, Cholesterin und Blutzucker nicht erhöht sein. »Falsche Ernährung, Rauchen und Alkohol sind ebenso wie Diabetes Risikofaktoren,die man ausschalten kann« unterstrich Dahmer ebenso Bauer. Körperliche Aktivität – zwei- bis dreimal pro Woche 20 bis 30 Minuten – reduziert die Gefahr. Wird in fortgeschrittenerem Alter begonnen, sollte zuvor der Arzt konsultiert werden. »Jede Minute Bewegung ist wichtig.«

Bei der zweiten Veranstaltung stehen am kommenden Mittwoch – wiederum 18 Uhr in der Anatomie im Aulweg 123 – die Fragen »Herzinfarkt – was nun? Erste Hilfe? Notarzt?« im Mittelpunkt. »Das Leben danach« kommt am Dienstag, 10. September, und Fragen nach »Sport und Sex nach Herzinfarkt« am Mittwoch, 18. September, zur Sprache. Sozusagen als »Belohnung« gibt es abschließend die Möglichkeit, bei einem »Tag der Offenen Tür« eines der Herzkatheter-Labors im Klinikum zu besichtigen.

»Stiftung Gießener Herz« will aktiv und effektiv helfen

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