Stadt Gießen

Hochkarätig besetzte Diskussion über Bildungsthemen

08. Februar 2013, 22:23 Uhr
Hochkarätig besetztes Podium in der sehr gut gefüllten LLG-Turnhalle. (Foto: Schepp)

Immerhin: Der Schulfrieden soll gewahrt werden – unabhängig davon, wie die Wahl am 22. September ausgeht. Das versprachen bei der vom Stadtschülerrat organisierten Veranstaltung SPD-Vorsitzender Schäfer-Gümbel und Matthias Wagner (bildungspolitischer Sprecher der Grünen) im Falle eines rot-grünen Erfolgs.

Dass man »nicht dauernd neue Kräfte« für schulische Organisationsformen verwenden möchte, verdeutlichte Antje Mühlhans. »Wir würden uns gern wieder auf unser Kerngeschäft konzentrieren«, mahnte die LLG-Direktorin in Richtung Landespolitik an. Im Mittelpunkt der Diskussion vor mehreren Hundert Schüler/innen in der voll besetzten Schulturnhalle stand zunächst die im Dezember von der Landesregierung eingeräumte Option, wonach Gymnasien sich künftig zwischen G8 und G9 entscheiden können. »Es ist gut, dass beide Möglichkeiten in Hessen existieren«, bekräftigte Kultusministerin Beer. Sie halte sowohl die Schulzeitverkürzung G8 als auch die Option der Rückkehr zu G9 für »wichtige Bestandteile unserer vielfältigen Schullandschaft«.

Man habe auf die Diskussion im Land reagiert, erinnerte Günter Schork an die Wahlfreiheit für Gymnasien. »Viele Schulen arbeiten erfolgreich mit G8«, sagte der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Deshalb blieben viele Gymnasien auch künftig bei der verkürzten Schulzeit bis zum Abitur. Etwa ein Drittel der Gymnasien hätten sich für G9 entschieden, zehn Schulen für den Schulversuch mit G8 und G9. An die flächendeckende Einführung von G8 im Schuljahr 2005/2006 erinnerte auch Mario Döweling. »Ich persönlich hätte es anders gemacht«, so der schulpolitische Sprecher der FDP, der deshalb die nun geschaffene Möglichkeit begrüßte, wonach Gymnasien selbst entscheiden können.

Er sei nach wie vor der Auffassung, dass die Schulzeitverkürzung, so wie sie in Hessen umgesetzt wurde, falsch sei, betonte Thorsten Schäfer-Gümbel. Der SPD-Chef, einst Abiturient am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, sprach sich ebenfalls für einen Erhalt des Schulfriedens aus, die verkürzte Mittelstufe nahm er davon jedoch aus. »G8 nimmt Kindern in der Pubertät Zeit und Raum in einem Umfang, der kontraproduktiv ist. « G8 sei 2005 gegen den Rat von Experten eingeführt worden, blickte Matthias Wagner zurück. »Lasst es doch die Schüler entscheiden«, appellierte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen an seine Kollegen im Landtag. Schließlich dürfe Wahlfreiheit nicht nur auf dem Papier stehen.

Offene Türen rannte er mit dieser Forderung bei Clara Veit vom Vorstand des Landesschülerrats ein. Die Schülerin aus Offenbach bezeichnete es als »großen Fehler«, wenn die Schulzeit in der Mittelstufe verkürzt werde. Sie setze sich für eine modularisierte Oberstufe ein.

Über die Konsequenzen der Schulzeitverkürzung aus heimischer Sicht sprachen Dieter Gath, Antje Mühlhans und Astrid Eibelshäuser. Für den Leiter der Herderschule teilt sich die Schülerschaft seines Gymnasiums in 25 Prozent G9- und 40 Prozent G8-Schüler auf. Die restlichen 35 Prozent seien problemlos für beide Möglichkeiten geeignet. Dass G8 im Jahr 2005 an allen Gymnasien eingeführt worden sei, »haben wir für einen Fehler gehalten«, sagte der Direktor. An der Herderschule sei etwa die Zahl der Auslandsaufenthalte von Schülern seitdem stark zurückgegangen.

Das LLG habe sich für die Umwandlung, nicht für eine Rückkehr zu G9 entschieden, verdeutlichte Antje Mühlhans. »Wir brauchen Zeit für Bildung«, nannte die LLG-Direktorin mehr Spielraum für selbstorganisiertes, forschendes Lernen sowie soziales Engagement.

In Gießen hätten alle Gymnasien ihren Unterricht auf hohem Niveau umgesetzt, erklärte Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser (SPD). Offenbar stoße das Modell der Weiterentwicklung von G9 vor Ort auf hohe Resonanz. Ihrer Meinung nach eignet sich die Phase in der Sekundarstufe I für Schüler zwischen 10 und 16 Jahren am wenigsten für eine Beschleunigung des Lernens, so die Stadträtin.

Leider kamen Fragen und Beiträge von Schülern nach der Diskussion auf dem zehnköpfigen Podium etwas zu kurz. Eine Schülerin kritisierte den mehrmonatigen Unterrichtsausfall im Fach Englisch ohne Vertretung. Gath und Mühlhans hatten zuvor noch die »hervorragende Unterrichtsabdeckung« von über 100 Prozent gelobt.

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