G9-Initiative will »Entscheidung bis Ostern«

Gießen-Wieseck (pd). Kurz vor Weihnachten waren es noch knapp 6000 Unterstützer, inzwischen hat die Gruppe »www.G9-Wahl.de« bereits weit über 12 000 Unterschriften gesammelt.
17. Januar 2013, 20:43 Uhr

Die Elterninitiative fordert die hessische Landesregierung mit ihrer öffentlichkeitswirksamen Aktion dazu auf, »unverzüglich eine Übergangslösung für Gymnasien zu schaffen, die künftig kein G8 mehr anbieten wollen«. Das Land soll den laufenden Klassen 5 und 6 erlauben, spätestens ab Klasse 7 nach G9 beschult zu werden (die GAZ berichtete). Diese als »Gießener Resolution« bezeichnete Forderung war am Mittwochabend im Bürgerhaus Wieseck auch Gegenstand eines Treffens der Initiatoren mit Elternbeiräten aus hessischen Kommunen zwischen Fulda und Limburg-Weilburg.

»Wir wollen eine Entscheidung bis Ostern haben«, unterstrich Sprecher Dr. Andreas Bartels vor rund zehn Elternvertretern. Am 31. Januar sollen Resolution und Unterschriften in Wiesbaden übergeben werden – möglichst an Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU). »Es gibt in der hessischen Elternschaft und Bevölkerung eine breite Unterstützung dafür, dass nicht unnötig viele Kinder unfreiwillig nach G8 beschult werden müssen«, betonen die Initiatoren. Die Resolution erhielt von der Gruppe der Elternbeiräte am Mittwochabend viel Unterstützung, wurde aber nicht abgestimmt.

Der Landtag hatte im Dezember entschieden, es den hessischen Gymnasien zu überlassen, ob sie das Abitur nach acht (G8) oder neun Jahren (G9) anbieten. In Gießen hatten sich die Gremien von Landgraf-Ludwigs-Gymnasium und Liebigschule mit großer Mehrheit für eine Rückkehr zu G9 entschieden. Die Herderschule bevorzugt das »Mischmodell« und möchte sowohl G8 als auch G9 anbieten.

In der Diskussion der Elternvertreter zeichnete sich ein klar ablehnende Haltung zur Schulzeitverkürzung G8 ab. »Hier ist eine Lawine losgetreten worden, die nicht mehr umzukehren ist«, verdeutlichte der Gießener Stadtelternbeiratsvorsitzende Gerald Rühl. »Das Modell G8 wird in den nächsten Jahren auslaufen.« Deshalb plädierte er dafür, die Kinder der jetzigen Klassen 5 und 6 »nicht hinten runter fallen zu lassen«. Sein Marburger Kollege Bernd Mönnich schilderte die Belastungen des Privatlebens infolge der Schulzeitverkürzung. »Das gesamte Familienleben muss sich nach G8 ausrichten. « Er appellierte an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), die Schulen selbstständig entscheiden zu lassen, ob die Stufen 5 und 6 zu G9 zurückkehren dürfen. »Geschwindigkeit allein ist kein Qualitätsmerkmal«, stellte auch Dr. Tanja Lienhard vom Vorstand der Initiative die Vorteile von G8 infrage. So litten etwa Musik- und Sportvereine darunter, dass Kindern für derlei Freizeitaktivitäten kaum noch Zeit bleibe.

Die Elterninitiative sei nicht angetreten, Eltern und Schülern, die sich für G8 entschieden haben, G9 »aufzudrücken«, stellte Bartels klar. Wer weiter mit verkürzter Schulzeit zum Abitur wolle, genieße Bestandsschutz. Für diese Schüler müssten genügend G8-Klassen eingerichtet werden. Bartels setzt weiter auf ein Einlenken des Landes. »Es ist für eine Regierung nicht so schlimm, einen Fehler zu machen. Schlimm ist es erst, ihn nicht zu korrigieren.«

Mehr im Internet: www.G9-Wahl.de

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