Stadt Gießen

Familienfreundliche Vollzugsarbeit angekündigt

07. Dezember 2012, 18:53 Uhr

Der Verein, dessen Anliegen die Resozialisierung von Strafgefangenen der Haftanstalten in Gießen und Butzbach ist, wolle den Inhaftierten eine spätere Eingliederung in die Gesellschaft erleichtern. Um diesen Menschen ein erneutes Gefühl der Zugehörigkeit zu ermöglichen, sei vor allem wichtig, dass sie wieder am Erwerbsleben teilnehmen könnten. Der Beruf sei einer der »wichtigsten protektiven Faktoren«, betonte Schulte.

Der Vorsitzende plädierte deshalb dafür, dass Mitarbeiter der örtlichen Jobcenter und Schuldnerberatungen künftig noch häufiger in die Gefängnisse kommen sollten, um vor Ort »besser und schneller« Angebote machen zu können. Er verwies auf eine Vereinbarung der Landesministerien für Justiz und Soziales sowie des Landeswohlfahrtsverbandes vom vergangenen Oktober. Demnach solle gelten, dass »wer seine Strafe verbüßt hat, eine Chance haben muss«.

Ein weiteres Vorhaben des Vereins für das kommende Jahr sei eine »familienfreundlichere Vollzugsarbeit«, kündigte Schulte an. Kinder von inhaftierten Vätern seien oft Stigmatisierungen ausgesetzt und die Väter drohten durch die Zeit im Gefängnis ihre identitätsstiftende Vorbildrolle zu verlieren. Eine Möglichkeit für die Kinder, mit solchen Situationen umzugehen, könnten Selbsthilfegruppen sein, in denen die Betroffenen sich aussprechen und austauschen könnten, regte der Vorsitzende an.

Um zu verhindern, dass der Kontakt zwischen Vätern und Kindern während der Haft abreißt, gebe es im Butzbacher Gefängnis bereits sogenannte Vater-Kind-Gruppen. Inhaftierte könnten über diese Gruppen für mehrere Stunden in jedem Monat ihr Kind im Gefängnis treffen, mit ihm spielen, aber auch reden und versuchen, die Situation zu erklären. Eine Teilnahme an dieser Gruppe könne über die Anstaltsseelsorge gestellt werden, informierte der Vorsitzende.

Bevor Geschäftsführer Ulrich Hinkel den Kassenbericht für das Jahr 2011 vorlegte, unterstrich Schulte noch einmal, dass der Fliedner-Verein sich ausschließlich über von Gerichten verhängte Bußgelder und Spenden finanziere. Hinkel konnte den Mitgliedern zwei Rekorde vermelden. 2011 habe der Verein insgesamt rund 79 000 Euro aufgewendet, deutlich als im Vorjahr. Dies sei durch Projektfördermittel des Justizministeriums sowie durch die Auflösung von Rücklagen ermöglicht worden. Unter anderem habe der Verein 8000 Euro für die Ausstattung der Bibliotheken beider Haftanstalten ausgegeben sowie Schulungen für Berufskraftfahrer und Gabelstaplerfahrer finanziert. Auch Englischkurse der Volkshochschule seien unterstützt worden. Ein weiterer Rekord betraf die Mitgliederentwicklung: Im laufenden Jahr habe der Verein erstmals über 200 Unterstützer gezählt.

Konstanz prägte hingegen die Vorstandswahlen. Mirko Schulte und Ulrich Hinkel wurden ihren Ämtern bestätigt. Als stellvertretende Vorsitzende wurden der Leiter des Gießener Gefängnisses, Martin Lesser, und der kommissarische Leiter der Butzbacher Haftanstalt, Eugen Martz, gewählt.

Abschließend stimmten die Mitglieder dafür, den Vereinsnamen zu modernisieren, wie Schulte es vorgeschlagen hatte. In Zukunft bezeichnet sich der Fliedner-Verein nicht mehr als Gefangenenfürsorgeverein, sondern als Resozialisierungsverein der Justizvollzugsanstalten Gießen und Butzbach.

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