Stadt Gießen

Brückenfund überrascht Archäologen

02. August 2012, 21:43 Uhr
Rund 75 Meter lang ist das Bauwerk, von dessen Existenz Fachleute bisher nichts wussten. In den letzten Tagen wurde der Fund unter dem Asphalt der Bahnhofstraße dokumentiert. (Foto: Schepp)

In den letzten Tagen haben er und seine Kollegen das Gemäuer dokumentiert, jetzt wurde der Graben wieder zugeschüttet.

Etwa 75 Meter lang ist die mutmaßliche Brücke, zehn Bögen wurden freigelegt. Wie breit sie ist, wird sich wahrscheinlich erst im Lauf der weiteren Arbeiten herausstellen, wenn neue Hausanschlüsse gelegt werden.

Dass bisher kein Fachmann etwas von der Existenz des Bauwerks ahnte, ist um so verblüffender, als es wohl erst zwischen 1845 und 1850 entstand. Dafür sprächen mehrere Tatsachen, so Neubauer: Beim Mauern wurde Zementmörtel verwendet, den es in Jahrzehnten zuvor nicht gab; die Oberkante der Mauern lag nur zwanzig Zentimeter unter der Oberfläche; und die Bögen bestehen aus rotem Sandstein. Der komme in der näheren Umgebung nicht vor, erklärt der Archäologe. Das Gestein musste mindestens aus der Marburger Gegend herangeschafft werden. Und das geschah offenbar in größerem Umfang Mitte des 19. Jahrhunderts: Da wurden unter anderem der Bahnhof selbst und die nahe Hauptpost aus rotem Sandstein errichtet.

Sicher sei, dass es sich nicht um Fundamente ehemaliger Häuser handle, so Neubauer. Für eine Brücke sprächen die Bögen und die Tatsache, dass sich an der Stelle eine natürliche Senke befinde. Lockeres Material wie Schotter und Lehm wiesen darauf hin, dass dort einmal die Lahn oder ein Teil davon entlanggeflossen ist.

Im Stadtarchiv hätten sich bisher keine Akten gefunden, die Licht ins Dunkel bringen könnten, berichtete dessen Leiter Dr. Ludwig Brake auf Anfrage. Peter Eschke von den Mittelhessischen Wasserbetrieben hält es für wahrscheinlich, dass die Brücke – die nicht sehr sorgfältig gemauert sei – nur vorübergehend existierte. Möglicherweise seien darauf Schienen für eine Feldbahn zum Transport von Baumaterial verlegt worden.

´Für die Archäologen sei die Frage, wozu das Bauwerk gedient haben könnte, erst einmal zweitrangig, sagt Neubauer: »Für uns stand zunächst die steingenaue Dokumentation im Vordergrund. Für die Interpretation ist später noch genug Zeit. « Sein Haupt-Augenmerk gelte weiterhin dem Ort Selters, der sich bereits im achten Jahrhundert nach Christus in dem Bereich zwischen dem heutigen Bahnhof und der Frankfurter Straße befand. Die Wüstung – so nennt man eine aufgegebene Siedlung – sei eine Art »Urzelle« Gießens, zu der auch die Mutterkirche der Stadt gehörte, St. Peter. Um 1500 zogen die Bewohner in die heutige Innenstadt um – dafür sorgten mit mehr oder weniger »sanftem Druck« die Landesherren, weiß Neubauer.

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