Stadt Gießen

Beitrag aus Gießen macht Furore bei Krebskongress

03. Juni 2012, 22:08 Uhr
Er macht Krebspatienten neue Hoffnung: Prof. Mathias Rummel (l.), hier mit Oberarzt Dr. Alexander Burchardt und Dr. Maisun Abu Samra. (Foto: pv)

25 000 Onkologen aller Disziplinen – darunter die namhaftesten internationalen Krebsmediziner – sind angereist: Chicago, drittgrößte Stadt der USA nach New York und Los Angeles, steht seit Samstag im Zeichen des ASCO-Kongresses. Das Jahrestreffen der renommierten »American Society of Clinical Oncology« gilt als der wichtigste Krebskongress der Welt. Hier kommen Jahr für Jahr die jeweils neuesten Erkenntnisse und Ergebnisse im Kampf gegen den Krebs zur Sprache, der – noch immer unbesiegt – im Begriff ist, Herz-Kreislauf-Erkrankungen von der Spitze der Todesursachen zu verdrängen.

Rummel präsentierte auf Einladung des wissenschaftlichen Komitees bei der Plenarsitzung vor tausenden Kollegen aus allen Teilen der Welt im McCormick-Kongesszentrum seine Erkenntnisse. Die von ihm 2003 noch vor seinem Wechsel nach Gießen in Frankfurt gegründete »Studiengruppe indolente Lymphome« (StiL), die der Hämatologe seither vom Uniklinikum aus koordinierte, hat bei 549 nicht vorbehandelten Patienten mit indolenten Lymphomen – langsam wachsenden, malignen Entartungen von Zellen des Immunsystems – eine neue Therapie angewandt, die deutlich verbesserte Ergebnisse bei geringeren Nebenwirkungen zeitigt. Dabei handelt es sich um eine Kombination des in der Krebsimmuntherapie eingesetzten monoklonalen Antikörpers Rituximab mit Bendamustin, einem »alten«, bereits in den 60er Jahren in Jena entwickelten Krebsmedikament. Verglichen wurde diese Behandlung mit einer bestimmten, konventionellen und aggressiven Zytostatika-Kombination. Die positiven Ergebnisse beträfen auch die inzwischen vorliegende Langzeitbeobachtung, so Rummel.

Ursprünglich war der Gießener Beitrag für die Sitzung der Lymphom-Spezialisten eingeplant. Bis, noch ehe er seinen Flug gebucht hatte, eine verblüffende Mail aus USA bei Rummel einlief: Man freue sich, ihm mitteilen zu können, dass vom wissenschaftlichen Komitee den Beitrag »Bendamustine plus Rituximab .... as first-line treatment with indolent and mantle cell lymphomas...« unter den mehr als 10 000 eingesandten »Abstracts« zur Aufnahme ins wissenschaftlichen Programm der Plenarsitzung am Sonntagmittag ausgewählt worden sei. Sie solle von Rummel vorgestellt, diskutiert und bei der offiziellen internationalen Pressekonferenz des Kongresses vorgestellt werden.

Üblicherweis werden bei der Plenarsitzung zum Auftakt der ASCO-Jahreskongresse jeweils die vier als besonders herausragend betrachteten Beiträge von ihren Autoren präsentiert. Prof. Rummel kurz vor dem Abflug nach USA im GAZ-Gespräch: »Zu diesen vier zu gehören und die Arbeit vor tausenden von Teilnehmern aus aller Welt im Plenum erläutern zu können – das ist schon ein sensationelles Ereignis.« Sensationell auch, weil – nicht aus einem der großen, beherrschenden »Krebsthemen« Brust, Lunge oder Prostata stammend – erstmals einem aus Deutschland stammenden Beitrag diese Auszeichnung widerfährt.

Dass mittlerweile das von der deutschen Studiengruppe StiL entwickelte »B-R«-Therapieschema vor kurzem bereits in die Leitlinien des US-amerikanischen »Comprehensiv Cancer Network« eingeflossen ist und auch international in vielen Ländern als neuer Standard der Lymphom-Therapie betrachtet wird, macht das erfreuliche Ereignis für alle Beteiligten komplett. Rummel zeigt sich überdies zuversichtlich: »... und das Potenzial des alten Krebsmedikaments Bendamustin scheint noch nicht völlig ausgeschöpft.«

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