Stadt Gießen

Gedenkfeier für Prof. Richter am Institut für Psychoanalyse

26. Februar 2012, 19:18 Uhr
Prof. Horst Eberhard Richter war im vergangenen Dezember gestorben. (Foto: pv)

Das zeigte sich auch bei der bewegenden Gedenkfeier im Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie in der Ludwigstraße, das dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Es war eine entscheidende Wirkungsstätte von Horst Eberhard Richter und von ihm 1962 gegründet worden.

Von einem »unersetzlichen Verlust« sprach die Institutsvorsitzende Elvira Selow in ihrer Begrüßungsrede und sprach der anwesenden Familie Richter ihr Beileid aus. »Das Ende seines so reichhaltigen Lebens wird eine bleibende Narbe hinterlassen, seine Fußstapfen werden frei bleiben«, sagte sie. Richter sei ein großes Vorbild gewesen für eine Art des Denkens und Arbeitens, das von Anfang an den familiären, gruppendynamischen, psychosomatischen sowie gesellschaftspolitischen Kontext aktiv mit einbezog.

Für Prof. Hans-Jürgen Wirth, der in den 70er Jahren in der studentischen Initiativgruppe »Eulenkopf« aktiv war, ist Richter eine Autorität gewesen, ohne autoritär zu sein. Der Wissenschaftler habe eine neue Form von Männlichkeit gelebt – fern von Stärkekult und Aggression. »Er war einer der sehr seltenen Vertreter der Elterngeneration, der auf Augenhöhe diskutierte und gleichberechtigter Gesprächspartner war«. Mit seinen wegweisenden familientherapeutischen Ansätzen und Denkweisen habe er eine undogmatische Psychoanalyse vertreten, wie er es sich erträumt habe, versicherte Wirth.

Dr. Dorothea von Ritter-Röhr bezeichnete Richter als »Ikone zu Lebzeiten«. »Er hat so vieles bewirkt, was uns heute selbstverständlich erscheint, er war ein großer Reformer der Psychoanalyse.« Der Facharzt für Psychosomatische Medizin, Albrecht Köhl, beschrieb Richter als väterlich, anregend, fördernd und leitend. »Bei Dir, lieber Horst war Heimat – unvergesslich und bleibend«.

Trauer um den Kämpfer für den Frieden äußerte auch Prof. Ulrich Gottstein, Ehrenvorstandsmitglied des Vereins Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. »Er fehlt uns«. Bis kurz vor seinem Tod sei Richter in Sorge um den Frieden in der Welt und um die Menschen gewesen.

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