Stadt Gießen

Wer ist für zurückgelassene Katzen zuständig?

24. Februar 2012, 19:38 Uhr

In der Wohnung ist niemand mehr, die Mieterin hat die Stadt verlassen und das Jugendamt deren Kinder in Obhut genommen. Nun gibt es noch sieben Katzen dort, um die sich jemand kümmern muss. Ein Fall für den Tierschutzverein? »Wir würden sofort helfen«, sagt die 1. Vorsitzende Hanna Maria Rethorn, doch brauchen wir dafür einen Auftrag und damit einhergehend die Gewissheit, dass die Kosten übernommen werden«. Und hier liegt das Problem: Dafür fühlt sich niemand zuständig. Die Stadt sieht den Landkreis mit seiner Veterinärbehörde in der Pflicht. Der Landkreis sieht den »Katzenfall« in städtischer Verantwortung. In den vergangenen Tagen haben sich Jugend-, Ordnungs- und Veterinäramt sowie Polizei und Wohnbau mit dem Thema beschäftigt. Eine Lösung wurde nicht gefunden. Die Katzen werden derzeit von einem Nachbarn gefüttert, sie sind laut Veterinäramt in einem guten Zustand.

Der Tierschutzverein ist grundsätzlich bereit, aktiv zu werden, versichert auch Robert Neureuther, Geschäftsführer des TSV. Der Verein habe bereits angeboten, Futter und Katzenstreu zur Verfügung zu stellen. Die Katzen aus der Wohnung zu holen sei jedoch eine andere Sache. Ohne Unterstützung gehe dies nicht: »Wir können ja nicht einfach in die Wohnung eindringen, die Aktion müsste von einer Behörde – sei es Ordnungsamt oder Veterinäramt – beauftragt und flankiert werden«. Ginge der Tierschutzverein ohne offizielle Weisung zu Werke, bliebe er womöglich auf den Kosten sitzen. »Das können wir uns nicht leisten, wir brauchen eine grundsätzliche Klärung«, sagt Vorsitzende Rethorn.

Der TSV hat mit der Stadt – ebenso wie mit zahlreichen Kommunen des Landkreises – einen Fundtiervertrag geschlossen, in dem geregelt ist, dass der Verein sich herrenloser Hunde und Katzen annimmt. Der TSV bekommt eine Kostenpauschale pro Einwohner, in diesem Jahr sind es 85 Cent und im kommenden Jahr werden es 90 Cent sein.

Bei dem aktuellen Fall handele es sich jedoch nicht um ausgesetzte, also herrenlose Tiere, da ja ein Besitzer bekannt sei, erläuterte Pressesprecherin Claudia Boje. Dieser sei verschwunden und habe die Katzen unversorgt zurückgelassen – dies sei »ganz klar« ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Für die Überwachung des Tierschutzgesetzes sei der Landkreis mit seiner Veterinärbehörde zuständig, sind sich TSV und Stadt einig.

Landkreis: Stadt ist gefordert

Das sieht man beim Landkreis anders. Wie Pressesprecher Oliver Keßler auf Anfrage erklärte, sei man der Auffassung, dass das Ordnungsamt der Stadt gefordert sei. Das Veterinäramt habe sich vom Zustand der Katzen ein Bild gemacht, sie würden vorläufig von einem Nachbarn versorgt.

Der Tierschutzverein drängt auf eine Entscheidung, weil er in der Vergangenheit schon öfter Hilfestellungen dieser Art aus eigener Tasche bezahlen musste, erinnert Neureuther. Im Jahr 2009 hatte es im Grünberger Ortsteil Stangenrod einen extremen Fall von »Animal Hording« gegeben. Zwei verwirrte Frauen hatten in ihrem verwahrlosten Haus dutzende von Katzen gehalten. Viele der schwer kranken, elend vor sich hinvegetierenden Tiere mussten eingeschläfert werden, etwa 40 von ihnen holte der Tierschutzverein ins Tierheim und pflegte sie gesund. Auf den Kosten von rund 33 000 Euro blieb der Tierschutzverein sitzen. Damals war auch die Veterinärbehörde vor Ort, der Landkreis sprang aber finanziell nicht ein.

Auch die Wohnbau wäre froh über eine klare Regelung, denn letztlich muss sie die ungeklärten Zuständigkeiten ausbaden, erklärt Jürgen Steiert. In vergleichbaren Fällen habe man in der Vergangenheit gemeinsam mit dem Tierschutzverein eine schnelle, unbürokratische Lösung gefunden – aber auf eigene Kosten. Darüber, dass die Katzen nun allein in der Wohnung lebten, sei man alles andere als glücklich. »Das ist aus unserer Sicht weder für die Wohnung noch für die Tiere akzeptabel«.

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