Gießener Privatbrauerei übernimmt das »Brauhaus«

04. Januar 2012, 18:43 Uhr
Christian Runkel (l.) und Verkaufsleiterin Bernadette Wisser peilen mit der Marke »Gießener« neue Ziele an. (Foto: Schepp)

Im entsprechenden Vertrag mit Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner wurde auch die Übernahme des kompletten Personals vereinbar. Die Höhe des Kaufpreis wurde zwar nicht genannt, der Betrag liege jedoch »deutlich über dem Zerschlagungswert« des in finanzielle Nöte geratenen Unternehmens, teilte Christian Runkel mit, der zusammen mit Achim Franzen Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Privatbrauerei Gießen ist.

Verschwinden wird damit auch der Name »Gießener Brauhaus«: Er wird durch »Gießener Privatbrauerei« ersetzt.

Mit dieser Neuordnung auf dem Gelände vor dem 54 Meter hohen Brauhausturm geht die Ära von Klaus Denninghoff zu Ende, der zuletzt Geschäftsführer des Gießener Brauhauses war und bereits vor über fünf Jahren den Bier-Produktionsprozess sowie den Brauturm verkaufte. Das »Gießener Brauhaus« war seitdem nur noch »Lohnbrauer« im ehemals eigenen Sudhaus und behielt lediglich Vertrieb, Logistik und Marketing in eigener Hand. Rund 450 Gaststätten und Getränkemärkte in der Region wurden beliefert. Nun übernehmen also der 45-jährige Christian Runkel (als Kaufmann für Vertrieb und Marketing zuständig) und der 49-jährige Achim Franzen (als Braumeister für die Produktion verantwortlich) auch diese Segmente.

»Ich persönlich war in der Insolvenzphase immer zuversichtlich, aber einige Kollegen hatten zum Teil große Ängste«, freut sich Thomas Schnabel, der seit 35 Jahren beim »Gießener Brauhaus« beschäftigt ist und nun neue Chefs erhält, über die neu gewonnene Sicherheit.

An einem Kauf des »Gießener Brauhauses« waren noch zwei weitere Mitbewerber interessiert. Sie hätten jedoch laut Runkel nicht alle Mitarbeiter weiterbeschäftigt und wären auch nicht in der Lage gewesen, die Biermarke »Gießener« weiterhin zu brauen – denn »Gießener Bier« darf laut Gesetz nur in Gießen und nicht an anderen Standorten hergestellt werden.

Die Gießener Privatbrauerei GmbH hatte zuletzt einen Ausstoß von 150 000 Hektolitern Bier. Nur rund zehn Prozent davon (16 000 Hektoliter) waren jedoch Produkte der ehemaligen Marke »Gießener Brauhaus«. Die übrigen 90 Prozent verteilten sich auf 17 weitere Sorten, darunter »Iserlohner«, »Germania« oder »Steffens«.

Mit neuen Bierprodukten und Ideen wollen Runkel (»Sogar viele Wirte haben ja gar nicht mehr gewusst, was in den letzten Jahren mit dem Brauhaus so passiert ist«) und Franzen der Marke »Gießener« frisches Leben einhauchen und deren Absatz bis 2013 auf 25 000 Hektoliter erhöhen. Am vergangenen Montag wurden die ersten Flaschen mit neuen Sorten und Etiketten abgefüllt. Insolvenzverwalter Plathner hatte schon vor mehreren Monaten erklärt, das Potenzial für eine regionale Biermarke sei in Gießen und Umgebung »auf jeden Fall vorhanden«.

Mit der Übernahme wird auch an einem neuen Konzept für Brauereibesichtigungen, Bierproben und Events gearbeitet. Wie Runkel mitteilte, soll das Sudhaus wieder für Musikveranstaltungen genutzt und auch die 40 Meter hoch im Brauhausturm gelegene Braustube mit ihrer herrlichen Aussicht wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Am Turm war zudem im vergangenen Monat bereits ein neues Logo montiert worden.

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